Hochzeitskutschen: Der ultimative Guide

Mode & Lifestyle von Sarah am 15.05.2014

Eine Hochzeit bedeutet für das Brautpaar neben allen schönen Aspekten auch viel Trubel und Stress. Eine Kutschfahrt nach der Zeremonie ist genau das Richtige, um dem entgegenzuwirken, den Tag zu entschleunigen und für schöne Momente zu zweit zu sorgen. Damit alles reibungslos funktioniert, gibt es hier den ultimativen Ratgeber zur Hochzeitskutsche.

Hochzeitskutsche

  1. Hochzeitskutsche oder Auto – was passt zu meiner Hochzeit?
  2. Die unterschiedlichen Kutschentypen vorgestellt
  3. Welches Pferd soll die Hochzeitskutsche ziehen?
  4. Die perfekte Kutschfahrt planen – Worauf muss man achten?
  5. Checkliste: Woran erkenne ich einen guten Kutschbetrieb – auch als Download?
  6. Was kostet der Traum von einer Hochzeitskutsche?


1. Hochzeitskutsche oder Auto – was passt zu meiner Hochzeit?
Nicht immer sind Braut und Bräutigam einer Meinung, häufig ist dies der Fall, wenn es um den Transport am Hochzeitstag geht. Oft träumt die Braut von einer romantischen Kutschenfahrt, während sich ihr Liebster ein paar PS mehr wünscht. Was für eine Hochzeitskutsche und was für ein Auto spricht, zeigt folgender Vergleich.

Hochzeitskutsche Hochzeitsauto
✔ Auch ohne viel Dekoration sehr repräsentativ ✔ Eignet sich besonders für lange Strecke
✔ Sorgt für viel Romantik ✔ Kann selbst gefahren werden
✔ Bietet (meist) einen freien Blick auf das Paar ✔ Familienauto kann genutzt werden
✔ Moment der Ruhe zu zweit ✔ Meist günstiger als Kutsche
✔ Viele Modelle zur Auswahl ✔ Verschiedene Autotypen zur Auswahl

Funny Fact: 25 Prozent der Frauen wünschen sich eine Kutsche zur Hochzeit. Bei den Männern sind es nur 16 Prozent. Diese bevorzugen eher die Fahrt in einer Limousine.

Neben den genannten Aspekten spielen außerdem häufig persönliche Wünsche und Vorstellungen eine Rolle. So entscheiden sich Pferdeliebhaber wohl eher für eine Kutsche, Speed-Junkies dagegen für einen Sportwagen. Auch das Thema der Hochzeit, kann bereits richtungsweisend sein: Denn welche Braut fährt schon gerne bei ihrer Märchenhochzeit im Trabbi vor? Entscheidend ist jedoch, dass das Brautpaar sich gemeinsam einigt und beide Partner glücklich sind mit der Wahl.


2. Die unterschiedlichen Kutschentypen vorgestellt
Bei Kutschen kann man nicht nur unterscheiden, ob sie eine oder zwei Achsen besitzen sollten, oder von wie vielen Pferden sie gezogen werden. Viel entscheidender ist es für das Brautpaar, ob es sich um eine offene, halboffene oder geschlossene Kutsche handelt. Dies ist abhängig von der Bauart der Kutsche, weswegen man sich zuvor die verbreitetsten Arten näher anschauen sollte.

Die beliebtesten Kutschenarten für Hochzeiten heißen:

Landauer
Der Landauer zählt zu den Klassikern unter den Hochzeitskutschen. Dank seines zumeist klappbaren Verdecks lässt er sich mit wenigen Handgriffen von einer offenen zu einer geschlossenen Kutsche verwandeln. Plötzlich einsetzender Regen tut der Kutschfahrt somit keinen Abbruch. Sie bietet Platz für vier Personen. Besonders edel und festlich wirkt sie in stilvollem weiß und mit roten Rosen geschmückt.

Viktoria
Die Viktoria, früher auch als Kalesche bezeichnet, ist meist kleiner und kompakter als andere Kutschentypen, denn ursprünglich wurde sie einspännig gefahren. Heutzutage gibt es sie in zwei- und vierspännigen Ausführungen. Das Brautpaar nimmt unter dem Klappverdeck Platz und ist in dieser halboffenen Kutsche gegen leichte Regenschauer und übermäßigen Wind geschützt.

Coupé
Wer eine geschlossene Kutsche für seine Hochzeit vorzieht, der trifft mit dem Coupé die richtige Wahl. Hierbei handelt es sich um eine geschlossene Kabine auf zwei Wagenachsen, die für zwei Personen ausgelegt ist.

