Nachhaltig Shoppen kommt niemals aus der Mode

Mode & Lifestyle von Sarah am 17.06.2014

Getreu dem Motto „Kleider machen Leute“, geben die Deutschen pro Jahr rund 68 Milliarden Euro für Bekleidung und Schuhe aus. Eine Million Tonnen davon wandern innerhalb der nächsten zwölf Monate sofort wieder in den Müll. Dieser Umgang mit Kleidung ist alles andere als nachhaltig. Die meisten Menschen passen sich lieber dem schnelllebigen Mode-Business an, als umweltbewusst zu handeln. Dabei ist es nicht unmöglich Mode und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bringen. Doch wie genau geht das?

  1. Augen auf beim Kleidungskauf
  2. Kleidung umweltfreundlich Waschen, Pflegen und Aufbewahren
  3. Ein zweites Leben für jede Klamotte


1. Augen auf beim Kleidungskauf
Gerne greift der Durchschnittsbürger zum T-Shirt für zehn Euro – günstig heißt für viele oft auch gut. Nicht so für die Baumwollpflücker, Färber und Näherinnen. Bereits beim Kleidungskauf sollten verantwortungsbewusste Käufer die Augen offenhalten und sich einige Fragen zur Nachhaltigkeit der Textilien stellen. Unglaublich günstige Kleidung, viel zu viele Impulskäufe, und die falschen Geschäfte sind nur drei der zahlreichen Fallen beim Kleidungskauf.Kleidung kaufen
Die wahre Shoppingqueen kauft bewusst
Deutsche kaufen 40 bis 70 Kleidungsstücke pro Jahr und investieren dabei durchschnittlich 1200 €. Damit führt Deutschland zusammen mit den USA und der Schweiz die erschreckende Konsumrangliste für Textilien an. Kein Wunder – denn innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte sind die Preise für Kleidungsstücke stark gesunken. Diese Entwicklung ist nicht nur ökologisch bedenklich, sondern zieht auch ein zunehmend unreflektiertes Konsumverhalten vieler Frauen und Männer nach sich. Dank einiger einfacher Regeln beim Einkaufen, kann man schnell Herr der Lage werden.

Wer seinen Bekleidungskonsum einschränken möchte, der sollte:

  • Impulskäufe vermeiden

    An der Schaufensterpuppe sah das Kleid gut aus, doch vor dem heimischen Spiegel trägt es auf, macht blass oder lässt sich nur schlecht kombinieren. Diese schlechte Erfahrung machen Menschen, die spontanen Impulsen folgen, sich von den Auslagen verführen lassen und dem Sale-Schild mehr vertraut als dem eigenen Urteilsvermögen. Impulskäufe dieser Art sollten generell vermieden werden. Der Gang ins nächste Kleidungsgeschäft sollte nur dann stattfinden, wenn er wirklich geplant ist und neue Sachen benötigt werden. Mittagspausen, freie Nachmittage und Feierabende sollten lieber mit den Freunden, der Familie oder dem Partner abseits der Shoppingtempel verbracht werden.

  • Den eigenen Stil finden

    Wer seinen persönlichen Kleidungsstil kennt, der weiß, was er will und was ihm steht. Um Fehlkäufe zu vermeiden, ist es daher unerlässlich seinen Stil zu finden. Eine Freundin oder der Partner können dabei helfen, indem sie einzelne Kleidungsstücke aus dem Kleiderschrank genau unter die Lupe nehmen. Passt der Schnitt? Stimmt die Größe? Wie stehen einem die Farben? Das Gleiche funktioniert auch direkt im Geschäft. Insbesondere da es dort die Möglichkeit gibt Sachen anzuprobieren, die man normalerweise nicht anziehen würde. Aber Achtung! Gekauft wird nur, wenn die Sachen perfekt sitzen und benötigt werden.

  • Kombinierbarkeit prüfen

    Die neue Hose mit Aztekenmuster sollte das Highlight der persönlichen Kollektion werden, doch nun liegt sie seit Wochen ungenutzt herum, da der eigene Kleiderschrank einfach nicht das perfekte T-Shirt zum Kombinieren hergibt. Dieses Szenario kennt wohl jeder! Jeder hat im Schrank um die 20 ungetragenen Kleidungsstücke, die sich schlecht kombinieren lassen. Von daher ist es unerlässlich schon beim Kauf eines Oberteils in Gedanken durchzugehen, welche Hosen und Röcke am besten dazu getragen werden können. Auch sollte man bedenken, dass beispielsweise für ein rückenfreies Oberteil die passende Unterwäsche benötigt wird.Kleider kombinieren

  • Fragen: „Brauche ich das wirklich?“

    Brauche ich das wirklich? Diese Frage sollte sich jeder vor dem Spiegel in der Garderobe unbedingt und vor allem ehrlich beantworten. Wenn man schon zwei blaue Pullover besitzt, ist ein dritter vermutlich unnötig. Selbst wenn dieser – anders als die anderen beiden – in einem perfekten Himmelblau leuchtet.
    Ein Anschaffungsplan hilft dabei zukünftig nur noch das zu kaufen, was wirklich gebraucht wird. Darin wird notiert, wenn ein Paar Schuhe kaputt geht oder eine schlecht sitzende Jacke weggegeben worden ist. Hat man nach einigen Wochen immer noch das Gefühl diese Sachen zu vermissen, dürfen sie durch neue ersetzt werden.

