Die Tiere des Jahres 2016

News von Fabian am 07.01.2016

AN!imalisch

Alle Jahre wieder küren verschiedene Natur- und Umweltschutzverbände in Deutschland die Tiere des Jahres. Das geschieht vor allem, um auf einheimische Arten hinzuweisen, deren Lebensraum bedroht ist, oder im Einzelfall überhaupt ein Bewusstsein für ein seltenes oder außergewöhnliches Tier zu schaffen. Seit 1992 findet diese tierische Wahl statt und viele illustre Gesellen, bekannt aus Kinderbüchern, Tierfilmen und Waldspaziergängen haben den Preis bereits für sich gewinnen können. Fledermaus, Wolf, Braunbär und Seehund – sie alle waren schon dabei. 2016 gibt es nun ein Novum, denn erstmals wurde ein Tier wiedergewählt, wenn auch nicht im direkten Sinne, da die erste Wahl bereits 1996 stattfand. Nichtsdestotrotz ist es bemerkenswert, denn ausgerechnet eines der kleinsten und vermeintlich unauffälligsten – der Feldhamster – ist der erste Titelverteidiger in der Geschichte der Wahl zum Tier des Jahres. Gratulation!

Feldhamster Tier des Jahres

Dabei darf man nicht vergessen, dass die Wiederwahl des Hamsters natürlich nicht erfolgte, weil er so ein possierliches Tierchen ist und ein Sympathieträger, besonders unter Kindern. Nein, der kleine Wald- und Wiesenbewohner ist tatsächlich in seinem Lebensraum bedroht. Wurde das Nagetier früher sogar seines Felles wegen gejagt, gehört er mittlerweile zu den sogenannten gefährdeten Arten und ist in vielen Teilen Deutschlands akut vom Aussterben bedroht. In der DDR, wo vor allem im Raum Magdeburg eine sehr hohe Hamsterdichte zu verzeichnen war, fiel das kleine Pelztier systematischen Vergasungen zum Opfer, um aus seinen Fellen Mäntel zu machen. Auch im Osten Deutschlands wurde zwar Tierschutz betrieben, diese regelrechte Hamsterhetze jedoch wurde totgeschwiegen im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat, und die Auswirkungen der damaligen Fellbewirtschaftung sowie die generelle Eingrenzung seines natürlichen Lebensraums führen heute zum Populationsrückgang des kleinen Nagers. Die erneute Wahl zum Tier des Jahres soll also auf die äußerst prekäre Situation des Feldhamsters hinweisen.

DDR Tier des Jahres

Wenn vom dem Tier des Jahres die Rede ist, handelt es sich dabei in der Regel um das Wildtier des Jahres und dementsprechend heimst der Titelträger dann auch fast die gesamte Medienaufmerksamkeit ein. Doch streng genommen werden immer mehrere Tiere aus verschiedenen Kategorien zu den Tieren des Jahres gewählt. Vogel, Fisch und Lurch des Jahres sind Kategorien, die nachvollziehbar klingen, und die diesjährigen Gewinner Stieglitz, Hecht und Feuersalamander klingen auch in den Ohren zoologisch eher Unbewanderter zumindest vertraut. Bei den Gewinnern der Kategorien Schmetterling und Höhlenbewohner des Jahres wird es schon schwieriger. Stachelbeerspanner und Höhlenlangbein kennt man als Normalsterblicher nämlich nicht mehr. Nur so viel, ersterer ist ein wirklich schöner Schmetterling, zweiterer ein ziemlich hässlicher Weberknecht.

Salamander Tier des Jahres

Was aber verbirgt sich hinter dem interessanten Namen Dunkelbrauner Kugelspringer? Ein Steppenkängeru, eine Springmaus oder vielleicht ein kurioser Käfer? Fast, es handelt sich um einen Springschwanz und damit um das Insekt des Jahres 2016. Wiederum äußerst hässlich, zum Glück ist das Vieh nur vier Millimeter groß und dadurch gut zu übersehen. Der Dunkelbraune Kugelspringer hat seine Wahl wohl eher dem Umstand zu verdanken, dass er ein wirklich ökonomisches und irgendwie auch emanzipiertes Paarungsverhalten an den Tag legt. Wenn das Männchen nämlich in den Startlöchern steht, und kein begattungswilliges Weibchen in der Nähe ist, oder die Dame unpässlich ist, frisst es sein eigenes Sperma auf, um es zu einem späteren Zeitpunkt an die Frau zu bringen. Da kann der Mensch noch vom Tiere lernen.

Libelle des Jahres

Ökologische Anpassungsfähigkeit und ein progressives Rollenverständnis von Männchen und Weibchen zeichnet auch die Gemeine Binsenjungfer aus. Dabei handelt es sich weder um ein Synonym für Schwiegermutter noch um einen Spitznamen für die Exfreundin, sondern um die Libelle des Jahres. Die knapp vier Zentimeter große Kleinlibelle ist sehr anspruchslos und trotzdem schwindet ihr Lebensraum. Was wirklich schade ist, denn mit ihr verliert der Mensch ein eindrucksvolles Anschauungsmodell was moderne Elternschaft bedeutet. Im Gegensatz zu vielen anderen Tierarten, in denen die alte patriarchalische Rollenverteilung existiert, legen die Gemeine Binsenjungfer und ihr Gatte die Eier gemeinsam ab und kümmern sich beide um den Nachwuchs. Sharing is caring. Eine Formel die für Mensch und Tier gleichermaßen Gültigkeit besitzt.