Zum Tode von David Bowie

Mode & Lifestyle von Fabian am 12.01.2016

AN!drogyn

Ist das jetzt das große Rockstarsterben oder vielmehr das Sterben der großen – wirklich großen – Rockstars? Vor zwei Wochen starb Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister, nur vier Tage nachdem er seinem siebzigsten gefeiert hatte, und nun ist David Bowie gerade mal zwei Tage nach seinem 69igsten Geburtstag an Krebs gestorben. So bedeutend Lemmy auch für die Rock- Metal- und Punkszene gewesen war, mit Bowie starb der „einflussreichste Popmusiker der Jahrhunderts“, laut New Musical Express, einem der führenden Musikmagazine. Klar, die Musiklegenden vergangener Dekaden kommen irgendwann in die Jahre und bekanntlich leben auch Idole nicht ewig, aber der Tod von Bowie ist einschneidend, nicht nur für die Musik-, sondern auch für die Kunst-, Film-, und Kulturszene generell.

David Bowie
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David Bowie war eine Stilikone und prägte mit seiner Extravaganz neben der Musik auch etliche Modetrends. Dabei spielte er gerne mit Extremen, Tabus und vor allem Neuem. Aufgewachsen war David Robert Jones, zu Bowie wurde er, weil nicht mit dem Monkees-Sänger Davy Jones verwechselt werden wollte, im mondänen Londoner Vorort Bromley. Bereits als Kind kam er mit Musik in Berührung, besuchte Konzerte und sang selbst. Mit 20 Jahren erschien sein Debüt, doch erst mit der zweiten Platte Space Oddity 1969 stellte sich der erste Erfolg ein. Von da an ging es bergauf mit der Karriere. In den 70ern wurde David Bowie zum Superstar. Sein Alter Ego Ziggy Stardust machte ihn weltberühmt. Aussehen, Klamotten und seine androgyne Gestalt wurden Kult und zum Markenzeichen. Der Weltraum und Außerirdische faszinierten Bowie und ziehen sich wie ein roter Faden durch viele seiner Alben: Space Oddity, Hunky Dory (Life on Mars?), The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars und Young Americans (Across the Universe).

David Bowie

Oft sah Bowie selbst wie jemand vom anderen Stern aus. Er kombinierte Futuristisches mit Mode aus dem Transvestiebereich und der homosexuellen Avantgarde, oder Punk- mit Beatmotiven, und diese Vielfältigkeit spiegelt sich auch in seiner Musik wider. Folklore, Glamrock, Alternative, New Romantic, Dance und unzählige weitere Einflüsse zieren die fast 50jährige Schaffensphase Bowies. Er schlüpfte in weitere Rollen wie Thin White Duke und Major Tom und schrieb Hits für die Ewigkeit. Space Oddity, Man who sold the World, Let´s dance – die Liste ließe sich fortsetzen. Einen seiner bekanntesten Songs schrieb er während seiner Jahre in Berlin. Hereos erzählt die Geschichte zweier Liebender im Schatten der Berliner Mauer. Durch den Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof-Zoo, in dem Bowie einen Kurzauftritt hat, wurde das Lied zusätzlich bekannt.

Während seiner Berliner Jahre (1976-1978), in denen er in Berlin-Schöneberg mit Iggy Pop zusammenwohnte, entstanden drei seiner wichtigsten Alben. Low, Lodger und Heroes sind sehr von der Berliner Subkultur der 70er Jahre beeinflusst. David Bowie wird oft als das Pop-Chamäleon bezeichnet, was natürlich auf seine Vielseitigkeit und Wandelbarkeit anspielt. Er selbst empfand sich immer mehr als Künstler, denn als reinen Musiker, was auch durch seine zahlreichen Projekte und Ausflüge in andere Genres wie Film und Malerei belegen. Über sein kommerziell erfolgreichstes Album Let´s dance aus dem Jahre 1983 sagte er mal, dass es sein künstlerisch schwächstes sei. Zwei Tage vor seinem Tod veröffentlichte Bowie sein 25. Album. Blackstar wird damit zu seinem Vermächtnis. David Bowie ist ein Gesamtkunstwerk und hat seinen Platz im Popolymp sicher.