Das Musical La La Land räumt ab

Unterhaltung von Michaela am 25.01.2017

So viele Golden Globes hat noch nie zuvor ein Film erhalten: Das Musical La La Land hat mit sieben Auszeichnungen einen Rekord aufgestellt und wird als Favorit bei den „Oscars“ gehandelt.

Regisseur Damien Chazelle Film erhielt bei der Golden Globe Verleihung Preise in allen sieben Kategorien, in denen er nominiert war: die Hauptdarsteller Ryan Gosling und Emma Stone als beste Darsteller in der Kategorie Musical/Komödie, den Hauptpreis in der Kategorie Musical/Komödie, den Preis für die beste Regie und für das beste Drehbuch, die beste Filmmusik und den besten Song.

Musical La La Land

Mit Musical La La Land in die Stadt der Träume

Im Musical La La Land begegnen sich die angehende Schauspielerin Mia (Emma Stone) und der begabte Jazzmusiker Sebastian (Ryan Gosling). Beide suchen das große Glück in Los Angeles. Sie halten sich mit Nebenjobs über Wasser, und nachdem sich ihre Wege zufällig kreuzen, verlieben sie sich Hals über Kopf ineinander. Sie schmieden gemeinsame Zukunftspläne und genießen den Zauber der jungen Liebe im La La Land – der Stadt der Träume. Um aber an das Ziel ihrer Träume zu gelangen, bedarf es vieler Opfer. Und einer großen Leidenschaft, um dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Der Film La La Land ist mit seinen mitreißenden Tanzszenen und den wunderbaren Songs eine große Hommage an das Genre des amerikanischen Filmmusicals. Hier ein Blick zurück.

Mit dem Ton kam das Musical

Schon in den späten Zwanziger Jahre wurden in Hollywood die ersten Filmmusicals produziert. Mit dem aufkommenden Tonfilm und dem Einsatz von Technicolor entdeckte Hollywood den Erfolg des Genres. Eines der ersten Filmmusicals Gold Diggers of Broadway aus dem Jahre 1929 brach sofort alle Rekorde am Box Office, und sein kommerzieller Erfolg wurde erst zehn Jahre später überholt. Es folgt eine ganze Flut von Filmmusicals. Allein im Jahr 1930 wurden mehr als 100 Musikfilme produziert. Zu viele für das Publikum. Es folgte erst mal eine Übersättigung und erst Mitte der 30ger Jahre stellten sich wieder Erfolge ein. Und das verdankte Hollywood dem neuen Traumpaar – Fred Astaire und Ginger Rogers. Die Klassiker Ich tanz mich in Dein Herz hinein (Original: Top Hat, 1935), Swing Time (1936) und Tanz mit mir (Original: Shall we dance, 1937) entstanden in dieser Zeit.

Gene Kelly in „Singin’ in the Rain“
Gene Kelly in „Singin’ in the Rain“

Frischer Wind kam in den Musikfilm Ende der 40er und Anfang der 50er. Mit Ein Amerikaner in Paris (Original: An American in Paris, 1951), mit der Choreographie der Tanz- und Balletteinlagen des Hauptdarstellers Gene Kelly und Du sollst mein Glückstern sein (Original: Singin’ in the Rain, 1952), in dem Gene Kelly neben der Hauptrolle auch Regie führte. Das Dialogbuch für die deutsche Fassung stammt übrigens von Erik Ode, der auch Gene Kelly die deutsche Stimme verlieh.

Mit Elvis Presley kam der Rock N Roll

Aber schon gegen Ende der 50ger Jahre musste das klassische Filmmusical der großen Revuezeiten dem Durchbruch des Rock and Roll weichen. Elvis Presley veränderte die Musikszene gewaltig mit seinen an die dreißig Kinofilmen das Genre des Musikfilms. Vor allem Jailhouse Rock (1957) gilt als Klassiker seines Genres und wurde 2004 in die National Film Registry für kulturell, historisch und ästhetisch bedeutende Filme der Library of Congress aufgenommen.

Die zentrale Gesangs-/Tanzszene mit dem Titelsong gilt zudem als Urform des Rock-/Popvideos.

