Street-Art in Berlin

Unterhaltung von Aileen am 19.10.2016

Berlin ist die Hauptstadt der Kreativen. Hier schießen nicht nur Start-Ups wie Pilze aus dem Boden – neben verrückten Fashion-Trends freuen sich Ur-Berliner, Zugezogene und Touristen auch über kostenlose Kunst in den Straßen der Metropole. Wir stellen dir fünf einzigartige Street-Art-Projekte vor.  

Graffiti in Berlin

Die Seele baumeln lassen

Seit August hingen in Berlin 32 hölzerne Schaukeln – an Brücken und in Parks. “Das Besondere dabei: Die Schaukelbauer haben sich bei der Ausführung in pedantischer Feinarbeit an die strengen Vorschriften der Berliner Spielplatzgesetzgebung, des Baumschutzes und des Straßen- und Wegerechts herangearbeitet. Scharfe Kanten sind abgerundet, Seile mit Spezialknoten gesichert, Materialstärken und sonstige Vorgaben genau eingehalten. Die Fasereigenschaften und die Tragkraft der Bäume wurden berücksichtigt und Vorgaben nur dann übergangen, wenn man den gesunden Menschenverstand auf seiner Seite hatte.”, heißt es in der Pressemitteilung der Organisation Einfach so. Ihr Ziel ist es, den urbanen Raum Berlins zu nutzen, anders, neu, zum Spaß, einfach so.

Shoefiti

Alte Sneaker an Ampeln und Stromkabeln gehören mittlerweile zum Stadtbild. An den Schnürsenkeln werden sie wenige Meter über den Köpfen der Fußgänger aufgehängt. Aber niemand scheint so richtig zu wissen, warum die alten Treter auf diese Art und Weise entsorgt werden und woher der Trend kommt.

Geklärt ist das Phänomen auf jeden Fall nicht. Es gibt massenhaft Theorien zum shoe tossing, unter anderem die von:

  1. Braut und Bräutigam, die noch vor der Hochzeit in einen so heftigen Streit geraten sind, dass der Mann die Brautschuhe seiner Zukünftigen in eine Baumkrone warf, wo sie prompt hängen blieben. Unfähig, die Schuhe wieder herunter zu holen, nutzten sie die Zeit zum Reden und vertrugen sich.
  2. Amerikanischen Gangs, die ihr Revier oder Drogengebiete mit abgetragenden Sneakern markieren.
  3. Schottischen Männern, die seit jeher Schuhe in ihre Fenster oder an die Bäume und Zäune vorm Haus hängen, sobald sie ihre Jungfräulichkeit verloren haben.
  4. Soldaten, die mit dem Wegwerfen ihrer Stiefel die Entlassung aus dem Militärdienst gefeiert haben.
  5. Der magischen Kraft der Schuhe, die böse Geister fernhalten sollen.

Wer in Deutschlands Hauptstadt Teil der Street-Art-Bewegung sein möchte, sollte sich jedoch nicht erwischen lassen: Bis zu 35€ Bußgeld für unerlaubte Müllentsorgung sind möglich.

Übrigens: Der Begriff Shoefiti ist eine Anlehnung an die urbane Kunst Graffitti.

Shoe tossing

 

Street-Yogis

Mindestens 350 Figuren aus Kork bevölkern die Straßenschilder von Berlin und bringen die Menschen in lustigen oder sportlichen Posen zum Schmunzeln. Die Ältesten von ihnen finden sich in Neukölln. 2009 hatte sie ihr Schöpfer Josef Foos, selbst Yoga-Lehrer, dort platziert. Er will, dass sie den Betrachtern Glück bringen und Freude machen.

Korkmännchen-auf-Straßenschild

Fahrrad am Molecule Man

Im August platzierte jemand ein silber angesprühtes Fahrrad besonders sicher vor Dieben: in 20m Höhe am Molecule Man. Die Aluminium-Skulptur befindet sich mitten in der Spree zwischen den drei Bezirken Friedrichshain, Kreuzberg und Treptow. Dass seine drei Figuren einmal als Fahrrad-Parkplatz herhalten müssen, hatte sich der amerikanische Künstler Jonathan Borofsky wohl nicht zu träumen gewagt. Lange zu bestaunen war die ominöse Aktion jedoch nicht. Nach kurzer Zeit entfernte ein Berufskletterer mit Hilfe der Wasserschutzpolizei die “Installation”.

Urban Knitting

Seit 2010 sind in Berlin erste Knittings gesichtet worden. Das sind Strickmuster, die das Stadtbild verschönern sollen, in dem sie an Pollern, Brücken, Bäumen oder Straßenlaternen angebracht werden. Guerilla Knitting kommt übrigens aus den USA zu uns rüber geschwappt und stellt als Knit Graffiti eine “abgeschwächte Form” der urbanen Spray-Kunst dar. Durch das Stricken werden nämlich keinerlei Objekte beschädigt – und mit einer Schere ist die Street-Art auch ganz schnell wieder verschwunden.

Yarn bombing_Baum