Das Fliegende Spaghettimonster – Religion 2.0!?

Mode & Lifestyle von Fabian am 05.10.2016

Jetzt heißt es stark sein. Lasst eurer Fantasie freien Lauf. Verabschiedet euch von allem, was ihr bisher gehört, und vor allem geglaubt habt. Wer vom Christentum, Islam, Judentum oder Buddhismus genug hat, oder sich auch gar keiner Religion zugehörig fühlt, könnte eine bewusstseinserweiternde Erfahrung machen, denn jetzt kommt das Fliegende Spaghettimonster.

Michelangelo und das spaghettimonster
© www.n24.de

Wer oder was ist das Fliegende Spaghettimonster?

Seine Nudeligkeit, wie das Fliegende Spaghettimonster von den Gläubigen genannt wird, ähnelt optisch einer großen Portion Spaghetti mit zwei Fleischbällchen und Stielaugen. Aufgrund seiner Äußerlichkeit sprechen die Anhänger des FSM (Kurzform von das Fliegende Spaghettimonster) deshalb nicht von der Hand Gottes, sondern von Seinem Nudeligen Anhängsel. Auch sonst dreht sich bei dieser Religion alles um Nudeln. Oder besser gesagt, Pasta!

„Wir glauben an DEM. Es hat uns erschaffen!“ – Mit DEM ist das Fliegende Spaghettimonster gemeint. Wir – das sind die Jünger des Fliegenden Spaghettimonsters, die sich selbst als Pastafari bezeichnen. Eine Wortschöpfung aus Pasta und Rastafari. Das Fliegende Spaghettimonster hat die Welt erschaffen, und alles was die Menschen sehen und fühlen. So lautet zumindest die nudelige Lehre.

das fliegende Spaghettimonster im Bücherregal
© www.pastafari.eu

Piraten und das Fliegende Spaghettimonster

„In the bsei eginning was the Word, and the Word was „Arrrgh!“, heißt es in Piraticus 13:7, dem Evangelium der Pastafari. „Arrgh!“, Piraticus?! – Richtig, Piraten spielen eine große Rolle in der Lehre des FSM. Sie sind sein auserwähltes Volk, und der berühmte Pirat Klaus Störtebeker der größte Prophet der Bewegung. Die Pastafari sind davon überzeugt, dass die heutigen Menschen von den Piraten abstammen. Schließlich ist die DNA von Menschen der von Piraten ähnlicher als der von Affen. Außerdem waren Piraten gute Menschen, die Kinder mit Leckereien beschenkten. Dass Piraten angeblich gefährliche Mörder und Diebe gewesen sein sollen, ist nichts anderes als von den großen Kirchen betriebene Geschichtsfälschung.

Um ihrer Verbundenheit zu den Piraten auch angemessen Ausdruck zu verleihen, versuchen die Pastafaris immer etwas Piratenmäßiges zu tragen. Kopftuch, Augenklappe, Entersäbel – irgendwas sollte man immer dabeihaben. Sehr beliebt ist auch ein Nudelsieb auf dem Kopf. Einige Mitglieder lassen sich sogar auf Pass- und Führerscheinfotos mit Nudelsieb auf dem Kopf abbilden beziehungsweise versuchen sie, dies auf den entsprechenden Ämtern durchzusetzen.

Die Anzahl an Erdbeben, Tsunamis und anderen Naturkatastrophen ist seit dem Jahre 1800 auffällig gestiegen. Das hat nach Meinung der Pastafaris eindeutig mit der rückläufigen Zahl an Piraten zu tun, denn Piraten sind extrem wichtig, um das Erdklima zu regulieren. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass proportional zu der abnehmenden Zahl von Piraten die globale Erderwärmung in den letzten Jahrhunderten angestiegen ist. Also je weniger Piraten desto höhere Temperaturen, wie das Schaubild eindrucksvoll bestätigt:

grafik
© www.das-fsm.de

Schöpfungsgeschichte á la das Fliegende Spaghettimonster

Natürlich hat die Pastafari-Religion auch eine eigene Schöpfungsgeschichte. Nach der hat das Fliegende Spaghettimonster die Welt in fünf Tagen erschaffen:

#1

Am ersten Tag schuf das FSM das Licht und die Dunkelheit, besser bekannt als Tag und Nacht, manchmal auch „beste Sendezeit“ genannt.

