The same procedure as every year!

Unterhaltung von Michaela am 31.12.2016

Feuerwerk, Bleigießen und Champagner…all das gehört zu Sylvester wie der Tannenbaum zu Weihnachten. Aber was wäre der Jahreswechsel ohne Miss Sophie und ihren treuen Butler James? Seit 53 Jahren feiert Miss Sophie nunmehr ihren 90. Geburtstag.

Dinner for One

Herzlichen Glückwunsch, Miss Sophie!

Zu ihrem Geburtstagsdinner hat sie, wie jedes Jahr, ihre vier besten Freunde auf ihr Anwesen eingeladen: Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom. Da die Herren schon seit vielen Jahren verblichen sind, bemüht sich der ergebene Butler James, sie gebührend zu ersetzten. So prostet er in Person der im Geiste anwesenden Geburtstagsgäste Miss Sophies zu und leert dabei insgesamt 15 Gläser.

Mit zunehmenden Alkoholgenuss stellt dabei das vor dem Tisch drapierte Tigerfell mit dem Tigerkopf, das überquert werden muss, eine sportliche Herausforderung dar. Auch die Aussprache verwischt sich im Laufe des Abends und die Technik des Einschenkens der Gläser variiert zunehmend. Und dann kann man auch schon mal anstatt des Weinglases versehentlich die Blumenvase erwischen.

Vom Pausenfüller zum Kult-Sketch

Auf der Suche nach Anregungen und neuen Ideen für seine Show reiste der Entertainer Peter Frankenfeld im Sommer 1962 mit dem Fernsehregisseur Dunckhase in das englische Seebad Blackpool – zu der Zeit die europäische Hochburg der Varietés. Dort entdeckte er Freddie Frinton, der seit über zehn Jahren das Stück „Dinner for One“ spielte. Frankenfeld war begeistert und lud Frinton und seine Partnerin May Warden in seine Show „Guten Abend, Peter Frankenfeld“.

Frinton und Warden reisten nach Hamburg. Die Requisiteure der Sendung hatten in der Vorbereitung bereits ein Eisbärfell besorgt. Aber Frinton bestand auf seinem mitgebrachten Tigerfell, da er seine elf Hüpfer über den Tigerkopf zentimetergenau einstudiert hatte.

Am 8. März 1963 war der Sketch dann erstmalig im Deutschen Fernsehen in der Live-Sendung zu sehen. Im Juli des selben Jahres wurde das Stück in Hamburg vor Publikum wiederholt und aufgezeichnet. Dinner for One gilt als eine der ersten MAZ-Aufzeichnungen des Deutschen Fernsehens.

Zunächst wurde sie neun Jahre als Pausenfüller gesendet. Seit dem 31. Dezember 1972 wird der Sketch zu jedem Jahreswechsel ausgestrahlt. Er ist damit die am häufigsten wiederholte Sendung des deutschen Fernsehens und wurde 1988 im Guinness-Buch der Rekorde als „weltweit am häufigsten wiederholte Fernsehproduktion“ eingetragen. 1997 sahen erstmals mehr Menschen Dinner for One (11,93 Millionen) als die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers (9,28 Millionen). 2003 erreichte Miss Sophie mit ihrer Geburtstagsparty mehr als 13 Millionen Zuschauer in Deutschland, und 2007 sogar sensationelle 18,6 Millionen Zuschauer.

Dinner for One

„Erinnerungsmahl“ im Osten

Auch in der  Schweiz, Österreich, Finnland, Norwegen, Schweden, den Färöern, Südafrika, Grönland, Estland, Australien, Dänemark und Luxemburg ist Dinner for One, ähnlich wie in Deutschland, ein alljährliches Kult-Ereignis. In Schweden wurde die Aufzeichnung erst 1969 zur Sendung freigegeben. Sie galt als ungeeignet, da James im Sketch zu viel Alkohol trinkt. Nur im Heimatland des britischen Humors ist Dinner for One nahezu unbekannt.

Auch in der DDR feierte Miss Sophie ihren 90sten Geburtstag. Im ostdeutschen Staatsfernsehen kommt 1978 allerdings nicht der Klassiker mit Frinton und Warden zur Ausstrahlung, sondern eine frühe Variante mit den Schaupielern Ernest E. Regon und June Royal unter dem Titel Erinnerungsmahl. Erst Silvester 1988, ein knappes Jahr vor dem Mauerfall, zeigte dann auch das DDR-Fernsehen den West-Klassiker.

Hessisches Dinner mit Dick Supp und Äbbelwoi

Dinner for one

Im Laufe der Jahre wurde das Stück in Deutschland in verschiedene Dialekte übertragen. Da gibt ed dann in der Version uff hessich für de Mamma statt Mulligatawny-Suppe Dick Supp, Kardoffelpannkuche und Grie Sos met harte Eier. Butler Rudi darf Äbbelwoi un e Likörsche für die nicht erschienenen Gäste herunterstürzen. Bücher und Hörspiele gibt es außerdem auf Sächsisch, Bayerisch und natürlich Platt. Eine plattdeutsche Fassung der Fritz-Reuter-Bühne in Schwerin ist an Silvester auch im NDR Fernsehen zu sehen.

Der Klassiker bleibt farblos

Ende der 60er Jahre plante man, den Sketch dem aufkommenden Farbfernsehen anzupassen und eine Aufzeichnung in Farbe aufzunehmen. Durch den plötzlichen Tod von Freddie Frinton scheiterte das Projekt. Eine nachkolorierte Fassung wurde zum Jahreswechsel 1999/2000 erstmals ausgestrahlt. Beim Publikum löste das großes Entsetzen und heftige Proteste aus. Somit wurde die Schwarzweiß-Fassung wieder ins abendliche Programm genommen, und nur einige Mundart-Varianten werden in Farbe gezeigt.

Na dann: Cheerio Miss Sophie!