Das sind die 8 gruseligsten verlassenen Orte in Deutschland

Unterhaltung von Isabel am 18.03.2017

Schaurig schön und ganz schön schaurig geht es an diesen acht unheimlichen Orten Deutschlands zu, die wir für euch rausgesucht haben. Wer jetzt schon wieder müde gähnen will, weil er die Nase gestrichen voll hat von herumgeisternden, in weiße Laken gehüllten, verstoßenen Ehefrauen, Hexen oder mysteriös ums Leben gekommenen Seemännern, ist hier genau richtig.

gruselige-verlassene-orte--findet-man-in-deutschland-viele-vor-allem-die-heilstaetten-in-beelitz-gelten-als-gruselig

Wir zeigen euch Orte, die keine an den Haaren herbei gezogenen Gruselgeschichten brauchen, sondern solche, die auch ohne fremdes Zutun Furcht erregend wirken. Verlassene Krankenhäuser, alte Fabrikgelände, Massengräber und sogar versunkene Städte machen Deutschland zu einem wahren Paradies für urbane Entdecker, die gern an realen Horrorfilm-Kulissen ihren Mut beweisen.

Verlassenes Krankenhaus: Beelitzer Heilstätten

Hört man sich so um, sind die Beelitzer Heilstätten einer der beliebtesten Plätze für spannende Fotografien gruseliger verlassener Orte in Deutschland. Den nötigen Gruselfaktor holt man sich dort nicht nur in der Geschichte, sondern auch über die Kulisse ringsherum.

Von 1898 bis 1930 zählten die Heilstätten zu den modernsten Tuberkulosekliniken der Welt. Bis zu 1200 Betten gab es dort neben einer eigenen Küche, einem Heizhaus, einem Wasch- sowie Badehaus. Im Ersten Weltkrieg wurde aus der hochkarätigen Klinik ein Lazarett, in dem auch Adolf Hitler als Gefreiter behandelt wurde. Später erklärte die Sowjetarmee das Krankenhaus zum militärischen Sperrgebiet. Ein Teil wurde schon durch den zweiten Weltkrieg zerstört. Mit der endgültigen Schließung im Jahr 1994 kamen zunächst die Metalldiebe, dann die „Abandoned Places“ (dt. verlassene Orte)-Touristen, aber auch der reale Horror begann.

Einst-wurden-in-den-beelitzer-heilstaetten-tuberkulosekranke-behandelt-heute-gilt-der-komplex-als-gruseligster-ort-deutschlands

Der Komplex zerfällt, wird immer weiter von der Natur zurückerobert, Graffitis zieren die Wände und satanische Messen, Geister-Séancen und reale Morde geschehen. Als die Klinik noch offen war, tötete 1991 ein Serienmörder, der als die „Bestie von Beelitz“ bekannt wurde, die Frau eines russischen Chefarztes und deren Baby im Wald rund um das Krankenhaus. 2008 erwürgte ein Hobby-Fotograf sein Fotomodell im ehemaligen Pförtnerhaus des Komplexes. Zwei weitere Unfälle zeigen die Gefahren verlassener Orte: Im Mai 2010 fiel ein 25-Jähriger aus einem Fenster im vierten Stock und starb, wenige Tage später konnte ein 32-Jähriger schwer verletzt aus einem Schacht geborgen werden.

Trotz aller Gefahren und Schaurigkeiten – oder gerade deshalb – reißt das Interesse an dem beklemmenden und düsteren Ort nicht ab. Das haben auch die ersten Filme-Macher erkannt und nutzen die Ruine als Horrorfilm-Kulisse. Der Komplex der ehemaligen Tuberkuloseklinik in Brandenburg wird aber seit wenigen Jahren nach und nach saniert und von einem Sicherheitsdienst bewacht. Wer sich heute noch gruseln will, muss sich beeilen und bei einer geführten Tour über das Gelände mitmachen.

Kannibalismus?! Massengrab in Herxheim

Wer hätte gedacht, dass der kleine Ort bei Landau in der Pfalz eine so unheimliche Geschichte hat. Vorsicht, denn sie enthält hunderte Schädel, Knochen und Kannibalismus!

