Minimalistisch Leben: So setzt du das Konzept um

Minimalistisch Leben: So setzt du das Konzept um

Minimalistisch Leben ist mehr als nur ein Trend und inzwischen in aller Munde. Hier erfährst du, was Minimalismus eigentlich bedeutet, wie du davon profitieren kannst und wie du dieses Konzept in verschiedene Lebensbereiche integrieren kannst.
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Minimalistisch Leben ist inzwischen schick genug für Instagram: Mit dem Hashtag "Minimalism" findest du rund 17 Millionen Beiträge. Was ein aufgeräumter Kleiderschrank mit veganer Ernährung zu tun hat und wie du mit Minimalismus anfangen kannst, erfährst du hier.

Was ist Minimalismus?

Diese Frage scheint auf den ersten Blick zu offensichtlich, um ihr sonderlich Bedeutung zu schenken. Google selbst liefert auf die Suchanfrage zur Definition von Minimalismus die “bewusste Beschränkung auf ein Minimum, auf das Nötigste”. Wikipedia beschreibt als Minimalismus vor allem Stilrichtungen aus Kunst, Architektur und Musik und letztendlich auch als Lebensstil. Inzwischen ist Minimalismus für viele eben genau das und kommuniziert gleichzeitig noch die Wertschätzung von Nachhaltigkeit und fairem Konsum im Alltag. Dazu gehört allerdings nicht mehr nur der bewusste Umgang mit Konsumgütern. Minimalismus wird weiterhin in Verbindung mit dem eigenen Kleiderschrank gebracht, verstärkt aber auch mit deiner Ernährung oder sogar mit deinem Umgang mit dem Smartphone.

Kleiderschrank minimalistisch organisieren

Wir definieren Minimalismus also hier als eine Form des Lifestyles, die sich auf das Wesentliche beschränkt und für einen durchdachten Umgang mit zur Verfügung stehenden Ressourcen steht. Damit erlebt der Lebensstil nach dem ersten Höhenflug, den ihm Marie Kondo beschert hat, mit der Präsenz des Klimawandels erneut eine große Relevanz.

Minimalistisch Leben bedeutet demnach nicht, sich von nicht getragenen Klamotten zu trennen und den neu gewonnen Platz mit der nächsten Shoppingtour wieder zu befüllen.


Welche Vorteile hat ein minimalistisches Leben?

Die langen Listen an Vorteilen, die Minimalismus mit sich bringt, scheinen zu gut, um wahr zu sein. Bis zu 55 Vorteile lassen sich in Listen von begeisterten Minimalisten finden. Zusammenfassen lassen sich die Punkte auf diese Vorteile:

  1. Der Verkauf von alten Sachen, die bewusste Entscheidung zu Neuanschaffungen, oder eben der Verzicht darauf, sparen Geld.
  2. Du findest Sachen schneller und sparst dadurch Zeit und Nerven.
  3. Deine Wohnung ist durch viele freie Flächen schneller geputzt.
  4. Du bist weniger empfänglich für Werbebotschaften.
  5. Du hast mehr Zeit, dich mit Dir selbst und den Dingen zu beschäftigen, die dich voranbringen.
  6. Du bist konzentrierter, freier und kannst deinen Fokus neu ausrichten.
  7. Umzüge und Reisen werden im wahrsten Sinne des Wortes leichter.

Manche dieser Vorteile scheinen dir auf den ersten Blick vielleicht zu spirituell. Warum solltest du freier sein, nur weil du deinen Schrank ausgemistet hast? Weil das äußere Leben nun mal auch das innere Leben beeinflusst. Du kannst freier Entscheidungen treffen, zum Beispiel in eine günstigere Wohnung ziehen oder spontan für ein Wochenende verreisen. Du lernst, dass dein Leben nicht schöner wird, wenn du noch das fünfte Paar Schuhe in den Koffer quetscht, sondern dich darum kümmerst, was dich wirklich glücklich macht.

Minimalismus Lebensstil nutzen

Scheint dir immer noch zu spirituell? Vielleicht ist ein Leben mit wenig Geld für dich ein größerer Ansporn, dich mit der Beschränkung auf das Wesentliche zu beschäftigen. Denn Minimalismus und sparen gehen Hand in Hand. Natürlich spart am meisten, wer gar nicht erst kauft. Triffst du bewusste Konsumentscheidungen, kaufst du nicht nur weniger, sondern im Idealfall auch mit besserer Qualität und ressourcensparend. Somit lernst du Dinge besser zu schätzen und hast wiederum in dein Wohlbefinden investiert.