Damen-Phaeton
Diese Art der Kutsche wurde ursprünglich als Herrenkutsche gebaut. Das bedeutet, dass es sich um eine kleine, zweiachsige Kutsche handelt, welche nicht von einem Kutscher, sondern der Dame selbst gefahren wurde – wie der Name bereits verrät. Als Hochzeitskutsche eignet sich der Damen-Phaeton daher nur für Brautpaare, welche das Gefährt selbst steuern können.

Duc
Auch der Duc zeichnet sich, ebenso wie der Landauer und der Damen-Phaeton durch ein flexibles Verdeck aus. Die vierrädrige Kutsche ist sehr leicht und gleicht in ihrer Art einer Viktoria-Kutsche. Jedoch kann auch diese Kutsche nur selbst gelenkt werden, da es sich auch hierbei um eine Herrenkutsche, ohne Platz für einen Kutscher, handelt.

Kutschen für Motto-Hochzeiten
Neben den klassisch, romantischen Modellen, entscheiden sich immer mehr Paare für eine ausgefallene Variante, welche eigens auf das Motto der Hochzeit abgestimmt ist.

  • Ländlich
    Für ländlich, rustikale Hochzeiten eignet sich ein dekorierter Heuwagen, welcher Braut und Bräutigam transportiert. Es sollten jedoch nur kurze Strecken auf diese Weise zurückgelegt werden, da dem Heuwagen der Komfort einer gepolsterten Kutsche fehlt.
  • Maritim
    Für maritime Hochzeiten eignen sich Wattwagen, die dazu genutzt werden bei Ebbe auf dem Meeresboden zu fahren. Wenn die Hochzeit also in Meeresnähe stattfindet, kann diese Hochzeitskutsche ein kleines Highlight werden.
  • Winterlich
    Wer bei seiner Winterhochzeit Glück und genügend Schnee hat, kann auf einen, von Pferden gezogenen Schlitten als Transportmittel zurückgreifen. Für die Fahrt durch die Stadt eignet sich das natürlich nicht, aber für einen romantischen Abstecher zu zweit ist der Schlitten wie gemacht.

Kutsche für die Hochzeitsgäste
Auch an den Transport der Gäste sollte gedacht werden. Wer das einzigartige Erlebnis einer Kutschfahrt am Hochzeitstag also mit seinen Liebsten teilen möchte, kann zusätzlich zur eigentlichen Hochzeitskutsche auch noch eine Kutsche für die Hochzeitsgäste arrangieren.

wagonette-pferdemobil

Da solche Kutschen genügend Platz für möglichst viele Insassen bieten sollen, kommen in der Regel nur zwei Arten zum Einsatz:

  • Wagonette
  • Pferdeomnibus

In beiden Kutscharten sitzen die Passagiere jeweils rechts und links quer zur Fahrtrichtung. Es gibt allerdings auch abgewandelte Formen, die einen anderen Sitzaufbau aufweisen.

Einen Vorteil bringt der Pferdeomnibus gegenüber der Wagonette in vielen Fällen mit sich: Die Kutschen sind oft als Doppeldecker unterwegs, was besonders großen Hochzeitsgesellschaften sehr zugute kommt.

Es gibt natürlich noch viele weitere Kutschenarten und jeder Fahrtbetreib bietet seine eigenen Modelle. Daher lohnt es sich vor der Buchung die Betriebe einmal zu besuchen und sich die verschiedenen Typen zeigen zu lassen.


3. Welches Pferd soll die Hochzeitskutsche ziehen?
Für die Wahl des richtigen Hochzeitspferdes ist viel weniger die Rasse als der Charakter des Tieres ausschlaggebend. Sie dürfen nicht von Straßenlärm, jubelnden Hochzeitsgästen und größeren Menschenmengen abgelenkt werden. Gelassenheit und innere Ruhe sollten Kutschpferde ausmachen. Die Kutschbetriebe kennen ihre Tiere in der Regel gut und wissen, welche Pferde sich für den Einsatz bei einer Hochzeit eignen.

Funny Fact: Einem Garde-Pferd wurde der Trubel bei Williams und Kates Hochzeit wohl zu viel, warf seinen Reiter ab und ritt führerlos an der royalen Kutsche vorbei zurück zu den Ställen der britischen Garde.

Kaltblüter

Noriker
Diese mehr als 2.000 Jahre alte Rasse hat ihren Ursprung in Österreich. Dort wurden Noriker als Reit- und Packtiere genutzt.

Aussehen:
Noriker besitzen eine rechteckgien Körperbau und ein Stockmaß von 155 bis 165 cm. Die Fellfärbung ist von Tier zu Tier unterschiedlich.

Charakter:
Diese Rasse gilt gemeinhin als gutmütig, zuverlässig, ausdauernd und trittsicher.