  • Nur langlebige Kleidung kaufen

    Wer eine neue Hose kauft, denkt meist noch nicht an ihr Ende. Dabei sollte das eines der wichtigsten Kriterien beim Neukauf von Kleidung sein. Nur robuste und langlebige Kleidungsstücke sollten in den Kleiderschrank einziehen, da diese ihr Geld wert sind und nicht schon in einem halben Jahr ersetzt werden müssen.
    Auch bei der Wahl der Materialien sollte berücksichtigt werden, inwiefern sich das Kleidungsstück reparieren und flicken lässt. Eine Seidenbluse sieht toll aus, geht jedoch schneller kaputt als Baumwolle oder Viskose. Seide lässt sich außerdem nur schwer reparieren. Da könnte eine fesche Baumwollbluse die bessere und langlebigere Alternative sein.

Welche Siegel helfen beim Kleidungskauf?
Wer festgestellt hat, dass er wirklich neue Klamotten benötigt, steht im Modegeschäft vor der Wahl: Welche Kleidung ist die beste? Wer bereits beim Einkauf darauf achtet ausgezeichnete Kleidung zu kaufen, der hat nicht nur etwas Gutes für Umwelt und Mensch getan, sondern auch in langlebige und qualitativ hochwertige Kleider investiert. Zu erkennen sind solche ausgezeichneten Produkte an den Siegeln, mit denen sie versehen wurden. Doch welche sind nur Werbeinstrument und wo steckt wirklich etwas dahinter?Siegel Kleidungskauf

  • Global Organic Textile Standard (GOTS)

    Naturfaser-Textilien werden mit dem GOTS-Siegel ausgezeichnet, wenn sie sehr hohen Ansprüchen gerecht werden können. Der umfangreiche Kriterien-Katalog umfasst die gesamte Wertschöpfungskette, sodass ein GOTS-Label sowohl ökologische als auch soziale Komponenten der Produktion mit einbezieht.

  • IVN BEST-Siegel

    Auch das IVN Best-Siegel gilt, wie auch schon der GOTS für Naturfasern. Um das IVN Best Label tragen zu dürfen, müssen die Fasern aus 100 Prozent biologischem Anbau stammen und die Arbeitsbedingungen existenzsichernde Löhne beinhalten. Außerdem unterliegt die Produktion einem strengen Chemikalienmanagement, sodass die entstandene Kleidung garantiert unbedenklich ist.

  • FAIRTRADE (Certified Cotton)

    Mit FAIRTRADE wurde 2005 ein sehr umfangreiches Siegel für nachhaltige Produkte ins Leben gerufen. Hier werden sowohl soziale Komponenten, wie die Arbeitsbedingungen in den Produktionsfabriken begutachtet, als auch ökologische Aspekte des Anbaus und der Herstellung.

  • Fair Wear Foundation (FWF)

    Textilien, die mit dem FWF Siegel versehen sind, wurden unter sozialen Arbeitsbedingungen produziert. Das Gütesiegel fordert seinen Mitgliedern den Verzicht auf Kinder- und Zwangsarbeit ab. Überprüft werden alle Stufen der Produktionskette.

  • EZA

    Kleidung mit EZA-Siegel steht vor allem für einen umfangreichen Schutz der Arbeiter und Arbeiterinnen. Neben den gerechten Arbeitsbedingungen spielt aber auch der Schutz der Umwelt eine große Rolle für das Zertifikat. Energie- und ressourcenschonende Prozesse sollen die Nachhaltigkeit der Kleidung fördern.

