Winter is Coming... It’s a Game of Thrones around the world

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 4. Juli 2018
Katrin in Urlaub & Freizeit

Westeros und Essos, die Welt, wo niemand sicher ist. Wo Intrigen gesponnen, Drachen zu Gefährten, Kriege gewonnen und verloren werden. Wo es Jeden und Jede jederzeit erwischen kann. Und erwischt werden wir Zuschauer von Game of Thrones. Ich kenne kaum Menschen, die sich mit der Serie ernsthaft auseinandergesetzt haben und sich entziehen können. Sie ist der Blockbuster der Fernsehwelt. Das soziale Ereignis des 21. Jahrhunderts, moderner als der Tatort und universaler geliebt als die Fußballweltmeisterschaft. Was ist das Geheimnis der Serie?

Ein Wunder. In einer Serie. 

Auch wenn jetzt Sommer ist - dieser Winter kommt bestimmt. Und wer diese Referenz jetzt nicht versteht - für den wirds höchste Zeit, die Serie zu schauen. Einen kleinen Vorgeschmack... gibt es hier. Wer unsere Tipps für die perfekte Film-Night beachtet, hat garantiert Spass dabei.

Wer sich lieber gruselt, schaut bei unserer Top 10 Horrorfilme vorbei - oder vielleicht ist die Horrorfilm-Diät noch die Rettung zur Wohlfühl-Figur?

Hier wollen alle hin: Der eiserne Thron © HBO

Auf einmal sind wir alle Nerds

Bei meinem ersten Game-of-Thrones-Anlauf langweilte ich mich, um es ehrlich zuzugeben. Nach etwa zwanzig Minuten in der ersten Folge wusste ich schon nicht mehr, wer wer war. Ich hielt ein paar Episoden lang durch und versuchte, in die Serie zu kommen, schaltete dann aber nach einem frustrierenden Erlebnis Ende der ersten Staffel ab (echte Fans wissen, wovon ich spreche). Ich legte die Serie zu den Akten. „Bin eben doch kein Fantasy-Nerd“, dachte ich etwas erleichtert. Die Herr-der-Ringe-Filme hatte ich zwar gesehen und für gut befunden, aber das für einen einmaligen Ausrutscher gehalten. Alles, was mit Magie und Schwertern zu tun hat, ist für mich mit Cosplay und World of Warcraft verbunden – ein Ausbund der Uncoolness.

Vor ziemlich genau zwei Jahren aber zwang mich eine Freundin, mit ihr eine aktuelle Folge der Serie zu schauen. Wir schrieben das Jahr der vierten Staffel. Während wir guckten (und ich mir eigentlich etwas anderes erhoffte), erklärte sie mir die Verbindungen und Intrigen der Charaktere, wer wen umgebracht und was sie mittlerweile untereinander erlebt hatten. Die Folge, die wir schauten, erzählte die Hochzeit des grausamen jungen Königs Joffrey und der liebreizenden sowie cleveren Margaery. The Purple Wedding.

Eine Hochzeit für die Geschichtsbücher © HBO

Und wer die Serie gesehen hat, weiß, was passiert, und warum ich von nun an hooked war. Innerhalb von einer Woche schaute ich alle vier Staffeln. Und konnte seitdem die Montagabende kaum mehr erwarten.

Aber warum geht es auch mir als Fantasy-Verachter so? Warum kann auch ich mich nicht entziehen? Was ist der Sog, der global Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebensweise gleichermaßen packt?

»Game of Thrones für alle, und zwar umsonst!«

Game of Thrones ist der goldene Esel der illegalen Download-Gemeinde. Keine andere Serie ruft laut dem Torrent-Portal BitTorrent weltweit so viele Abrufe hervor. Schließlich müssen die Leute, überall, wo es kein HBO gibt (und auch da, wo Sky einfach unverschämt teuer ist) auf ihren Fix kommen. Ein finanzielles Desaster, sollte man meinen.

Aber gerade diese Serie ist ein Beweise dafür, wie die illegale bzw. halblegale Verbreitung von Inhalten diese erst massenfähig gemacht hat. Fristete die Serie zunächst ein Schattendasein auf dem amerikanischen Markt, verbreitete sie sich erst nach einer gewissen Zeit über Streaming & Co. auf der ganzen Welt und wurde dann von offiziellen Sendern gekauft. Durch Merchandising und Homevideo-Verkäufe ist Game of Thrones so offiziell die rentabelste Serie der Welt geworden. Und, wenn man so will, eine sehr demokratische.