Dokumentationen, Bücher und Podcasts die genau dieses Glück durch weniger Besitz versprechen und nicht zuletzt Marie Kondo sind Grund genug, dem Lebensstil eine Chance zu geben. Wie diese Infografik von Statista* zeigt, sind die Deutschen dem Ausmisten gegenüber positiv eingestellt:

Infografik: Die Deutschen sind Fans vom Ausmisten | Statista 

27 Prozent der Befragten geben an, halbjährlich ihre Wohnung auszumisten. Als Grund dafür geben 43 Prozent an, dass Ordnung einen hohen Stellenwert hat.


Minimalistisch Leben: Wie kann ich anfangen?

Bist du vom minimalistischen Konzept überzeugt und willst am liebsten sofort loslegen? Hier findest du Minimalismus Tipps für verschiedene Lebensbereiche und wie du am besten damit anfangen kannst. Die goldene Regel lautet in jedem Fall: Nimm dir genügend Zeit für deine Ordnungsaktion und halte dir vor Augen, dass Ausmisten zuerst für noch mehr Unordnung sorgt. Wichtig ist außerdem, dich nicht zu sehr zu stressen. Trenne dich nicht in einem Anflug von Erstickungsangst unüberlegt und ohne Konzept von deinem Besitz.

Minimalistisch Wohnen

Der Bereich Wohnen umfasst sowohl den Stil deiner Möbel, deine Dekoartikel und deren Anordnung, als auch die Anzahl deiner Kleidungsstücke und deren Anordnung im Kleiderschrank. Ordnung zu Hause sorgt dafür, dass du morgens Zeit sparst, wenn du dich nicht erst durch den Kleiderhaufen in deinem Schrank wühlen musst und am Ende doch nichts anzuziehen hast. Du musst weniger oft Wäsche waschen und insgesamt weniger Zeit in den Haushalt investieren.

Minimalismus Wohnung Impression

Minimalistischer Kleiderschrank

Der Kleiderschrank ist für viele der gefürchtete Endgegner, wenn die Sprache auf ein minimalistisches Lebenskonzept kommt. Leider ist mit einmal Ausmisten nämlich nur ein kleiner Schritt in Richtung Leichtigkeit getan. Weniger Kram einzukaufen scheint oft schon weniger akzeptabel. Hand aufs Herz: Alles, was du im letzten Jahr nicht getragen hast, kannst du mit ruhigem Gewissen ausmisten. Neben dieser Faustregel gibt es noch viele weitere Konzepte, wie ein minimalistischer Kleiderschrank entstehen kann:

Eines davon ist der sogenannten Capsule Wardrobe. Bei diesem Mini-Kleiderschrank geht es darum, die Anzahl deiner Kleidungsstücke auf 37 zu reduzieren. Dazu zählen auch Schuhe. Bevor du das Konzept gleich wieder verwirfst, darfst du kurz aufatmen: Accessoires wie Taschen und Schals sind davon ausgeschlossen. Ein Capsule Wardrobe besteht aus Teilen, die du immer wieder neu miteinander kombinieren kannst. Investiere dafür in Basics, die du besonders gerne trägst. Bei dem Konzept liegt der Fokus auf Qualität statt Quantität.

Ist dir die Beschränkung auf 37 Teile für den Anfang zu radikal, kannst du auch damit beginnen, deinen Schrank in drei Kategorien aufzuteilen. Alles, was du nicht mehr tragen wirst, kann erst mal weg. Kleidungsstücke, bei denen du dir nicht sicher bist, packst du in eine Kiste. Greifst du innerhalb von drei Monaten nicht darauf zu, kannst du dich auch davon trennen. So findest du ohne großen Trennungsschmerz viel einfacher deine Lieblingsklamotten.

Minimalistische Einrichtung

Fortgeschrittene Minimalisten können ihr freies Lebenskonzept auch in ihrer Einrichtung festschreiben. Klare Linien und Formen, helle und dezente Farben und Möbel ohne Schnörkel drücken einen minimalistischen Stil aus. Achte darauf, auf wenige ausgewählte Dekorationselemente zu setzen und diese zu gruppieren. Besonders ein minimalistischer Schreibtisch erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Ein aufgeräumter Arbeitsplatz sorgt für weniger Ablenkung. Sortiere deinen Papierkram in beschriftete Ordner und packe Stifte und Bürozubehör in Ordnungssysteme.

