Kulturhauptstadt Europas – Aarhus und Paphos

News von Fabian am 14.01.2017

Wie wird man eigentlich Kulturhauptstadt Europas, und warum, und vor allem, wer kam auf die zweifelhafte Idee, für 2017 die Megametropolen Aarhus und Paphos auszuwählen? Fragen über Fragen. Doch der Reihe nach. Beim Thema Kultur denkt man normalerweise an Rom, Paris, Berlin, Athen oder irgendeine große und bekannte, oder auch nur annährend interessant klingende Stadt, die in den Verdacht geraten könnte, den Titel Kulturhauptstadt Europas zu Recht zu tragen. Auf Aarhus und Paphos kommt man da nicht unbedingt sofort. Die Wenigsten werden diese Städte überhaupt kennen beziehungsweise wissen, wo sie liegen. Geschweige denn, schon einmal dort gewesen sein.

Kulturhauptstädte Europas

Wer durfte sich bereits Kulturhauptstadt Europas nennen?

Wenn man sich die lange Liste der vormals zur Kulturhauptstadt Europas gekrönten Städte anschaut, stößt man zunächst tatsächlich auf die großen Namen. Angefangen hat alles 1985. In diesem Jahr wurde erstmalig der Titel vergeben. Genauer gesagt, sprach man damals noch von der „Kulturstadt Europas“; seit 1998 wird die aktuelle Bezeichnung benutzt. Die erste Kulturhauptstadt Europas war 1985 natürlich Athen.

Wem sonst als der griechischen Hauptstadt mit ihrer Jahrtausende alten Geschichte gebührt dieser Titel?! Griechenland, die Wiege der abendländischen Kultur, militärisch-wirtschaftlich das Nonplusultra seiner Zeit, und Hort der ersten demokratischen Gesellschafts- und Politikmodelle. Athens Wahl hat niemand in Frage gestellt. Genauso wenig die von Florenz ein Jahr später. 1986 wurde die italienische Kulturmetropole, ehemaliger Sitz der berühmten Medici-Dynastie und Ursprung der Renaissancekultur, zur Kulturhauptstadt Europas ernannt.

Und auch in den nächsten Jahren wurden die gewählten Städte ihrem Titel meist gerecht. Amsterdam, West-Berlin, Paris, Madrid, ja selbst Stockholm sind Städte von Weltrang. Doch um das Millennium herum wurde die Wahl zur Kulturhauptstadt Europas etwas kleinteiliger. Die Städtenamen klangen jetzt weniger prunkvoll. Klar, irgendwann ist man mit den spannenden Städten auch durch.

Kulturhauptstadt Europas

Die Kulturhauptstadt Europas wird kleiner

Zum Jahrtausendwechsel wollte man zudem etwas Besonderes machen und wählte gleich neun Städte zur Kulturhauptstadt Europas 2000. Avignon und Prag, okay, das sind wirklich schöne und kulturell interessante Städte, aber was bitte haben Bergen, Helsinki und Reykjavik in dieser Auswahl zu suchen? Wie dem auch sei, seit einigen Jahren werden immer mindestens zwei Städte zur Kulturhauptstadt Europas gekürt, und es tauchen zwangsläufig immer kleinere und unbekanntere Städte im Ranking auf.

So sammeln sich in der Liste der Kulturhauptstädte der nachfolgenden Jahre so klangvolle Namen wie Brügge, Graz, Cork, Krakau, Sibiu und Pécz. Verantwortlich für die Wahl zur Kulturhauptstadt Europas ist die Europäische Union. Deren Ziel ist es, „den Reichtum und die Vielfalt sowie die Gemeinsamkeiten der europäischen Kulturen herauszustellen und einen Beitrag zu einem besseren Verständnis der Bürger Europas füreinander zu leisten“!

Die deutsche Kulturhauptstadt Europas

Klingt doch ganz nett. Und der Titel Kulturhauptstadt Europas ist wirklich sehr begehrt. Trägt er doch zum Prestige, Bekanntheitsgrad und natürlich auch zum wirtschaftlichem Aufschwung der jeweiligen Stadt bei, zumindest temporär. Deutschland war übrigens schon dreimal Standort der Kulturhauptstadt Europas, und uns wird im Jahre 2025 erneut diese Ehre zuteil.

Reichstag Berlin

Wie schon erwähnt, wurde 1988 die alte und neue deutsche Hauptstadt Berlin zur Kulturhauptstadt Europas ernannt. Zurecht! 1999 wurde dann Weimar gewählt. Ebenfalls zurecht – die Stadt Schillers und Goethes gehört trotz ihrer geringen Bevölkerungszahl von 64.000 Einwohnern zu den bedeutendsten Kulturmetropolen der Welt. Weimarer Klassik, Bauhaus, die Nationalversammlung von 1919 – hier wurde (Kultur-) Geschichte geschrieben.

