Mit diesen Vorschlägen zum perfekten Bandnamen – oder auch nicht

Unterhaltung von Isabel am 16.10.2016

Mit Bandnamen verhält es sich wie mit Babynamen: Eine falsche Entscheidung und das Leben bzw. die Karriere ist vorbestimmt – fragt mal Elektra-Chayenne oder die Kevins und Ronnys dieser Welt. Glücklicherweise sind in Deutschland nicht alle Vornamen erlaubt. So wurden zum Beispiel die Namen „Frieden Mit Gott Allein Durch Jesus Christus“, „Borussia“, „Megwanipiu“ und „Pfefferminze“ von einem deutschen Gericht geprüft und abgelehnt. Bei Bandnamen hingegen, kontrolliert keiner. Scheinbar alles ist erlaubt und so passiert es, dass bei „Have you ever seen the Jane Fonda Aerobic VHS“ nicht etwa ein Retro-Aerobic-Freak gezielt nach einem Relikt seiner Vergangenheit fragt, sondern drei Mädels aus Finnland ihre Elektro-Pop-Band vorstellen.

Hello, my name is...

Andere halten es mit ihrem Bandnamen klassischer, setzen auf Gegenstände oder Tiere. Manche setzen Trends, andere gehen sie mit und wem gar nichts einfällt, macht es wie Annenmaykantereit und reiht einfach die drei Nachnamen der Bandmitglieder aneinander. Gähn.

Komische Symbole im Bandnamen? Voll im Trend!

Aktuell liegt aber etwas eher optisch Ästhetisches (oder auch nicht) im Trend und das sieht so aus: Låpsley, MØ, Erlend Øye, Trentemøller. Kleine Zeichen, Häkchen oder Striche an Buchstaben, die vor allem in einigen skandinavischen Ländern zum gängigen Buchstaben-Repertoire gehören. Der Norweger Erlend Øye z.B. kann nichts für seinen Strich im O, ebenso wenig Anders Trentemøller. Der DJ ist Däne. Und auch wenn der Name der dänischen Sängerin Karen Marie Aagaard Ørsted Anderse tatsächlich ein Ø trägt, ist ihr Künstlername MØ – kurz und knackig und zudem noch ziemlich schick. Die britische Sängerin Holly Låpsley Fletcher hat ihren Kringel über dem A (ein schwedisches „a“) allerdings frei erfunden – sieht ja auch cooler aus. Kann nur leider keiner so Online schreiben, braucht man nämlich nen Short-Code für: „Alt“ gedrückt halten und im Nummernfeld 0229 tippen.

(Foto: Lapsley Facebook)
(Foto: Lapsley Facebook)

Heavy-Metal-Umlaut – Ja, den gibt es wirklich!

Der Einsatz dieser diaktritischen Zeichen sollte aber nicht verwechselt werden mit dem wesentlich älteren sogenannten Heavy-Metal-Umlaut. Berühmteste Vertreter sind hier wohl Bands wie Motörhead, Mötley Crüe oder Blue Öyster Cult, die den Trend im Jahr 1970 lostraten. Seitdem gelten die Punkte über den Buchstaben als gefährlich und daher genau richtig für Heavy Metal. Findet das noch jemand außer uns blÖd und dÄmlich? Ja, die Bands selbst nach einiger Zeit. Dann lassen sie nämlich die Punkte weg. Wie rebellisch.

Bandnamen, die irgendwie falsch aussehen

SBTRKT, KMPFSPRT, XXYYXX könnten entweder Bandnamen sein oder mein Kopf ist gerade auf die Tastatur geknallt. Auch, wenn beides durchaus möglich ist, handelt es sich um Vorschläge für Bandnamen kreativer Ausnahmetalente. Sie lassen Vokale weg (SBTRKT, KMPFSPRT), bauen Großbuchstaben oder noch schlimmer…Dollarzeichen – die Heavy-Metal-Umlaute der Hip Hopper wie A$ap – an den unmöglichsten Stellen ein.

(Foto: SBTRK Instagram)
(Foto: SBTRK Instagram)

Besonders kreativ scheinen aber die Synthesizer klimpernden Elektro-Nerds zu sein, die jedem Hipster feuchte Träume bescheren, ihn mit ihrem Namen aber vor geistige Höchstleistungen stellen. Wie viele X hatte der Name gleich? Wo kommt jetzt das Y hin? Und wie spreche ich das eigentlich aus? Hier die Bandnamen, die es tatsächlich schon gibt: XXYYXX, XXXY, XYZ, xxx oder The XX.

Vorschläge für Bandnamen? So geht’s klassisch!