Haflinger
Der blonde Fuchs kommt wie der Name schon sagt ursprünglich aus der Region um das Bergdorf Hafling in Südtirol. Von dort aus fand das Zug- und Tragpferd Eingang in viele deutsche Gehöfte.

Aussehen:
Haflinger erkennt man an ihrer typisch blonden Mähne und dem fuchsroten Fell. Mit einem Stockmaß von 140 bis 150 cm sind sie perfekte Lasttiere.

Charakter:
Charakterisiert wird diese Rasse durch Worte wie Ausgeglichenheit, Gelassenheit und Gemütsruhe.

Tinker
Ursprünglich in Großbritannien und Irland beheimatet gilt der Tinker, auch Gypsy Cob, erst seit 2005 als eigene Rasse. Zuvor wurde diese Art nur als Rassentyp geführt.

Aussehen:
Pferde dieser Rasse haben in der Regel einen kräftigen Knochenbau. Sie zeichnet sich durch starkem Fesselbehang und einem eher scheckigem Fell aus.

Charakter:
Tinker sind seit jeher Arbeitspferde, da sie stark, freundlich und arbeitsam sind.

Schwere Warmblüter

Cleveland Bay
Diese britische Rasse wurde zunächst im mittelalterlichen Cleveland gezüchtet. Seit jeher war ihr Einsatzgebiet die Kutschfahrt.

Aussehen:
Pferde dieser Rasse besitzen ein braunes Fell und schwarze Beine. Ihr Stockmaß beträgt 162 bis 170 cm.

Charakter:
Sein ausdauerndes, gelassenes und vernünftiges Wesen machen es zum perfekten Kutschpferd.

Friesen
Der niederländische Friese entstand durch das Kreuzen von spanischen mit einheimischen Pferden. Nur durch gezielte Zucht konnte die Rasse vor dem Aussterben bewahrt werden.

Aussehen:
Alle Friesen sind Rappen. Das heißt, dass sie ein komplett schwarzes Fell besitzen. Vor einer weißen Kutsche sehen sie besonders edel aus.

Charakter:
Friesen sind fleißig, freundlich, leistungsfähig und stark.

Anglo-Normanne
Die aus der Normandie stammende Rasse wurde in drei unterschiedlichen Typen gezüchtet: als Kutsch-, als Arbeits- und als Reitpferde. Seit 1958 gibt es Bestrebungen die Unterteilung wieder aufleben zu lassen.

Aussehen:
Anglo-Normannen sind überwiegend Füchse und Braune mit einem Stockmaß von 150 bis 165 cm. Sie besitzen einen eleganten Körperbau.

Charakter:
Zwar sind es lebhafte und energische Tiere, dafür aber auch sehr gutmütig und zuverlässig.

Natürlich kann man seine Kutschpferde auch nach ästhetischen Gesichtspunkten aussuchen. Ein Gespann aus strahlenden Schimmeln wirkt ebenso edel wie ein Kontrast zwischen einer weißen Hochzeitskutsche und dem schwarzen Fell von Friesen. Wer eine so konkrete Vorstellung hat, muss jedoch gegebenenfalls mehrere Fahrbetriebe aufsuchen bis er das Gesuchte findet.


4. Die perfekte Kutschfahrt planen – Worauf muss man achten?
Funny Fact:: 2012 wurde in der Schweiz der Prototyp einer E-Kutsche präsentiert. Sie funktioniert wie ein elektronisches Fahrrad. Lässt die Kraft des Zugpferdes nach, setzt automatisch der elektrische Motor ein und bewegt das Gefährt.

Zeitpunkt der Anmietung
Sobald der Hochzeitstermin steht, sollte man beginnen, nahegelegene Gehöfte und Reitbetriebe anzufragen, ob sie an diesem Tag frei sind. Gerade für eine Hochzeit im Sommer sollte man nicht zu lange mit der Anmietung warten, da die Termine recht beliebt sind. Plant man die Kutschfahrt schon drei oder vier Monate vorher, bleibt noch genügend Zeit um Sonderwünsche zu integrieren und gegebenenfalls eine Probefahrt zu unternehmen.

Wetter
Das Wetter ist für jede Hochzeit ein unkalkulierbarer Faktor. Denn selbst Trauungen, die mitten im Hochsommer liegen, können sprichwörtlich mit Dauerregen gesegnet sein. Dies gilt es in jedem Fall zu bedenken. Mit einer geschlossenen Kutsche geht man auf Nummer sicher. Wer jedoch nicht komplett auf eine offene Fahrt verzichten möchte, kann sich auch für eine Kutsche mit flexiblem Verdeck entscheiden.