Daneben schmiert Essen, Kulturhauptstadt Europas 2010, doch etwas ab. Klar, als ehemalige Ruhrpottmetropole und Sinnbild des Erfolges und Untergangs des Kohletagebaus in Deutschland hat Essen sicherlich auch etwas Interessantes zu bieten, aber im Vergleich zu Berlin und Weimar verliert Essen deutlich an Profil.

Man darf durchaus gespannt sein, welche Stadt 2025 das Rennen für Deutschland macht. Die Kandidaten zur deutschen Kulturhauptstadt Europas sind Dresden, Magdeburg, Stralsund, Nürnberg und Kassel. Kassel!? Außer der documenta hat Kassel nun auch nicht wirklich viel zu bieten. Dresden und Nürnberg klingen da schon vielversprechender. Man wird sehen.

Aarhus und Paphos

Kulturhauptstadt Europas 2017 – Aarhus und Paphos

Denn wie wir gesehen haben, sind die vermeintlich offensichtlichen Stärken und Schwächen von Städten weder ein Hinweis noch ein entscheidendes Kriterium für die Wahl zur Kulturhauptstadt Europas. Aarhus und Paphos sind dafür das beste Beispiel.

Aarhus und Paphos – das klingt so ein wenig nach Lolek und Bolek. Also höchste Zeit für einen kleinen Geographieexkurs: Aarhus liegt in Dänemark. Genauer gesagt im Osten der Region Midtjylland, hat etwas mehr als eine Viertelmillion Einwohner, eine Universität und als Hafenstadt das größte Containerterminal Dänemarks. Auf den ersten Blick wittert man hier jetzt keine großartigen kulturellen Highlights.

Dasselbe gilt für Paphos. Die Kleinstadt hat rund 30.000 Einwohner und befindet sich im griechischen Teil der Insel Zypern. Ebenfalls Hafenstadt, fallen einem auch zu Paphos ad hoc keine besonderen Merkmale ein, die ausgerechnet dieses Nest zur Kulturhauptstadt Europas machen. Doch der Eindruck täuscht. Wir haben uns die beiden Städte einmal genauer angeschaut.

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Aarhus – Kulturhauptstadt Europas

Die dänische Stadt Aarhus hat wirklich einiges zu bieten. Neben einer schönen Altstadt und dem Zugang zur Nordsee, kann die bereits im 8. Jahrhundert gegründete ehemalige Wikingersiedlung auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Aarhus ist eine der ältesten Städte Nordeuropas und wurde von alten Wikingern mit so schönen Namen wie Harald Blauzahn beherrscht.

Heute ist Aarhus eine wichtige Universitätsstadt und berühmt für die königliche Musikakademie, bedeutende Kunst- und Kulturfestivals und sein Sinfonieorchester. Der Dom von Aarhus und das 1900 geöffnete Aarhus Theater sind wie die „Dokk1“, die größte Bibliothek Skandinaviens, beliebte Sehenswürdigkeiten. Aarhus scheint tatsächlich aus guten Gründen zur Kulturhauptstadt Europas gewählt worden zu sein.

Paphos – Kulturhauptstadt Europas

Genauso verhält es sich mit Paphos. Auch die zyprische Kleinstadt ist sehr alt und kann mit interessanten historischen Geschehnissen punkten. Wir sprechen hier von einer bis in die späte Bronzezeit reichende Geschichte. Paphos ist wahrscheinlich um 800 v. Chr. entstanden. Unzählige Tempel und Statuen berühmter antiker Personen säumen die Stadt, Kathedralen und Paläste aus allen Epochen sind zu sehen.

Besonders berühmt sind die Königsgräber von Paphos aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Im Archäologischem Park stehen Villen aus römischer Zeit. Auf einem Ruinengelände kann man eine Säule bestaunen, an der angeblich der Apostel Paulus gefesselt und gegeißelt worden sein soll. Tatsächlich wird Paphos schon in der Bibel erwähnt. Auch byzantinische und osmanische Einflüsse haben in der Stadt ihre Spuren hinterlassen. Die Ruinen von Paphos wurden 1980 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Tja, wie es aussieht, wurden Aarhus und Paphos zu Recht zur Kulturhauptstadt Europas ernannt. Ja, sie sind klein und relativ unbekannt, aber genau deswegen ist es richtig und wichtig, diese Städte in den Fokus der Öffentlichkeit zu lenken.