Bandnamen Vorschläge - Logo_The WhoUnd während andere angestrengt am möglichst einzigartigen Bandnamen feilen, lehnen sich die Großmeister der Namensgebung zurück und genießen die skurrilen Ergüsse ihrer jungen Nachfolger. The Beatles, The Rolling Stones, The Doors, The Clash, The Who …Die Liste der Bands mit „The“ im Namen lässt sich gefühlt unendlich erweitern. Jeder, der etwas auf sich hält, sucht sich einen Bandnamen mit bestimmtem englischen Artikel. Ergänzt werden kann nahezu jedes X-beliebige Substantiv oder kleinere Wortgruppen. In Deutschland gibt es übrigens auch viele Bands die nach diesem Vorschlag benannt wurden, nur klingt das irgendwie immer doof: Die Nerven, Die Türen, Die Ärzte.

Bandnamen Vorschläge? Dauerbrenner-Substantiv + irgendwas

Darüber hinaus, sind in den vergangenen Jahrzehnten einige Substantive zu absoluten Namens-Dauerbrennern geworden, so z.B. Club oder Youth. Quasi die Annas, Marias, Jans und Alexanders der Bandnamen. Wer möchte nicht gern einem coolen „Club“ angehören oder Teil der verkorksten „Jugend“ sein. Die kann wahlweise ungeduldig, verrückt oder verbraucht sein oder gar gehasst werden. So zumindest die Vorschläge bereits bestehender Bands, die dann auch musikalisch halten, was der Name verspricht: Wasted Youth, Crucial Youth, Impatient Youth, Pissed Youth, Youth Youth Youth (setzen gleich alles auf eine Karte), Youth Brigade, Reagan Youth, Sonic Youth, Youth Gone Mad, Hated Youth, Carnival Youth.

 

Clubs gehören übrigens vor allem Indie- und Rock-Bands an, die ihren Bandnamen mehr oder weniger ernst nehmen… Tokyo Police Club, Two Door Cinema Club, Polar Bear Club, Black Rebel Motorcycle Club, New Young Pony Club.

Gib mir Tier(Band)namen…

Wer mithilfe der oberen Kategorien immer noch keinen passenden Bandnamen finden sollte, kann einfach das Dauerbrenner-Substantiv seiner Wahl mit einem Tier kombinieren. Pandas, Katzen, Hunde aber vor allem Ponys sind nicht nur auf YouTube und Instagram der Hit, sondern auch in Bandnamen – und das Genre übergreifend von Hip Hop (Snoop Dogg) über Indie (Band of Horses, Arctic Monkeys, Mountain Goats), Rock (The Scorpions) und Elektro (Modest Mouse, Gold Panda, Panda Bear). Übersetzt man die auf Deutsch klingt das mindestens genauso mies, wie wenn man die Namen bekannter Promikinder übersetzt: Nord, Pfirsich, Blau klingen ähnlich grottig wie Pferdeband, Bergziegen oder die Skorpione. Glücklicherweise klingt die Pferdeband besser als ihr Name – und sieht zudem noch besser aus.

Bandnamen Vorschläge, die einen langen Atem verlangen

Am beliebtesten bei Fans, Journalisten und jedem, der den Bandnamen jemals aussprechen geschweige denn schreiben muss, sind wohl besonders lange Bandnamen. Um warm zu werden, hätten wir da die Brandenburger Metalcore-Band „We butter the Bread with Butter“, gefolgt von den US-amerikanischen Alternativ-Rockern von „…And you will know us by the Trail of Death“ und der Horror-Punkband „Wednesday 13’s Frankenstein Drag Queens from Planet 13“ und der absoluten Krönung der unsinnigen langen Bandnamen: „PARACOCCIDIOIDOMICOSISPROCTITISSARCOMUCOSIS“ – eine ziemlich miese mexikanische Grindcore-Band, deren Name sich aus verschiedenen Krankheiten zusammensetzt! Aber überzeugt euch selbst. Bis der Song vorbei ist, habt ihr vielleicht auch den Namen einmal richtig ausgesprochen!

 

Solltet ihr doch mal ein Ticket für ein Konzert dieser Band kaufen wollen, bestellt es lieber online – das Tippen des Namens dauert zwar noch länger als das Aussprechen, ist dafür aber nur halb so peinlich.

I can google it for you – oder auch nicht…

Und als kleine Hausaufgabe versucht ihr bitte – natürlich nachdem ihr PARACOCCIDIOIDOMICOSISPROCTITISSARCOMUCOSIS bei Google eingetippt habt – Bands wie „Fotos“ oder „!!!“ zu googeln. Für die ist das Internet wohl ähnliches Neuland wie für Angela Merkel. Ach, und wenn ihr schon einmal dabei seid, probiert es doch auch gleich noch mit der Band „Woman“. Die besonders ausgefuchsten unter den Bands geben sich langweilige Namen und schreiben sie dann auch noch falsch: siehe Chvrches. Der geneigte Fan dankt’s, denn dann kann man sie immerhin googeln.