Andere Siegel, wie beispielsweise „Ökotex“ oder „Textile Exchange“ erfüllen nur ein Mindestmaß an Anforderungen oder beziehen sich lediglich auf einen Testaspekt. So bestätigen die Öko-Tex Siegel nur, dass das gekaufte Produkt schadstoffarm ist, über andere Aspekte der Produktion wird jedoch keine Aussage gemacht. Textile Exchange hingegen zertifiziert lediglich den Einsatz von Biobaumwolle. Ressourcenschonend oder schadstoffarm muss die Produktion dabei nicht sein.
PDF-Download: Top 40 Mode-Shops um ökologisch und unbedenklich zu shoppen
Siegel und Zertifikate informieren über die Produktionsumstände von Kleidung. Doch ein Problem für Kunden besteht oftmals darin, dass sie nicht wissen, wo es solche zertifizierten Labels und Marken zu kaufen gibt. Dabei ist das in der heutigen Zeit von Internet, Tauschbörsen und Second-Hand gar nicht mehr so schwer.

Die Top 40 der ökologischen Mode-ShopsMode-Shop-Liste als PDF-Download:

Bewusst Kleidung shoppen kann man übrigens auch über diverse Tauschbörsen und Second-Hand-Portale wie Kleiderkreisel oder Klamottentausch.

Warum sich Second Hand insbesondere für Kinderkleidung lohnt:

  • Große Einsparmöglichkeiten für die Eltern
  • Möglicherweise vorhandene Chemikalien bereits herausgewaschen
  • Kinder wachsen schnell heraus
  • Hohe Chance absolute Einzelstücke zu finden
  • Nur langlebige Materialien schaffen den Sprung in den Second Hand Laden

 
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2. Kleidung umweltfreundlich Waschen, Pflegen und Aufbewahren
Für viele Menschen hört der Nachhaltigkeits-Gedanke nach dem Einkauf auf. Pflichtbewusst entscheiden sie sich für die nötigsten Kleider aus ökologischen Modeshops und glauben der Natur damit Genüge getan zu haben. Dabei ist Nachhaltigkeit ein weitaus größeres Gesamtkonzept, das auch beim Gebrauch und bei der Pflege Beachtung finden möchte.
Tipps für effizientes Waschen
Wer viel Geld in gute Kleidung investiert, möchte auch lange Freude daran haben. In diesem Zusammenhang begehen viele Menschen allerdings einen grundlegenden Fehler: Sie waschen die neuen Klamotten falsch, zu häufig oder schlichtweg nicht effizient.

  • Wäsche sortieren

    Wer seine Wäsche richtig sortiert und genug Kleidungsstücke für einen Waschgang sammelt, hat länger Freude an seiner Kleidung. So erhalten nicht nur alle Klamotten die nötige Pflege, sondern auch unschöne Verfärbungen und der gefürchtete Graustich können vermieden werden.

  • Waschen, wenn es wirklich nötig ist

    Bevor die Jeans nach drei Tagen wieder in die Waschmaschine wandert, sollte man sich überlegen, ob sie wirklich gewaschen werden muss. Bei Jeans wird dieser Fehler am häufigsten gemacht, aber auch andere Kleidung wird zu oft gewaschen. Entscheidend für einen Waschgang sollten grobe Verschmutzungen sein, nicht die bisherige Tragedauer. Wer nach einer Woche noch eine vollkommen saubere Hose hat, braucht diese nicht zu waschen.

  • Waschmaschine richtig füllen

    Einer der wohl häufigsten Fehler beim nachhaltigen Umgang mit Kleidung ist der, dass Menschen die Waschmaschine für zu wenig Wäsche in Betrieb nehmen. Umso häufiger die Maschine laufen muss, umso mehr Wasser und Strom verbraucht sie. Das ist nicht nur für die eigene Brieftasche ärgerlich, sondern auch für die Umwelt. Das Sammeln gleicher Wäsche ist also in jeder Hinsicht sinnvoll. Umgekehrt gilt aber auch: Wer die Trommel zu voll macht, verringert die Reinigungsleistung des Gerätes und muss ggf. noch einmal Waschen.

  • Niedrige Temperaturen reichen

    Dreck und Bakterien lassen sich nur mit hohen Temperaturen bekämpfen, richtig? – Falsch! Viele Menschen waschen ihre Wäsche schlichtweg zu heiß. Dabei mögen es viele Textilien gar nicht so warm und geben deswegen schnell den Geist auf. Außerdem ist der Energiebedarf eines heißen Waschgangs etwa fünfmal so hoch wie der eines lauwarmen. Für einen regulären Waschgang reichen maximal 40 Grad.

  • Vorbehandeln statt mehrmals Waschen

    Vor allem Eltern kleiner Kinder kennen das Problem, aber auch im Alltag passiert es schnell: Einmal nicht hingesehen und schon hat das neue T-Shirt einen Fleck. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass das gute Stück sofort in die Maschine muss. Vor allem bei kleinen Flecken reicht eine schnelle Behandlung im Waschbecken. Aber auch bei groben Verunreinigungen sollten die Flecken gezielt vorbehandelt werden. So erspart man sich mehrere Waschgänge für ein Kleidungsstück.