Wie kann so viel Grausamkeit in solch netten Köpfen stecken? (links: D.B. Weiss, rechts: David Benioff) © HBO

Universell anerkannt ist nämlich auch, dass die Serie handwerklich wirklich gut gemacht ist. Spannungskurven und Plotpoints werden ausgewogen zusammen mit Charakterdrama und -entwicklung erzählt. So ist man von der Geschichte an sich gefesselt, erfährt aber mit der Zeit auch eine immer stärkere Bindung zu den Charakteren. Ein Freund bezeichnete die Figuren einmal als „gute Freunde“, mit denen er zusammen durch diese fantastische Welt reist. Wie sonst ist es zu erklären, dass Tode sehr beliebter Charaktere heftige Entrüstungsstürme auslösen, die selbst auf seriöse analoge Treffen Auswirkungen haben? Beim Geburtstag meines Vaters letzten Herbst wurde lebhaft über den Tod eines Hauptcharakters diskutiert. Unter Anfang-60-jährigen. Das ginge doch nicht, wurde verlautbart, wie könnten die Macher nur. Andere Anwesende suhlten sich im Leid der Trauernden und fanden es geil (dieses Wort wurde nicht benutzt), wie sie sich ernsthaft so runterziehen lassen konnten. Die Trauer der Fans aber war echt.

Durch die epische Breite der Geschichte fühlt sich das Universum eben wirklich auch so groß an, wie es die grandiose Titelsequenz andeutet. Die Welt wirkt derart durchdacht, kausal und nicht abgeschlossen, dass wir sie wirklich glauben. Alle Nase lang steht wieder ein neuer Charakter auf der Matte, von dem wir noch nie etwas gehört haben, der aber valide Ansprüche auf einen Thron, eine Erbschaft oder eine Frau hat.

Gefällt mir sehr: Geschlechtsverkehr

Und überhaupt. Selten wird Sex so ungezwungen in einer Serie gezeigt. Es hat den Anschein, als wäre die Hurerei der Charaktere wirklich ein Baustein der Welt, ein Machtinstrument wie viele andere. In unserer Welt erweitert der Sex natürlich die Klientel um ein Vielfaches. Wisst ihr, wer dafür eigentlich verantwortlich ist?

Ein gern gesehener Zeitvertreib © HBO

Vor Kurzem lebte ein junger Syrer für ein paar Tage bei uns. Wir unterhielten uns über die politische Lage in seinem Heimatland und waren uns einig, dass man kaum noch hinterherkommt, wer wen eigentlich momentan bekämpft. Der IS gegen die Kurden, Assad gegen die Rebellen, eigentlich alle untereinander. Niemand kann sagen, wer was vorhat und welche Versprechen eigentlich ernst gemeint sind. Und wir unterhielten uns über Game of Thrones. So wenig wir vom Lebensstil her gemeinsam hatten, wir teilten doch die Faszination für diese Serie. Für die Intrigen und Doppelbödigkeiten.

Unser Leben inmitten des Spiels

Und hier liegt für mich der wichtigste Erklärungsansatz: Ist die Serie ein Spiegel unserer eigenen Welt? Unübersichtlich ist die Lage, schwer zu deuten sind die Figuren. Niemand ist sicher vor dem (politischen) Tod. Es gibt unglaublich viele Player, die alle um Macht buhlen, sich korrumpieren für den Aufstieg. Niemanden, dem man vorbehaltlos trauen kann.

Game of Thrones ist (zum Glück) aber doch so verschieden von unserer Welt, dass wir nichts zu befürchten haben. Aber es zeigt unsere Probleme trotzdem schmerzhaft genau auf. Wir können uns nicht von den Bildschirmen losreißen, wir wollen wissen, wie es mit uns und unseren guten Freunden in Westeros und Essos weiter geht.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Winter. Oder, ach egal - geht auch echt zu jeder Jahreszeit! Wo ihr´s gucken könnt? Schaut doch mal bei den großen Streaming Diensten oder Video-on-Demand-Angeboten vorbei - wir zeigen, welche dir welche dir das beste Angebot bieten. Ganz gleich, ob netflix, maxdome oder amazon.