Europas beste Cafés

Familie & Freizeit von Christian am 24.12.2015

AN!ders an Europa ist die Vielfalt. Nirgends auf der Welt gibt es ein solches Spektrum an Kultur, Kunst und Kulinarik wie auf dem kleinen Kontinent. Eines jedoch dürfte alle Länder und Menschen Europas vereinen: Die Liebe zum Kaffee. Natürlich lassen sich heute auch zuhause allerhand Kaffeespezialitäten zaubern, und das mittlerweile in wirklich guter Qualität. Doch der Besuch in einem richtigen Kaffeehaus bleibt einzigartig. Dabei geht es nicht nur um die Qualität des schwarzen Goldes, sondern um Meisterwerke des Konditorhandwerks, beeindruckende Architektur und große Geschichten. Eine Reise durch die besten Cafés Europas.

Café Sacher, Wien

Café Sacher

Mehr Kaffee kann eine Überschrift kaum enthalten: Café, Sacher und Wien. Die österreichische Hauptstadt steht wie keine andere in Europa für Kaffeehauskultur. Im Café Sacher gibt es nicht nur die berühmte Wiener Melange, sondern auch die namensgebende Sachertorte. Diese Schokoladentorte mit Marillenmarmelade wurde 1832 von Franz Sacher für Fürst Metternich erfunden. Franz‘ Sohn machte aus dem Dessert ein florierendes Geschäft und kaufte das Stadtpalais gegenüber der Wiener Oper. Dort befindet sich das Café Sacher noch heute. Die umlaufende rotgepolsterte Sitzbank versprüht eleganten Wohnzimmercharme und bietet einen optimalen Blick auf das Treiben im Café.

Caffè Florian, Venedig

Caffè Florian

Italien ohne Espresso? Unvorstellbar. Die Mutter aller Cafés in Bella Italia ist das Florian in Venedig. Fast die gesamte Historie Europas könnte man in diesem 1720 gegründeten Kaffeehaus am Piazza San Marco erzählen. Hier entstand Italiens erste Zeitung, es formierte sich der Widerstand gegen die Österreichisch-Ungarische Monarchie, und Intellektuelle wie Goethe, Proust und Lord Byron kehrten über die Jahrzehnte ein. Sogar Casanova gönnte sich auf seiner Flucht noch schnell einen Espresso. Das Ambiente des Florian weiß zu beeindrucken: Venezianische Künstler schufen ein wahres Labyrinth aus Räumen, in denen (Kunst-)Geschichte spürbar wird. Der Haken am Caffè Florian sind die fast schon obszönen Preise. Diese lassen sich aber umgehen, indem man es macht wie die Einheimischen: den Espresso einfach im Stehen an der Bar genießen und nur einen Bruchteil der „Sitzpreise“ zahlen.

Café Odeon, Zürich

Café Odeon

Oft braucht es auch Glück, um Großes zu erschaffen: Beim Bau eines mehrstöckigen Gebäudes mit Tuffsteinfassade, dem Usterhof, ging dem Schweizer Oberst Julius Uster im Jahre 1910 das Geld aus. Es kam aber um ein Vielfaches zurück – in Form eines Lottogewinns. Der Weg für das Grand Café Odeon in Zürich war frei. Dieses eröffnete ein Jahr später im Erdgeschoss des Usterhofs. Im 20. Jahrhundert verkehrten hier Politiker wie Lenin und Trotzki, Intellektuelle wie Albert Einstein und Else Lasker-Schüler, und natürlich einheimische Künstler wie Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt. Während des Ersten Weltkriegs wurde im 1. Stock des Gebäudes ein Nachtclub eröffnet, in dem Mata Hari den männlichen Gästen mit ihrem Hüftschwung die Köpfe verdrehte. Guten Kaffee gibt es im Odeon natürlich auch. Das Grand Café ist aber vielmehr als geschichtsträchtiges Ganzes zu betrachten und zu erleben.

Café New York, Budapest

Café New York

„Auf dass das ‚New York‘ rund um die Uhr geöffnet sei!“ Diese Worte soll der Schriftsteller Ferenc Molnár ausgerufen haben, als er den Schlüssel des Cafés nach dessen Eröffnung 1894 in die Donau warf. Er dürfte nicht der einzige in der Geschichte des Budapester Kaffeehauses gewesen sein, der sich zu Begeisterungsstürmen hinreißen ließ. Das Café New York ist ein Prunkbau aus Barockelementen, Blattgold, Marmor, Stuck, Wandmalereien und Deckenleuchten. Man fühlt sich weniger wie in einem Café als vielmehr wie in einem Theater, auf dem Oberdeck der Titanic oder inmitten einer Filmkulisse. Kein Zufall vielleicht, dass sich auch der Regisseur Mihály Kertész regelmäßig hier aufhielt. Unter dem Namen Michael Curtiz sollte er später einen Film drehen, der mindestens so legendär ist wie das New York Kávéház. Sein Name: „Casablanca“.

Grand Café Orient, Prag

Grand Café Orient

Wer nicht aufmerksam ist, schlendert am Eckhaus „Zur schwarzen Mutter Gottes“ vielleicht vorbei. Dabei ist das Gebäude ein Traum für Architekturfans. Das Haus, das seinen Namen der schwarzen Barockstatue an der Hausecke zu verdanken hat, wurde 1910 von Josef Gocár erbaut – im Stil des Kubismus. Dieser war für die damalige Zeit wohl zu revolutionär und so konnte sich das Grand Café Orient, das sich ab 1912 im ersten Stock befand, nur 10 Jahre lang halten. Erst 2005 wurde es wiederbelebt und erstrahlt seither in vollem Glanz. Alles ist kubistisch: der Grundriss, die Fassade, die Innenausstattung. Messinglampen und die grüne Polsterung sorgen für eine einzigartige Atmosphäre. Und das enge gewundene Treppenhaus ist ein weiteres architektonisches Highlight.

Werkstatt der Süße, Berlin

Werkstatt der Süße

Wir beenden unsere Rundreise in der Heimat – und mit einem Café der neueren Generation. Guten Kaffee gibt es in der von außen unscheinbaren Werkstatt der Süße im Prenzlauer Berg natürlich auch. Doch wie der Name schon verrät, stehen hier andere Köstlichkeiten im Vordergrund: Patissier Guido Fuhrmann gehört deutschlandweit zu den besten seiner Zunft. Mit seinem Team kredenzt er immer neue Törtchen, Pralinen, Hochzeitstorten und Süßigkeiten aller Art. Das Joghurt-Limonenkern-Löffelbiskuit? Der Rote-Beete-Kirsch-Cashewkern-Brownie? Wie es für Berlin typisch ist, wird auch Ausgefallenes probiert und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.