  • Lüften statt Waschen

    Nach einem geselligen Abend riecht der Pullover unangenehm nach Zigarettenrauch? Kein Grund dafür sofort einen Waschgang einzulegen. Oftmals reicht es auch schon die Kleidung zu lüften. Im Freien verflüchtigt sich der Geruch schnell und der Pullover kann wieder getragen werden.Wäsche effizient waschen

  • Sonnenkraft nutzen

    Nun sind die Kleider sauber. Bevor sie aber in den Trockner wandern, lohnt sich ein Blick aus dem Fenster. Wer Strom sparen möchte, sollte die Wäsche öfter an der frischen Luft trocknen lassen. Die Sonnenkraft und der Wind trocknen die Kleidung schnell und auf jeden Fall ökologisch korrekter.

  • Sind die Geräte sparsam?

    Die schlimmsten Umweltsünder sind häufig die Waschmaschinen dieser Welt. Wer eine Maschine von Oma vererbt bekommen hat, hat leider nicht im Geringsten gespart. Der hohe Energie- und Wasserverbrauch der älteren Modelle ist weder für die Umwelt, noch für die eigene Brieftasche besonders gut. Wenn die Maschine außerdem nicht das richtige Programm besitzt oder sich Kalk- und Schmutzablagerungen in den Textilien festsetzen, verkürzt das die Lebenszeit der Kleidung – alles andere als nachhaltig.

Chemikalien im Waschmittel – Einspartipps für Umweltbewusste
Waschmittel für Buntes, Schwarzes, Weißes, Feines oder Wolle – dazu noch Weichspüler in allen erdenklichen Geruchsrichtungen sowie Fleckenlöser für die Härtefälle. So oder so ähnlich sieht das Reinigungs-Repertoire der meisten Haushalte aus. Mit einem Verbrauch von 630.000 Tonnen Waschmittel und 220.000 Tonnen Weichspüler im Jahr zählen diese Reiniger zu den am häufigsten genutzten Haushaltschemikalien. So gesehen lohnt sich ein besonders bewusster Umgang mit Waschmitteln, um ökologisch etwas bewirken zu können.

Doch zunächst die unschöne Wahrheit: Ökologisches Waschmittel gibt es nicht!

Waschmittel enthalten in der Regel Stoffe, die:

  • Biologisch nicht abbaubar sind
  • Organismen in freien Gewässern schädigen
  • Sich in der Umwelt anreichern

Eine wirklich effektive Alternative zu den üblichen Kompaktwaschmitteln ist bisher noch nicht gefunden worden. Dennoch kann man mit einigen Verhaltensregeln neben den bereits genannten Tipps für effizientes Waschen, die Menge an Waschmittel und Schadstoffen reduzieren, die ins Abwasser gelangt.

  • ⇒ Richtig dosieren

    Viele Menschen nutzen zu viel Waschmittel. Dabei wird die Menge grob geschätzt dem Behältnis entnommen und ohne Blick auf die Messskala in die Waschmaschine gegeben.
    Dabei spielen bei der Dosierung nur zwei Punkte eine Rolle: der Verschmutzungsgrad der Wäsche und die Wasserhärte. Im Wäschekorb befindet sich in der Regel nur „leichte“ bis „normal“ verschmutzte Wäsche, sodass eine geringe Menge Waschmittel vollkommen ausreicht. Den Wasserhärtegrad kann man ganz einfach bei den örtlichen Stadtwerken erfragen.

  • ⇒ Vorwäsche und Weichspüler weglassen

    Die Vorwäsche ist ein Relikt aus alten Zeiten als Waschmaschinen noch nicht so effizient arbeiteten. Heutzutage ist das Hauptprogramm mehr als ausreichend – zumal Kleidung eher selten richtig dreckig in die Maschine geworfen wird. Schweißgeruch und kleine Flecken vom letzten Mittagessen sind in der Regel nach einem Waschgang bezwungen.

    Auch der Weichspüler dient oft nur dazu die Wäsche gut riechen zu lassen und ein bestimmtes Tragegefühl zu erzeugen. Auf die Sauberkeit der Wäsche hat er nahezu keinen Einfluss.Tipps Waschmittel

  • ⇒ Waschmittel im Baukastensystem oder kompakte pulverförmige Color- und Vollwaschmittel nutzen

    Je mehr Tenside, also Seifen, enthalten sind, umso belastender ist das Waschmittel für die Umwelt. Von daher haben Flüssigwaschmittel schon jetzt verloren, da sie Unmengen von Tensiden enthalten. Mengen, die für normal verschmutzte Wäsche nicht nötig wären. Besser für die Umwelt sind daher kompakte, pulverförmige Color- und Vollwaschmittel. Wer wirklich zielgenau Bleiche, Waschmittel und Wasserenthärter dosieren möchte, der sollte nach einem Baukastensystem Ausschau halten. Hierbei werden dem Grundwaschmittel nur dann Flecklöser, also Bleichmittel, und Wasserenthärter zugegeben, wenn es wirklich nötig ist.

