Die 7 bizarrsten Obsessionen von Regisseuren

Unterhaltung von Daniel am 23.09.2016

Dass Künstler im Allgemeinen zu exzentrischem Verhalten neigen ist kein Geheimnis, gerät allerdings seltener an die Öffentlichkeit, wenn es um die Kreativköpfe hinter den Kulissen geht. Während die Werke von Steven Spielberg oder George Lucas ihrem Saubermann-Image entsprechen und einem in ihren Filmen nichts Eigenartiges auffällt, gibt es auch eine Reihe von Regisseuren, die bei näherem Hinsehen ihre bizarren Obsessionen und Fetische in ihren Filmen ausleben.

Bild der 20er

Tarantino, der Fußfetischist

Die ausufernde, philosophische Debatte über die Bedeutung einer Fußmassage in Pulp Fiction fiel zwischen allen anderen Absurditäten noch nicht weiter auf. Schließlich wurden im Laufe der zwei Stunden des Streifens Gangsterbosse vergewaltigt, ihre Bräute mit Adrenalinspritzen wiederbelebt und Köpfe zum Platzen gebracht. Spätestens aber, als Tarantino selbst Salma Hayeks Füße in „From Dusk till Dawn“ genüsslich und ausgiebig ableckt, wird klar, dass die Freude dabei nicht nur gut gespielt ist. Kurt Russel tut es ihm in „Death Proof“ dann gleich und lässt sich Rosario Dawsons Füße schmecken. Dieser Film beginnt übrigens auch mit der Nahaufnahme eines Fußes und wiederholt das Motiv im weiteren Verlauf ausgiebig. Den Zehen seiner Muse Uma Thurman räumt er bei „Kill Bill“ mehrere Minuten am Stück ein, die sie nach dem Erwachen aus dem Koma zaghaft zum Wackeln bringt. Auch die Szene, in der Christoph Waltz Diane Kruger bei „Inglorious Bastards“ genüsslich die Schuhe austauscht, nimmt auffällig viel Leinwandzeit ein und ist ein Beweis für die Obsession des Regisseurs.

Guillermo del Toros Obsession für Uhrwerke

Wer jemals einen Guillermo del Toro Film gesehen hat, dem ist wahrscheinlich aufgefallen, dass der Regisseur vor allem eine Vorliebe für gruselige, kriechende Kreaturen und gotische Architektur hat. Während diese Markenzeichen noch als normale, filmgestalterische Interessen durchgehen, gibt es eine subtilere Leidenschaft, die sich wie ein roter Faden durch fast alle seine Filme zieht: Uhrwerke und alles was mit deren Ästhetik in Zusammenhang steht. Ihr wollt Beispiele? Bei „Chronos“ ist ein blutsaugendes Insekt in ein Gerät eingesperrt, welches dem, den es sticht, ewiges Leben verleiht. Das Motiv wiederholt sich in vielen weiteren seiner Werke, sei es ein Bösewicht mit Uhrwerk-Hand in „Hellboy“, Meere aus glühenden, uhrwerkartigen Geräten unter den Piloten der Kampfroboter in „Pacific Rim“ oder der Showdown in „Hellboy 2“, der in einem Thronsaal voller Uhrwerk-Roboter und riesiger Mechanismen stattfindet. „Ich liebe alles, was mit Uhrwerken zu tun hat“, erklärt der Regisseur. „Ich habe einen Roboter, der Cello spielt und einen mit einem kleinen Trichter, der eine Melodie flötet. Ich liebe es, sie auseinander zu nehmen und ihre Mechanismen zu untersuchen. Und ich habe in meinem Leben schon die ein oder andere Uhr geöffnet.“

Kroenenface
Karl Ruprecht Kroenen aus dem Film Hellboy, Quelle: hellboy.wikia.com

Terry Gilliam und seine Obsession für Kleinwüchsige

Gilliam scheint eine besondere Sympathie für kleinwüchsige Menschen zu empfinden. Nachdem der zehnjährige Kevin in „Time Bandits“ von einer Gruppe von kleinwüchsigen Männern auf eine Reise durch Raum und Zeit genommen wird, besetzt Terry Gilliam weitere Rollen in „Brazil“ und „Baron Münchhausen“ mit dem körperlich kleinen Star Jack Purvis. Auch in „König der Fischer“ kamen kleinwüchsige Menschen vor, und bevor Verne Troyer in „Doctor Parnassus“ eine prominentere Nebenrolle besetzte, tauchte er neben vielen anderen kurzen Kollegen in „Angst und Schrecken in Las Vegas“ auf – sehr zum Leidwesen von Produzentin Laila Nabulsi. „Terry ist von kleinwüchsigen Menschen besessen. Ich war nicht gerade glücklich darüber, so viele davon in unserem Film zu haben. Sie tauchten jeden Tag zu hunderten zum Vorsprechen auf. Es machte mich verrückt.“

