Das Longboard erobert die Welt

Mode & Lifestyle von Daniel am 19.09.2016

Vier Rollen an zwei Achsen unter einem Holzbrett – So genial wie einfach. Nicht nur in Berlin hat sich das Longboard neben dem Fahrrad als beliebtes, nicht motorisiertes Fortbewegungsmittel längst etabliert. Es wundert sich niemand mehr auch nur im geringsten, wenn Verkehrsteilnehmer aller Altersklassen nonchalant auf dem Seitenstreifen an Verkehrskolonnen vorbeigleiten. Und das ohne den Peinlichkeitsfaktor von Geschäftsmännern in feinen Anzügen auf Kickboards, die an Kinderroller erinnern.

Frau mit Lonboard auf der Straße

Einmal quer durchs Land

Ein eindrucksvoller Beweis für den weltweiten Hype der langen Bretter ist die Deutschlandtour der bekannten Youtube-Stars Dner, Simon Unge, Julien Bam und Cheng Loew, die in 40 Tagen von der Nordseeinsel Sylt bis nach Neu Schwanstein fuhren. „Wir wollten etwas machen, was bislang noch keiner gemacht hat: mit dem Longboard von Nord nach Süd fahren“, erklärt Dner, der mit bürgerlichem Namen Felix von der Laden heißt und mit 1,2 Millionen Abonnenten einer der erfolgreichsten Youtuber ist.

Auf ihrer Tour legten sie mehr als 1400 Kilometer zurück und wurden nicht nur von unzähligen Fans, sondern auch vom ZDF, der Reportage-Zeitschrift Stern, der Bild Zeitung und zahlreichen lokalen Medien begleitet. Zusätzlich versorgten sie Fans und Anhänger täglich mit eindrucksvollem Bildmaterial und Informationen auf Youtube und drehten so ihr eigenes kleines Roadmovie. Vor allem weibliche Anhänger fanden immer wieder ihre Aufenthaltsorte heraus, statteten sie mit Süßigkeiten und Pflastern aus, und boten ihnen sogar Schlafplätze im Haus der Eltern an.

„Wir wissen, dass der Trend angekommen ist.“ erklärt Arne Gras, der stellvertretende Filialleiter des sehr erfolgreichen Skatewear-Einzelhandels Titus. Auch Firmenchef und Skater-Legende Titus Dittmann ist gerne auf dem Longboard unterwegs, weil man so schnell und entspannt von A nach B kommt.

Vier Jungs mit Longboards
Quelle: http://www.pipeline.de/

Ein Longboard für die ganze Familie

Längst sind es nicht nur ambitionierte Skater, die sich ein Longboard kaufen, weil sie eine für Langstrecken geeignete Alternative zu ihrem Streetstyle-Skateboard brauchen. Mittlerweile probieren sich auch Familienväter mit ihren Kindern und vor allem Teenager darauf aus, deren Füße zuvor noch nie ein Skateboard berührt hatten. Auf den Schulhöfen sind sie sowieso vorherrschendes Thema und begeistern Jungs und Mädchen gleichermaßen.

Mädchen mit Board von hinten

Surfin‘ USA

Das Longboard ist seinem Namen entsprechend 90 bis 150 cm lang, ein Surfbrett für die Straße, sozusagen. Deshalb ist es auch stabiler und weniger wacklig als ein Skateboard, was es für Einsteiger so interessant macht. Für viele ist es ein enorm beeindruckendes Erlebnis, nachdem Skateboard fahren doch immer ein Buch mit sieben Siegeln war und ähnlich unerreichbar wie Profisport. Die großen, weichen Rollen erleichtern den Start zusätzlich, weil man geschmeidig über den Boden gleitet, ohne kleine Unebenheiten zu spüren. Das macht die Fahrt auf fast jedem Untergrund möglich, nicht einmal Kieswege oder Pflastersteine sind noch ein Hindernis. Erfunden wurde das Longboard in den 50er Jahren von kalifornischen Surfern, die sich außer zum Schlafen gar nicht mehr von ihren Brettern trennen wollten und eine Möglichkeit suchten, ihrer Leidenschaft auch auf dem Asphalt und in kälteren Jahreszeiten zu frönen.

Der Hype schwappt nach Europa

Stark gefördert wurde der Longboard – Sport allerdings dann in Europa, wo er sich vor allem in Frankreich, der Schweiz und in Deutschland großer Beliebtheit erfreute. 1998 war Longboard – Downhillrennen sogar als Disziplin bei der Extremsportveranstlung „X-Games“ vertreten. Interessanterweise sind die herkömmlichen Free- und Streetstyle Skateboards eine Weiterentwicklung der Longboards und nicht umgekehrt. Im Laufe der Zeit wurden die Bretter kürzer und es kamen mehr Tricks dazu, bis diese zur eigenen Disziplin wurden.

Ende des letzten Jahrtausends geriet das Longboard aufgrund der dominierenden Popularität des Skateboardens und der Rollerskates fast in Vergessenheit, um jetzt wieder einzuschlagen wie eine Bombe. Sogar Hollywood hat der Hype schon erobert, wie „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ zeigt, in dem Ben Stiller mit einem Longboard durch die Gegend fährt.

rasante Fahrt die Straße runter

Die Tricks der Profis

Bis zu 100 Stundenkilometer werden beim Downhill oder auch Speedboarden erreicht, allerdings werden hierfür besondere Boards verwendet. Beim Sliding wird das Longboard bei hoher Geschwindigkeit um 90 Grad gedreht und quer zur Straße positioniert, verliert somit die Bodenhaftung und man gleitet in bester Hoverboard-Manier über den Asphalt. Das funktioniert sowohl mit Blick in Fahrtrichtung als auch rückwärts, und dient unter anderem dazu, die Geschwindigkeit zu reduzieren.

Eine andere Technik, um das Longboard zu verlangsamen, ist das aus dem Ski- und Snowboardfahren bekannte Carving, das Fahren besonders enger Kurven. Beim Long Distance Pumping wiederum wird das Gegenteil erreicht, man beschleunigt das Board durch Slalombewegungen, ohne sich mit dem Fuß abzustoßen.

Dancing hat sich von einer Technik des Wellenreitens abgeleitet, dem soganannten Boardwalking. Dabei wird eine Vielzahl verschiedener Drehungen auf dem Deck ausgeführt, die einem Tanz ähneln. Hierfür gibt es sogar speziell ausgelegte Bretter, die weniger konkav geformt sind und über mehr Fläche verfügen.

Beim Hippie Jump springt der Fahrer vom Fahrenden Longboard aus über eine Stange, um anschließend wieder darauf zu landen und weiterzufahren. Der Weltrekord liegt derzeit bei 1,51m.

Preislich geht es bei absoluten Einsteigermodellen um die 60 Euro los, echte Profis zahlen dagegen alleine für eine Achse schon 300 Euro, was zwar dekadent klingt, allerdings die Qualität jedes Details vom Kugellager bis zum Griptape beeinflusst.