Allergien
Bevor man Kutsche und Pferde für die Traumhochzeit bucht, ist es sinnvoll zu überprüfen, ob das Brautpaar nicht eine Tierhaarallergie hat. Andernfalls kann die märchenhafte Kutschfahrt schnell in Niesanfällen, brennenden Augen und Hautreizungen enden. Gerade wer als Stadtmensch selten in Berührung mit Tieren kommt, sollte zuvor ein Gehöft besuchen, um zu sehen wie der eigene Körper auf die neuen Einflüsse reagiert.

Fahrtdauer & Fahrweg
Eine Hochzeitskutsche besitzt in der Regel zwei oder vier PS, in Ausnahmefällen sogar sechs. Doch selbst dann fahren sie nur mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von acht km/h. Eine angedachte Fahrtstrecke von fünf Kilometern wird also schon über eine halbe Stunde dauern. Längere Fahrten sollten mit dem Kutschbetrieb auf ihre Machbarkeit hin überprüft werden. Generell sollte der Weg nicht mehr als zehn Kilometer betragen.


5. Checkliste: Woran erkenne ich einen guten Kutschbetrieb?
Romantisch, klassisch und einfach perfekt kann eine Kutschfahrt bei der eigenen Hochzeit nur werden, wenn man sich den besten Kutschbetrieb ausgesucht hat. Um am Hochzeitstag keine bösen Überraschungen erleben zu müssen, können ein paar einfache Tipps dabei helfen, garantiert die richtige Wahl zutreffen.

Woran erkenne ich einen guten KutschbetriebCheckliste als PDF-Download:


6. Was kostet der Traum von einer Hochzeitskutsche?
hochzeitEine Hochzeit ist kein günstiges Unterfangen. Häufig greift das Brautpaar dafür richtig tief in die Tasche. Da heißt es, den Budgetplan nicht aus den Augen zu verlieren – auch nicht bei der Hochzeitskutsche, denn hier gibt es eine große Preisspanne.

Abhängig sind die Preise von folgenden Faktoren:

  • Wie viele Pferde sollen die Kutsche ziehen?
  • Wie soll die Ausstattung der Kutsche sein?
  • Ist eine Anfahrt für die Hochzeitskutsche zum Trauungsort nötig?
  • Wie lange wird die Kutsche benötigt? (Wartezeiten während Trauung beachten!)

Dementsprechend erstreckt sich die Preisspanne für eine Hochzeitskutsche von etwa 350 Euro bis gut über 1000 Euro. Mehr Pferde, eine aufwändige Kutsche und eine weite Anreise der Kutsche, können schnell hohe Kosten verursachen.

Funny Fact: Bei Playmobil kostet eine Hochzeitskutsche nur 19,99 €.

Dafür wird dem Brautpaar aber auch einiges geboten:

  • Dekoration der Kutsche und der Pferde
  • Abholung des Brautpaares
  • Transport zu den vereinbarten Orten
  • Standesamt
  • Kirche
  • Feier-Location
  • Romantischer Ort für Fotos etc.
  • Kostümierter Kutscher
  • Häufig auch ein kostümierter Beifahrer
  • Fotos mit dem Brautpaar und der Kutsche

Je nach Kutschenbetrieb variieren Preise und gebotene Leistungen natürlich. Individuelle Absprachen und Verhandlungen sind immer zu empfehlen. So kann beispielsweise auf die Standard-Dekoration verzichtet werden und das Brautpaar stellt eigenen Schmuck, passend zum Motto der Hochzeit zur Verfügung.

Tipp:
Potenzial zur Einsparung bieten professionelle Reitvereine. Wer statt klassischem Kutscherkostüm auch eine schicke Reituniform in Kauf nehmen würde, sollte sich bei den Reitvereinen der Umgebung informieren. Gegebenenfalls stellen diese nämlich auch Kutsche und Fahrer zu günstigeren Konditionen zur Verfügung.

Bildrechte:
© Dieter Hawlan – Fotolia.com
© empics – Fotolia.com
© miket – Fotolia.com
© Nicolette Wollentin – Fotolia.com
© hemlep – Fotolia.com
© Bettina Kuß – Fotolia.com
© BildPix.de – Fotolia.com
(Bildmaterial: Horse (Cleveland Bay) Drawn Brougham Carriage, Buckingham Palace, Westminster, London (nikoretro/Flickr, CC BY-SA 2.0))
(Bildmaterial: 2009 Prairie Home Carriage Festival at Dakota City Heritage Village (Pete Markham/Flickr, CC BY-SA 2.0))
(Bildmaterial: 2010_08_26 – 12_32 – Antwerpen – 30 (wogo24220/Flickr, CC BY-ND 2.0))
(Bildmaterial: Présentation au haras de Saint-Lô- Cob normand (Larayevire/wikimanche.fr CC BY-SA 2.0))