Terry Gillian
Terry Gilliams „Time Bandits“, Quelle: kino.de

Stanley Kubrick und seine bizarren Kistenstapel

Stanley Kubrick ist einer der unsterblichen Regisseure, deren Werke oft eine mysteriöse Mischung aus Wahrheit und Fiktion sind. Ein unbestreitbarer Fakt ist allerdings sein ausgeprägter Perfektionismus und sein schier obsessiver Organisationsdrang. Während sich viele Gerüchte um Kubrick ranken, hat es sich bestätigt, dass ihm präzise gestapelte Kisten mit akkurat organisiertem Inhalt eine unvergleichliche Erleichterung und Freude verschaffen. Es existiert sogar eine Doku mit dem Titel „Stanley Kubrick’s Boxes“, die das Phänomen sehr ausführlich wiedergibt. Journalist Jon Ronson durfte nach Kubricks Tod über 1000 seiner geliebten Kisten öffnen.

Tim Burtons Obsession für „It’s not unusual“

Wenn man an Tim Burton denkt, dann wohl vor allem an Johnny Depp, Helena Bonham Carter und surreale, morbide Filmwelten. Was euch wahrscheinlich bisher nicht aufgefallen ist, ist seine Vorliebe für einen ganz bestimmten Song, der immer wieder in seinen Filmen zu hören ist: Die Rede ist hier von Tom Jones 60er Jahre Klassiker, „It’s not unusual“. Nachdem der Song in „Edward mit den Scherenhänden“ bereits im Hintergrund zu hören war, ging Burton bei „Mars Attacks“ sogar so weit, Tom Jones zu casten und ihn sein Werk gleich zweimal performen zu lassen. Wenig später ist er dann auch noch während des Abspanns zu hören, und zum krönenden Abschluss ein weiteres Mal in „Big Fish“. Was zur Hölle fasziniert Tim so an dem Song? Als er danach gefragt wurde, gestand er diesbezüglich eine „seltsame Begeisterung“. „It’s not unusal“? Yeah, it is….

Tim Burton
Quelle: andsoitbeginsfilms.com

Christopher Nolan steht auf tote Frauen

Nolan wird von seinen Fans vor allem für seine komplexen, ausgeklügelten Stories und die Perfektion und Intensität seiner Aufnahmen verehrt. Es wiederholt sich allerdings auch ein morbides Thema in vielen seiner Filme: Tote Ehefrauen. Der gesamte Plot des Films Memento handelte von der Suche des Protagonisten nach dem Mörder seiner Frau, begleitet von einem Seitenstrang der Geschichte, in welchem eine Mrs. Jenkins von ihrem Mann ermordert wurde. In „Prestige“ kommen ebenfalls gleich zwei tote Ehegattinnen vor und Leonardo DiCaprio wird bei „Inception“ von luziden Träumen über seine tote Frau geplagt. Auch Maggie Gyllenhaal entscheidet sich kurz vor ihrem Tod in „The Dark Knight“ noch dazu zu heiraten. Ob diese bizarre Obsession Christophers eigener Frau vielleicht schon einmal zu denken gab?

Dario Argentos fragwürdige Obsession für seine Tochter

Wahrscheinlich würde Dario Argento diese Kuriosität nicht öffentlich als Fetisch oder bizarre Obsession bezeichnen, allerdings scheint er auch nicht direkt ein Geheimnis daraus zu machen, dass er seine Tochter Asia gerne in fragwürdigen Situationen auf der Leinwand abbildet. In seinem Horrorfilm „Das Stendhal Syndrome“ von 1995 wird eine Polizistin von dem Serienkiller vergewaltigt, den sie verfolgt. Und es handelt sich hier nicht um einen einmaligen Ausrutscher: Zwei Jahre zuvor zeigte er Asia in seinem Film „Trauma“ bereits schon nackt und setzte die unpassende Eigenart dann 2007 in „Trope“ fort, als er extra für sie eine Duschszene schrieb. Ihr selbst scheint das herzlich wenig auszumachen: In „Phantom der Oper“ verliere ich meine Jungfräulichkeit vor meinem Vater,“ sagt sie begeistert in Bezug auf ein weiteres gemeinsames Werk.