Tragegewohnheiten überprüfen
Nicht nur, dass häufiges Wäschewaschen der Umwelt schadet, es zerstört auch die Textilien, sodass Kleidung immer öfter ersetzt werden muss. Wer also T-Shirts und Hosen nach jedem Tragen direkt in den Wäschekorb gibt, sollte seine Tragegewohnheiten unbedingt überprüfen.

Was kann wie lange getragen werden?

An normalen Tagen An heißen Tagen
Unterwäsche 1 Tag 1 Tag
BH 4 – 7 Tage 2 – 3 Tage
Socken 1-2 Tage 1 Tag
Unterteile 4 – 6 Tage 3 – 6 Tage
Oberteile 3 – 4 Tage 2 – 3 Tage
Jacken, Westen 30 Tage 30 Tage

Diese Tabelle gibt lediglich einen Anhaltspunkt, da es immer auch auf den Träger ankommt wie schnell ein Kleidungsstück wieder in die Wäsche muss.
Kleidung richtig aufbewahren – länger freuen
Versteckt in dunklen Kommoden und lieblos in stickige Schränke geworfen? So sollte Kleidung nicht behandelt werden. Was viele Leute nicht beachten: Die richtige Aufbewahrung ist ein wesentlicher Teil des nachhaltigen Umganges mit Kleidung. Wer seine Klamotten korrekt verstaut, hat länger Freude an den Textilien und braucht sich seltener neue zu kaufen.

  • Jedem das Seine

    Jedes Kleidungsstück hat seine Eigenheiten, die auch im Kleiderschrank respektiert werden wollen. Seide beispielsweise ist ein empfindlicher Stoff, der sich nicht im offenen Regal sondern auf einem gepolsterten Bügel am wohlsten fühlt. Wolle hingegen sollte man vom Kleiderbügel fernhalten, um zu verhindern, dass der Stoff schnell ausleiert.

  • Motten-Alarm?

    Das schlimmste was passieren kann ist, dass man das Lieblingsshirt aus dem Kleiderschrank holt und ein kleines Loch entdecken muss. Neben der Kleidung fühlen sich nämlich auch Motten im Kleiderschrank sehr wohl. Um die Klamotten davor zu schützen gibt es einfache Tricks: Mottenpapier, Lavendelsäckchen oder Zedernholz sind kaum zu sehen und garantieren lange Freude am Inhalt des Schranks.

  • Lüften nicht vergessen

    Eigentlich ist die Kleidung doch frisch gewaschen, aber wenn man sie aus dem Kleiderschrank holt, hat sie einen eigenartigen Geruch. Das kann daran liegen, dass die Luft im geschlossenen Schrank nicht zirkulieren kann. Hier hilft es täglich Schrank und Fenster für wenige Minuten zu öffnen. Damit wird die Gefahr vermieden, saubere Kleidung waschen zu wollen.

  • Übersichtlich stapeln

    Wen die Lust überkommt sich neue Klamotten zu kaufen, den trifft es oft, weil er überhaupt nicht mehr weiß, was sich im eigenen Kleiderschrank befindet. In den hintersten Ecken liegen wahre Schätze verborgen, die im Laufe der Zeit einfach vergessen wurden. Eine übersichtliche Gestaltung des Schrankes ist deswegen besonders wichtig. Auf diese Weise gerät niemand mehr in Versuchung, sich neue, unnötige Kleidung kaufen zu wollen.

  • Immer in Top-Form

    WDer Schuhspanner hat schon in vielen Haushalten Einzug gehalten. Was aber für Schuhe gilt, gilt auch für Kleidung: Auf die richtige Form kommt es an. Damit die nachhaltige Kleidung noch lange Zeit getragen werden kann, sollte man darauf achten, dass sie Form behält. Ein zu langer Kleiderbügel beispielsweise kann ein T-Shirt schnell ausleiern.Kleidung richtig aufbewahren

  • Saisons-gerechter Kleiderschrank

    Niemand braucht im Hochsommer eine Skijacke. Deswegen heißt es zumindest zweimal jährlich: Aufräumen im Kleiderschrank. Je nach Saison sollte man die kurzen Hosen oder dicken Pullover hervorholen. Wer sich seiner Kleidung auf diese Weise widmet, riskiert seltener den Überblick zu verlieren und greift immer schnell zum richtigen Kleidungsstück, anstatt sich ein neues zu kaufen.