#2

Am zweiten folgte das Land, um das Wasser zu teilen. Das FSM nannte es Firmament. Auf dem Land entstand ein bierspuckender Vulkan, von dem das FSM ordentlich trank.

#3

Am dritten Tag hatte das FSM Gedächtnislücken, deshalb schuf es den zweiten Tag noch einmal. Diesmal nannte es das Land „Erde“. Irgendwann bemerkte das FSM dann doch, dass es das Land ja schon am Vortag geschaffen hatte. Also war quasi ein Land übrig, und so nahm das FSM das Firmament und machte daraus den Himmel.

#4

Am vierten Tag versuchte das FSM das Licht vom ersten Tag zu teilen, weil es gerne Licht am Tag und in der Nacht gehabt hätte. Dieses Experiment misslang, und bei der Teilung entstanden Scherben, die nun als Sterne fungieren.

#5

Am vierten Tag schließlich schuf das Fliegende Spaghettimonster die Tiere. Die Kuh, das Big Mäc und das Dönertier. Danach war es so erschöpft, dass es erst einmal beim Biervulkan vorbeischaute. Nach dieser Pause ging in Sachen Schöpfung einiges schief. So schuf das FSM im Himmel eine Stripperfabrik und auf der Erde einen Zwerg. Den Zwerg nannte es „Mann“. Weil dieser Zwerg so tierisch nervte, gab ihm das FSM eine Gefährtin und sprach zu beiden: „Von nun an soll ein Mann seine Eltern verlassen und sich mit einer Frau vereinen“. Und das Fliegende Spaghettimonster dachte sich: „Das wird bestimmt interessant…“

burger etc.

Das Fliegende Spaghettimonster – Zwischen Genie und Wahnsinn

Interessant auf jeden Fall, aber was soll das Ganze? Der Physiker Bobby Henderson gründete 2005 das Fliegende Spaghettimonster als Reaktion auf die Ausweitung von kreationistischen Pseudowissenschaften in amerikanischen Schulen. Initiativen der Intelligent Design-Bewegung strebten damals eine gleichberechtige Verbreitung christlicher/göttlicher Schöpfungstheorien neben der sonst üblicherweise im Biologieunterricht gelehrten Evolutionstheorie an. Henderson beantragte, dass auch seine Religion, der“ FSMism““ an Schulen gelehrt werde.

Daraus entwickelte sich eine Bewegung, die mittlerweile weltweit immer mehr Anhänger findet. Nach dem Vorbild etablierter Religionen organisieren sich die Pastafaris in kirchlichen Strukturen und Gemeinden und huldigen ihrem Fliegenden Spaghettimonster als der einzigen realen Gottheit. Sie halten Gottesdienste ab, missionieren und beantragen die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft.

Was auf dem ersten Blick durchaus etwas irre rüberkommt und bei manchem für Kopfschütteln sorgen mag, hat allerdings einen interessanten und höchst intelligenten Hintergrund. Hendersons artikuliert auf äußerst innovative Art und Weise eine fundamentale Religionskritik. Seine Parodie soll zeigen, dass Religion im naturwissenschaftlichen Unterricht nichts zu suchen hat. Für ihn ist Religion Privatsache und jeder kann glauben was er will.

In seinem Buch „Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters“ formuliert Henderson Kritik an religiösen Dogmen, Vorurteilen und Frauenfeindlichkeit. Stattdessen fordert er zur freien Liebe und dem Gebrauch von Kondomen auf. So verrückt klingt das alles gar nicht. Das Fliegende Spaghettimonster mag zunächst befremdlich und lächerlich wirken, aber in manchen Dingen ist es den sogenannten großen Religionen weit voraus.

Beweisvideo: fsm-spotting_www.das-fsm.de