In den 60ger Jahren waren Verfilmungen von Broadway Musicals gefragt, so wie die Verfilmung von Leonard Bernsteins West Side Story (1961), der mit zehn Oscars ausgezeichnet wurde, My Fair Lady (1964) mit Audrey Hepburn und Rex Harrison in den Hauptrollen und Mary Poppins (1964), der als einer der größten Publikumserfolge der 1960ger Jahre gilt. Als erfolgreichster Musical-Film aller Zeiten folgte 1965 mit The Sound of Music die Verfilmung einer weiteren Broadway-Produktion.

Die Rockoper prägte die 70ger Jahre. Andrew Lloyd Webbers und Tim Rice „Jesus Christ Superstar“ wurde 1973 verfilmt und 1975 folgte Tommy. Bereits sechs Jahre zuvor hatte die britische Rockgruppe The Who das Musikalbum auf den Markt gebracht. Dem großen Erfolg des Albums folgte 1975 die Verfilmung. Der Film war mit Stars der Rockmusik und des Films besetzt, so spielte Tina Turner die Acid Queen, Elton John war der Local Lad, Jack Nicholson der Doktor und Eric Clapton der Prediger. Die Hauptrolle Tommy spielte der The-Who-Sänger Roger Daltrey, der hier erstmals als Darsteller in einem Kinofilm mitwirkte. 1975 erschien die Rocky Horror Picture Show. Der Film lief zunächst recht erfolglos an. Kurz bevor er abgesetzt werden sollte, wurden die Produzenten auf eine hartnäckige Fangemeinde aufmerksam, die sich den Film immer wieder und wieder ansah. Schnell wurde ein neues Marketingkonzept gestrickt, und die Gattung des Midnight Movie war ins Leben gerufen. Heute besitzt der Film Kultstatus.

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Falsches Spiel mit Roger Rabbit

Der singende Zeichentrickfilm

Der Erfolg vieler Broadway Stücke inspirierte auch in den 80ger die Produzenten in Hollywood , diese zu verfilmen. A Chorus Line von Richard Attenborough mit Michael Douglas in der Hauptrolle aus dem Jahr 1985 basiert auf dem gleichnamigen Broadwaymusical. Der kleine Horrorladen (Originall: Little Shop of Horrors, 1986) ist ebenfalls eine Verfilmung eines gleichnamigen off-Broadwaymusicals. In den Achtziger Jahren produzierte Hollywood auch zahlreiche animierte Musikfilme. Zu den erfolgreichen Zeichentrickfilmen zählt 1988 Disneys weltweiter Riesenerfolg Falsches Spiel mit Roger Rabbit (Original: Who Framed Roger Rabbit). Das Ergebnis markiert den bis heute gültigen Höhepunkt der Filmindustrie vor dem beginnenden Computerzeitalter, denn Roger Rabbit kommt gänzlich ohne Computeranimationen aus. Und im drauffolgenden Jahr sorgte Arielle, die Meerjungfrau (Original: The Little Mermaid) für weltweiten Erfolg.

Der bisher weltweit kommerziell erfolgreichste klassische Zeichentrickfilm, gemessen an den Kinoeinnahmen, ist der aus dem Jahr 1994 erschienene „Der König der Löwen“ (Original: The Lion King). Im Gegensatz zu den meisten anderen Filmmusicals wurde, basierend auf dem Film, ein Musical – zunächst für den Broadway – inszenierte.

In den letzten Jahren waren es vor allem die Filmmusicals mit dunkleren Musiktönen, die auf die Leinwand kamen, so wie Moulin Rouge (2001), Chicago (2002) oder Les Miserables. Das Besondere an dieser letzten Produktion aus dem Jahre 2012 war, dass erstmals die Vocals einer vollständigen Musicalverfilmung komplett am Set aufgenommen wurden. Bis dahin war es üblich, schon einige Monate vorher im Studio die Musikpassagen einzusingen. Hier wurden die Darsteller am Set von einem Pianisten begleitet, der sich nach Tempo und Interpretation der einzelnen Stimmen richtete.

Und dann waren da auch die sogenannten „jukebox musicals“, die sich weltbekannter Musikhits bedienten. Zu den erfolgreichsten zählt Mamma Mia! mit den Welthits von ABBA aus dem Jahr 2008.

Und nun folgt Damien Chazelle mit dem Musical La La Land dieser langen Tradition des Filmmusicals.

Seit 12. Januar 2017 in den Kinos.