Als 1995 der Bau des neuen Industriegebiets West am Ortseingang der pfälzischen Stadt beginnen sollte, holte man von Anfang an Archäologen hinzu. Schon zuvor wurden in der Region immer wieder wichtige historische Funden gemacht, doch was die Archäologen dieses Mal finden sollten, gibt bis heute Rätsel auf. Zunächst stieß man auf Siedlungsreste einer jungsteinzeitlichen Siedlung der Linearbandkeramiker aus dem 6. Jahrtausend v. Chr., entdeckte wenig später aber auch ein Massengrab mit bis zu 450 menschlichen Skeletten!

In-herxheim-fand-man-450-Schaedel-von-menschen-die-vermutlich-durch-kannibalismus-starben

Und als wäre dieser Fund für einen kleinen Ort nicht schon grausig genug, musste man feststellen, dass die gefundenen Schädel neben Schnitten auch Bissspuren aufwiesen, die darauf hinweisen, dass dort vor tausenden Jahren Kannibalen am Werk waren. Archäologen und Forscher sind sich aber über die Hintergründe bis heute uneinig. Vieles deutet auf rituelle Tötungen hin, bei denen das Fleisch gezielt vom Körper gelöst und verspeist wurde. Andere Forscher gehen davon aus, dass das Fleisch von den Knochen gelöst wurde, um an ebendiese zu kommen und nur diese zu bestatten. So oder so: Die Umgebung hat auch heute noch den nötigen Gruselfaktor, auch wenn Teile des Gewerbegebiets mittlerweile tatsächlich als solches genutzt werden.

Kinderkrankenhaus Berlin-Weißensee

Krankenhäuser sind an sich schon ziemlich unheimlich. Das liegt in der Natur der Sache. Verlassene Krankenhäuser bringen dann aber noch zusätzlich jede Menge Schauergefühl mit sich – so auch die Ruine des Säuglings- und Kinderkrankenhauses im Berliner Stadtteil Weißensee.

Das Gelände ist verwildert, ein großer Bauzaun schützt es davor, betreten zu werden. Der ist löchrig und bietet Entdeckern immer wieder die Möglichkeit das Gelände trotz Verbots zu betreten. Die alte Villa sieht dann allein schon aus wie in einem Horrorfilm. Dort, wo einst Kinder und Säuglinge behandelt wurden, bröckelt jetzt der Putz, sind die Fenster zerschlagen und die Wände mit Graffitis besprüht. Nur noch wenige Relikte aus der aktiven Krankenhaus-Zeit sind zu finden, dafür erschrickt man sich automatisch, wenn zufällig ein anderer „Urban Explorer“ neben einem auftaucht.

auch-das-kinderkrankenhaus-in-berlin-weissensee-gilt-als-gruseliger-verlassener-ort-in-deutschland
(Foto: Tobias Balzer_ CC-BY-SA-3.0)

1911 wurde das Krankenhaus eingeweiht. Wenig später baute man eine Milchkuranstalt und eine Molkerei an. Erst 1987 wurde der Gebäudekomplex um ein Bettenhaus erweitert. Das bestand allerdings nur zehn Jahre, denn seit 1997 verwildert das Gelände. Ein Investor hatte noch vor einigen Jahren große Pläne, wollte ein Gesundheitszentrum an Ort und Stelle errichten. Geschehen ist nichts. Die Gebäude werden immer maroder, was vor allem für Hobby-Fotografen gefährlich wird. Erst im Mai 2016 stürzte ein US-Amerikaner auf Entdeckungstour durch den Boden des dritten Stocks des Krankenhauses und verletzte sich schwer.

Gruselfaktor Krankenhaus am See: Heilstätte Grabowsee

Schon wieder dient ein Krankenhaus zur Behandlung von Tuberkulose-Patienten als gruseliger und verlassener Ort mitten in Deutschland, genauer am Ufer des Berliner Grabowsees. 1896 eröffnet, wurde die Heilanstalt in den 20er Jahren auf 450 Betten erweitert und erlebte im zweiten Weltkrieg sein jähes Ende der zivilen Nutzung. Erst kam die Wehrmacht, dann die Rote Armee.

Auch-das-alte krankenhaus-a,-ufer-des-grabowsee-gehoert-zu-den-gruseligsten-orten-deutschlands

Seit den 90er-Jahren verwildert das riesige Geländen mit diversen Backsteinbauten. Seitdem kommen viele Touristen, stromern durch die unheimlichen verlassenen Gänge der ehemaligen Gebäude. Das Highlight: das alte Verwaltungsgebäude mit Asklepios-Portal und großem Saal, sowie die ausgebrannte Kapelle direkt am Ufer. Wer das Gelände legal besichtigen will, fragt Bernhard Hanke. Er verwaltet es nicht nur, sondern will auch langfristig sanieren. Er war es auch, der George Clooney an den Grabowsee holte. Acht Minuten Lungenheilanstalt sind dank seiner Initiative im Film „Monuments Men“ zu sehen.