Minimalistischer Schreibtisch

Auch die Küche bietet viel Potenzial, um unnötigen Kram anzusammeln. Schubladen, Schränke und Ablageflächen sind oft vollgestopft mit Elektrogeräten und Zubehör, die du nie verwendest. Hier kannst du ähnlich vorgehen, wie mit deinem Kleiderschrank und dich von allen Sachen trennen, die du seit einem Jahr nicht verwendet hast. Ja, dazu gehören auch der Avocado-Schneider und der Eier-Pfannenwender.

Minimalistische Ernährung 

Wer sein Konsumverhalten in puncto Wohnen schon gut im Griff hat, muss den Blick nicht über den Tellerrand werfen: Die nächste Baustelle befindet sich nämlich direkt auf deinem Teller. Um auf die Reduktion auf das Wesentliche auf deine Ernährung umzulegen, wollen wir dir zwei Konzepte vorstellen:

  • Clean Eating bedeutet übersetzt so viel wie Sauberes Essen. Das heißt nicht nur, dass du dein Essen vor dem Verzehr gründlich waschen solltest. Vielmehr beschreibt das Konzept die Reinheit deines Essens in Bezug auf mögliche beigesetzte Geschmacksverstärker, Stabilisatoren oder natürlich auch Zucker. Clean Eating sieht in erster Linie frisches, selbst gekochtes Essen aus möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln vor.
  • Veganismus ist inzwischen der breiten Masse ein Begriff und beschreibt eine Lebensform, die auf tierische Produkte verzichtet. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: Die Reduktion einer seitenlangen Speisekarte auf ausgewählte Gerichte und das Auslassen ganzer Gänge im Supermarkt spart Zeit, Entscheidungskapazität und wirkt ungemein erleichternd. Möchtest du nicht nur deiner Umwelt und anderen Lebewesen etwas Gutes tun, sondern auch noch deiner Gesundheit, solltest du auch bei der veganen Ernährung auf Zusatzstoffe verzichten. Dieses Konzept wird oft als pflanzenbasierte Ernährung bezeichnet. Das bedeutet nicht, dass du fortan nur Salat essen sollst, sondern vielmehr die Zutatenliste von Ersatzprodukten kontrollieren solltest. Das Label „Vegan“ bedeutet nämlich nicht automatisch auch gesund!

Unabhängig davon, ob du tierische Produkte in deine Ernährung integrieren möchtest oder nicht, solltest du darauf achten, frische Zutaten zu kaufen und diese selbst zu verkochen. Plane deine Mahlzeiten voraus und kaufe nur das ein, was du auch wirklich essen wirst. So vermeidest du, dass Lebensmittel im Müll landen. Mit einer Einkaufsliste sparst du außerdem Zeit im Supermarkt und sorgst dafür, dass keine Lebensmittel in deinem Vorratsschrank so weit nach hinten rücken, dass du sie erst in ein paar Jahren wiederfindest.

Minimalistische Ernährung

Möchtest du einen Schritt weiter gehen, kannst du natürlich auch Lebensmittel selbst anbauen. Auch auf einem kleinen Balkon lassen sich Tomaten, Paprika oder Erdbeeren ziehen!

Digitaler Minimalismus

Du hast richtig gelesen: Nachdem wir so persönliche Lebensbereiche wie deine Wohnung und deine Ernährung reduziert haben, geht es jetzt also noch deinem Smartphone an den Kragen. Keine Panik, du musst deinen elektronischen Wegbegleiter natürlich nicht entsorgen. Vielmehr beschreibt der digitale Minimalismus den bewussten Umgang mit deinen technischen Geräten. Um dir diese Handhabung zu erleichtern, können dir folgende Maßnahmen helfen:

  • Deaktiviere Push Notifications.
  • Entferne die Verknüpfung mit deinem E-Mail Account.
  • Halte dich an feste Offline Zeiten, zum Beispiel über Nacht sowie zwei Stunden vor dem zu Bett gehen und zwei Stunden nach dem Aufstehen.