Erste Hilfe für Mode: Kleine Reparaturen selbst vornehmen
Die Motten haben mal wieder ein kleines Loch in das Lieblingsoberteil gefressen oder die alte Hose sitzt nicht mehr, da sich der Sport mit einer schmaleren Taille bemerkbar macht? Viele würden jetzt neue Klamotten kaufen gehen, ohne überhaupt an die Möglichkeit zu denken, die Hosen anzupassen. Wer jedoch nur ein bisschen mit Nadel und Faden umgehen kann, kann die Lebensdauer seiner geliebten Jeans oder eines löchrigen T-Shirts verlängern.

Was gehört zum Reparatur-Kit?

  • Flicken in unterschiedlichen Varianten (zum Aufbügeln oder Aufnähen)
  • Stoffreste
  • Knöpfe
  • Näh- und Stopfnadeln
  • Stecknadeln
  • Schere
  • Näh- und Stopfgarn

In vielen Geschäften findet man gut ausgestattete Nähsets zu günstigen Preisen.

  • Problem: Löcher stopfen & flicken

    Socken:Löcher in den Socken sind ein Problem, das wohl jeder kennt. Da lugen der große Zeh oder die Ferse schon einmal hervor. Für die Großeltern war das lange kein Grund die Socken wegzuwerfen. Die Oma nahm die Stopfnadel in die Hand und schloss das Loch. Dazu füllte sie das Loch zunächst gleichmäßig mit parallel verlaufenden Fäden und webte in einem zweiten Schritt die Nadel wie bei einem Gitter unter und über diese Fäden hindurch. Mit ein wenig Übung sollte man den Dreh heraus haben.

    Shirts & Hosen: Löcher in Jeans und Shirts lassen nicht so einfach stopfen, da man schließlich an solch offensichtlichen Stellen keine Nähte haben möchte. Die Lösung? Flicken und Aufnäher mit bunten Motiven überdecken jedes Loch und lassen sich ganz einfach anbringen. Wem nähen dabei zu viel Arbeit ist, der kann sie auch mit dem Bügeleisen aufbügeln.

  • Problem: Nähte reparieren

    Wenn Löcher entstehen, dann zumeist an den Nähten, da hier die größten Schwachstellen bei der Kleidung zu finden sind. Gott sei Dank lassen sich solche Risse mit wenig Aufwand reparieren. Einfach das Kleidungsstück auf links drehen, den Stoff an der gerissenen Stelle zu Recht legen und entlang der alten Nahtstelle wieder vernähen. Schon hält das gute Stück wieder und übersteht mühelos noch einige Jahre.

  • Problem: Hosen enger oder weiter machen

    Enger machen: Ist die Hose zu weit geworden, kann sie mit wenigen Handgriffen enger genäht werden. Von der Rückseite ausgehend muss zunächst der Bund von Gesäßtasche bis Gesäßtasche vom Rest der Hose abgetrennt werden. Dieser wird nun durchgeschnitten und auf die richtige Länge gebracht (vorher gewünschte Bundweite abmessen), um dann wieder zusammengenäht werden zu können. Nun muss die Gesäßnaht aufgetrennt und enger genäht werden, damit die Gesäßform auch zum Bund passt. Ist das erledigt können Bund und Hose wieder miteinander verbunden werden. Schon ist man fertig.

    Weiter machen: Eine Hose weiter zu machen, ist schon schwieriger, da Stoff hinzugefügt werden muss, wo eigentlich keiner war. Mit etwas Glück sind es jedoch nur einen oder zwei Zentimeter, die zusätzlich benötigt werden. In diesem Fall bieten die Nähte genügend Überschuss, sodass man die Hose nur auftrennen und etwas weiter wieder zusammennähen muss. In den meisten Fällen lautet die Lösung aber Stoffkeile einzusetzen. Eine schwierige Arbeit, die mit etwas Übung jedoch zu bewerkstelligen ist. Dafür benötigt man einen Stoff, der farblich gut mit der Hose harmoniert. Nun werden die seitlichen Außennähte der Hose aufgetrennt und jeweils ein Stoffstreifen links und rechts gleichmäßig mit Stecknadeln festgesteckt. Nach einer schnellen Anprobe, kann anschließend alles festgenäht werden.Kleidung nähen

  • Problem: Hosen kürzen

    Ellenlange Modelbeine haben leider nur die Wenigsten, auch wenn die Bekleidungsindustrie scheinbar daran glaubt. Daher kommt es häufig vor, dass Hosen, die am Bund hervorragend sitzen, zu lange Beine haben. Kein Grund zu verzweifeln, denn das Hosenkürzen gehört zu den leichteren Aufgaben der Nähkunst. Um die perfekte Hosenlänge zu ermitteln, probiert man sie am besten zusammen mit Schuhen an und schlägt sie so um, dass sie etwa einen Zentimeter oberhalb des Absatzes endet. Daraufhin wird nicht der ganze Umschlag abgeschnitten, sondern genügend Zugabe gelassen, um einen schönen Saum zu erhalten. Nun wird diese Zugabe umgeschlagen und festgenäht. Schon sitzt die Hose perfekt.