Natürlich schaurig: Gespensterwald Nienhagen

In Mecklenburg-Vorpommern liegt das idyllische Ostseebad Nienhagen, das mit dem „Nienhäger Holz“ einen auf den ersten Blick weniger unheimlich als mehr schönen Wald direkt an der Osteeküste bietet. Was das Ganze zu einem gruseligen verlassenen Ort macht?

vor-allem-bei-nebel-und-daemmerung-ist-der-wald-an-der-ostsee-unheimlich

Die bis zu 170 Jahre alten hageren Buchen wurden durch die salzigen Osteewinde geformt und bieten vor allem bei Sonnenuntergang und Nebel passende Grusel-Kulisse. Das könnte dem Wald auch seinen im Volksmund bekannten Namen „Gespensterwald“ gegeben haben. Wo der allerdings genau herkommt, weiß keiner. Fest steht nur: Der Wald lädt nicht nur zum Spazieren und Fotografieren ein, sondern auch zum Gruseln.

Gänsehaut in Geisterstadt: Munitionsfabrik Hirschhagen

Fast 400 Gebäude, 233 Hektar, knapp acht Jahre Bauzeit und Nutzung, umringt von dichtem Wald und abgelegen zwischen Hügeln – 1936 wurde eines der größten Sprengstoffwerke des Dritten Reichs gebaut. Es sorgt auch über 80 Jahre später, viele Jahre nach seiner Schließung, als einer der unheimlichsten Orte Deutschlands für Beklemmungen und gespenstische Stimmung.

Das Gelände kann man anhand eines fünf Kilometer langen Themenweges erkunden. Dabei erfährt man nicht nur etwas über die Produktion von Sprengstoff, sondern auch über die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen unter Lebensgefahr sowie die Tagesabläufe von Arbeitern, Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen.

Auch wenn heute auf dem riesigen Areal wieder kleinere Betriebe angesiedelt sind und sogar Wohnhäuser gebaut wurden, ist ein Besuch des ehemaligen Fabrik-Geländes irgendwie unangenehm. Verbotsschilder, seltsam rot gefärbtes Wasser und düstere Gebäude lassen Gänsehaut aufkommen.

Atlantis?! Versunkene Stadt in Hessen

Atlantis liegt in Hessen – fast. Denn die Orte, die hier alle paar Jahre aus dem Wasser ragen heißen nicht Atlantis, wie in Platons Erzählungen, sondern Asel, Berich und Bringhausen. Sie mussten der Edertalsperre vor vielen Jahren weichen und kommen nur selten wieder an die Oberfläche.

Mensch und Tier wurden aus den Dörfern umgesiedelt, doch die Grundmauern kann man noch erkennen – und dafür muss man nicht einmal auf Tauchstation gehen. Bei ausreichend Sommerhitze oder wenn der Edersee aus technischen Gründen weniger Wasser trägt, kann man Teile der Ortschaften auf alten Pfaden begehen. So zählen vor allem eine Brücke, alte Kellerräume und ein alter Friedhof zu den Highlights. Sie jagen nicht nur nostalgische Gefühle durch den Körper, sondern auch schaurige. Der ehemalige Burgberg von Berich ragt auch bei Wasser-Höchststand aus dem See hervor.

Seziertische und Kühlkammern: Institut für Anatomie der FU Berlin

Der Berliner Stadtteil Dahlem ist fest in Händen der Freien Universität Berlin. Das war er auch schon im Jahr 1929, als in der Königin-Luise-Straße das Institut für Anatomie gebaut und während der Nachkriegszeit eröffnet wurde. Knapp 90 Jahre danach ist das verlassene Institut nur noch für eines gut: zum Gruseln! Als Freie Universität und die Charité Berlin im Bereich Medizin fusionierten, wurde das Institut im Süden Berlins hinfällig. Seit 2005 steht es leer und verfällt, samt morbidem Charme. Denn sowohl die Kühlkammern, als auch Seziertische im Keller sind noch gut erhalten und lassen erkennen, was hier noch vor einigen Jahren vor sich ging.

Das-institut-fuer-anatomie-der-fu-berlin-beherbergt-noch-alte-seziertische-und-kuehlkammern
(Foto: Instagram/Phil2804)