Versuche außerdem, den Konsum deiner Social Media Kanäle zu reduzieren. Nur weil du in der Bahn zum dritten Mal am Tag deinen Instagram Feed checkst, wirst du nicht plötzlich am Strand landen. Mach es dir zur Gewohnheit, ein Buch bei dir zu haben und nutze Wartezeiten zum Lesen. Nutzt du nämlich solche Leerzeiten, um in deine Bildung zu investieren, wirst du deine Ziele eher erreichen.

Bereits 2014 ergab eine Studie der Royal Society for Public Health, dass soziale Medien eine höheres Suchtpotenzial als Alkohol und Zigaretten aufweisen. Außerdem werden durch eine intensive Nutzung Ängste, Depressionen und Schlafstörungen verstärkt. Zudem gaben 70 Prozent der befragten 16 bis 24-jährigen an, bereits Opfer von Cyber Mobbing gewesen zu sein.**

Minimalistische Gewohnheiten

Abgesehen von den großen Lebensbereichen Wohnen, Essen und digitaler Konsum kannst du auch mit kleinen Veränderungen in deinem Alltag einen Schritt in Richtung minimalistisches Leben machen.

  1. Leitungswasser trinken: Verzichte auf unnötigen Zucker und Kohlensäure in Getränken und trinke einfach Leitungswasser. So musst du keine Flaschen schleppen und sparst zusätzlich Platz und Geld.
  2. Zu Fuß gehen: Besinne dich auf deine Wurzeln, gehe Strecken die du normalerweise mit dem Bus oder Auto fährst nach Möglichkeit zu Fuß und verbringe so viel Zeit wie möglich in der Natur.
  3. Einkaufen ohne Plastik: Im Supermarkt auf Verpackungsmüll zu verzichten, ist leider eine echte Herausforderung. Bio-Supermärkte erleichtern diese Herausforderung.
  4. Stromverbrauch reduzieren: Schalte in Räumen, in denen du dich nicht aufhältst, das Licht aus.
  5. Entschleunigung: Plane täglich Zeit für dich selbst ein. Praktiziere Yoga und Meditation, schreibe Tagebuch oder trinke abends eine Tasse Tee.
  6. Entzug: Du distanzierst dich von kommerziell geförderten Feiertagen und feierst stattdessen den Anti-Valentinstag.

Minimalistische Gewohnheiten im Alltag

Diese 5 Minimalismus Tipps sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem breiten Spektrum an Möglichkeiten, mit denen du deinen Alltag bewusster gestalten kannst. Auch zu besonderen Anlässen kannst du deinem Lebensstil treu bleiben: Geschenke ohne Geld erfordern einen größeren Zeitaufwand, sorgen allerdings auch für authentische Aufmerksamkeiten, die wirklich von Herzen kommen.


Minimalismus ja oder nein?

Moment mal! Bei all diesen positiven Auswirkungen eines einfachen Lebens sollte es doch eigentlich keinen Gegenwind geben. Leider eben doch. Obwohl ein minimalistisches Leben auch Geld spart, muss man sich diesen Lebensstil am Ende auch leisten können. Familien mit mehreren Kindern sind darauf angewiesen, Großverpackungen zu kaufen und zu verstauen. Diese sind nicht nur günstiger, sondern auch umweltschonender.

Da inzwischen auch die Werbeindustrie den Trend für sich entdeckt hat, lässt sich eher eine Verschiebung des Konsums anstelle einer Reduktion beobachten. Wer nur mit Handgepäck ein Yoga-Retreat auf Bali besucht, hat neben trendigen Hashtags auf Instagram auch Tonnen von CO2 in die Welt geschossen. Letztendlich ist eben auch der Minimalismus ein Konzept, das die Betrachtung von zwei Seiten erfordert. Trotz der genannten Gegenargumente ist die kritische Betrachtung des eigenen Konsumverhaltens positiv zu bewerten.


*Nier, Hedda: “Die Deutschen sind Fans vom Ausmisten”, Januar 2019. Auf: https://de.statista.com/infografik/16801/die-deutschen-sind-fans-vom-ausmisten/ (Stand: 5. Februar 2020)

**Royal society for public health: „Status of Mind: Social media and young people`s mental health and wellbeing“, Mai 2017. Auf: https://www.rsph.org.uk/uploads/assets/uploaded/d125b27c-0b62-41c5-a2c0155a8887cd01.pdf (Stand: 5. Februar 2020)