Neu entdecken statt neu kaufen
Männer schimpfen über Frauen, die zu viele Kleider besitzen. Frauen beschweren sich darüber nichts zum Anziehen zu haben. Wie passt das zusammen?

Mode ist ein kurzweiliges Geschäft. Selten hält ein Trend über mehrere Saisons und zwingt viele Menschen so dazu, sich immer wieder neu einzukleiden. Diese Denkweise ist allerdings alles andere als nachhaltig. Ein nachhaltiger Umgang mit Kleidung setzt schließlich nicht zuletzt voraus, dass man mit den vorhandenen Ressourcen wirtschaftet. In diesem Fall bedeutet das, dass jeder seine Klamotten neu entdecken sollte, statt neu zu kaufen.

Das heißt aber nicht gleichzeitig auf Fashion verzichten zu müssen.

  • Basis-Teile
  • einige Highlights
  • Retro-Kleidung vom Dachboden der Eltern

Das sind einige der besten Zutaten, um modisch immer mithalten zu können. Durch geschickte Kombination können die besten Looks kreiert werden.

Aber vor allem bei Kinderkleidung sollten Eltern sich nicht von der Modebranche hinters Licht führen lassen. Solange die Kleinen sich noch im Wachstum befinden, ist es nicht zielführend sie immer der neusten Mode entsprechend einzukleiden. Besonders hier gilt: Einige zeitlose Basics in guter Qualität und aus nachhaltiger Produktion sind die beste Lösung für die Familie und die Natur.

 
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3. Ein zweites Leben für jede Klamotte
Selbst hochwertige Kleidung, die immer richtig gepflegt und aufbewahrt wurde, kann nur eine begrenzte Zeit lang wirklich getragen werden. Vor allem Kinder wachsen schnell aus ihren Klamotten heraus, aber auch Erwachsene kennen die Situation, in der ein unbezwingbarer Fleck einfach nicht mehr übersehen werden kann. Egal was der Grund dafür ist, dass die Kleidung nicht mehr getragen werden kann, eines ist sicher: Die ökologische Verantwortung hört hier nicht auf. Jedes Kleidungsstück kann ein „Leben danach“ führen.
So kann alte Kleidung sinnvoll genutzt werden
Um das Maximale aus der getragenen Kleidung herauszuholen, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie das Kleidungsstück auf andere Weise sinnvoll eingesetzt werden kann. Auch wenn Klamotten in erster Linie dazu gedacht sind getragen zu werden, sind sie immer noch „nur“ Textilien und damit ein ausgezeichneter Rohstoff für neue Verwendungszwecke.

Praktische Haushaltshelfer

Nicht jeder Stoff eignet sich dafür, aber in so manchem Kleidungsstück steckt ein praktischer Haushaltshelfer.

  • Altes T-Shirt als Wischtuch benutzen
  • Nylon-Strümpfe für einen streifenfreien Spiegel

Ein weiterer Tipp kommt wortwörtlich aus Omas Nähkästchen: Bevor man die Kleidung als Reinigungstuch benutzt, sollten vorhandene Knöpfe und Reiß- sowie Klettverschlüsse vorsichtig abgetrennt und aufhoben werden. Auch schöne T-Shirt-Motive können ausgeschnitten und als Flicken aufgehoben werden. Diese Einzelteile können bei den nächsten Näharbeiten eventuell von Vorteil sein und anderer Kleidung zu einem längeren Leben verhelfen.

Aus Alt mach Neu – Kreative Ideen für die Nachnutzung

Für kreative Menschen gibt es außerdem viele Do-It-Yourself-Ideen. Schon Kinder sehen häufig das Potenzial der alten Kleidung und basteln sich die klassischen Sockenpuppen. Daneben gibt es aber unzählige weitere Möglichkeiten die Klamotten umzuwandeln und sinnvoll einzusetzen.Kleidung sinnvoll nutzen

  • Stoffreste in nur wenigen Handgriffen zu Haarband, Gürtel und Co. verarbeiten
  • Helle Kleidung in den neuen Trend-Farben einfärben
  • Mit Patchwork alte Stoffe zu einer neuen Decke oder einem Vorhang verarbeiten
  • Zu kurze Hosen mithilfe einer Schere blitzschnell zur Hotpants umwandeln
  • Ärmel und Bund eines T-Shirts vernähen und so eine Tasche kreieren

Diese kreative Recycling-Art verbindet Spaß, Nutzen und Nachhaltigkeit und ist damit ein Paradebeispiel für einen nachhaltigen Umgang mit Kleidung.
Kleidung weitergeben – ein zweites Leben für Klamotten
Das Kind ist schon wieder aus seiner Kleidung herausgewachsen oder man hat seinen eigenen Schrank endlich einmal ausgemistet, dann stellt sich in der Regel die Frage: Wohin mit den überschüssigen Klamotten?

  • Bekanntenkreis

    Kisten voller Babyklamotten auf dem Dachboden? Diese werden die Besitzer am einfachsten los, indem sie im Bekanntenkreis herumfragt, ob ein Pärchen Nachwuchs erwartet. Gerade werdende Eltern sind oft knapp bei Kasse und freuen sich über jedes Geschenk für den Sprössling.

  • Flohmärkte

    Wer ungenutzte Kleidung nicht einfach verschenken möchte, der kann sie über Flohmärkte in der Umgebung verkaufen. Das bedeutet zwar einen Tag Arbeit, doch die gefüllte Kasse am Abend überzeugt die meisten Skeptiker. Aktuelle Termine lassen sich ganz einfach im Internet recherchieren.Kleidung weitergeben

  • Verkaufen im Netz

    Noch bequemer funktioniert der Verkauf über das Internet. Diverse Plattformen wie www.kleiderkreisel.de, www.stylehaben.de und nicht zuletzt die ebay-Kleinanzeigen ermöglichen eine schnelle und kostengünstige Abwicklung im Netz.

  • Tauschen im Netz

    Auch der Klamottentausch ist eine beliebte Form Kleidung zu einem neuen Leben zu verhelfen. Wer nicht gerade eine Freundin mit derselben Kleidergröße zur Hand hat, findet über www.klamottentausch.net oder www.dietauschboerse.de Gleichgesinnte, mit denen man alte Kleidung gegen neue tauschen kann.

  • Second-Hand-Laden

    Der Klassiker unter den Wiederverkaufsmöglichkeiten für Klamotten ist der Second-Hand-Laden. Für gut erhaltene und qualitativ hochwertige Kleidungsstücke kann man sogar einen guten Wiederverkaufspreis erwarten.

Mode für die Tonne – Wo und wie kann ich alte Kleidung entsorgen?
Wenn alle anderen Wege für das Zweite Leben der Kleidung ausgeschlossen sind, bleibt wohl oder übel nur noch der Gang zum Müll. Klamotten einfach wegzuwerfen wirkt auf den ersten Blick erst einmal nicht besonders nachhaltig. Wer es aber richtig macht, kann dabei trotz allem ökologisch wertvoll handeln.

Entsorgung im Müll – worauf muss man achten?

Was beim täglich anfallenden Haushaltsmüll gilt, gilt erst recht bei der Entsorgung alter Kleidung. Auch hier heißt es Augen auf, nachdenken und richtig wegwerfen. Grundsätzlich gehören alte Textilien in den Restmüll. Bevor jedoch alles in die Tonne wandert, sollte man sich die Kleidungsstücke einmal genau ansehen. Ökologisch optimal wäre es, die einzelnen Materialien zu trennen. Dabei können Köpfe, Reißverschlüsse und ähnliches abgenommen und aufbewahrt werden. Besonders bei Schuhen gilt hierbei: Große Mengen defekter Schuhe sollten direkt bei der Mülldeponie abgegeben werden, damit sie fachgemäß sortiert werden können.

Rückgabemöglichkeiten im Bekleidungsgeschäft

Die Alternative für diejenigen, die ihre Kleidung nicht einfach in den Müll werfen wollen, sind Bekleidungsgeschäfte. Hier können alte Klamotten, meist egal in welchem Zustand sie sich befinden und wo sie gekauft wurden, zurückgegeben werden. Dieses Rücknahmesystem ist die Reaktion von Geschäften wie H&M auf die nachhaltige Denkweise ihrer Kundschaft. Bei diesem Prinzip profitiert man häufig auch noch von der guten Tat: Wer seine alten Kleider abgibt erhält oft eine Vergünstigung beim nächsten Einkauf – auch für Schuhe gibt es, beispielsweise bei RENO dasselbe Prinzip.

Der letzte Weg, den auf diese Weise entsorgte Kleidungsstücke anschließend gehen, ist der in Recycling-Anlagen, wo einige Stoffe als neue Ressourcen aussortiert werden. Daraus stellen Firmen beispielsweise Dämmmaterial her. Damit schließt sich der Kreislauf der Textilien und wer nachhaltig mit ihnen umgegangen ist, kann sich an einem ökologisch sauberen Gewissen erfreuen.

 
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