6 Handbrühmethoden im Vergleich

Familie & Freizeit von Annika am 19.08.2016

Das heißgeliebte Genussmittel hilft uns wach zu werden, die kleinen Tiefs des Alltags zu überstehen, und zur Ruhe zu kommen. Kein Wunder, dass es unzählige Sorten, Röstmethoden und Zubereitungsformen gibt.

6 Handbrühmethoden Vergleich

Nach immer mehr Highend-Kaffee-Vollautomaten, die das Zubereiten einfacher und schneller werden ließen, geht der Trend wieder mehr zu handgebrühten Kaffees. Allein die Zeit, die wir uns für die Zubereitung nehmen, macht den Kaffee wieder mehr zum Genuss- anstatt zum Suchtmittel. Bewusstes Konsumieren ist auch beim Kaffee wieder angesagt. Außerdem haben die divergenten Aromen der Bohnen bei diesen Brühmethoden mehr Zeit, um sich zu entfalten.

Wir stellen euch nun sechs verschiedene Handbrühmethoden genauer vor. Dabei handelt es sich zum einen um die sogenannten „Dripper“, die die „Pour Over“ Methode verwenden. Dabei wird das Wasser direkt auf das Kaffeepulver gegossen und läuft dann, nach und nach, von alleine durch den Filter.

Die andere Variante ist die „Full-Immersion“ Methode die sich dadurch auszeichnet, dass das Kaffeepulver mit dem Wasser komplett vermischt wird, und so alle Aromen eine Zeit lang in das Wasser ziehen können, bevor das Wasser und das Pulver durch einen Filter wieder getrennt werden.

  1. French Press

    Methode: Full ImmersionKaffee-kochen-French-Press
    Diese Brühmethode ist schon lange bewährt, mit ihrem überzeugenden Aroma steht sie einem Vollautomaten in nichts nach. Auch in der Anwendung überzeugt die French Press Kanne durch ihren Minimalismus. Sie besteht klassischerweise aus einem Stempel und einer Kanne, die meistens aus Glas ist.
    Für die Zubereitung benötigt ihr 90 bis 95°C heißes Wasser, welches am besten mit einem Wasserkocher aufgekocht wird. Wenn ihr dann eine halbe Minute wartet, ist es auf die richtige Temperatur abgekühlt. Das Kaffeepulver sollte bei dieser Brühmethode nicht zu fein sein. Handelsüblicher gemahlener Kaffee ist daher nicht ganz so sinnvoll. Besser ist es, den Kaffee in einer gröberen, aber dennoch gleichmäßigen Variante mahlen zu lassen, oder mit einer Handmühle selbst zu malen. 50 bis 60 Gramm Kaffeepulver pro einen Liter Wasser reichen für einen guten Kaffee aus. Da das aber auch einfach Geschmackssache ist, sollte man es am besten selbst ausprobieren.
    Bevor ihr Pulver und Wasser einfüllt, sollte die Kanne am besten leicht vorgewärmt sein. Dann gebt ihr das Pulver in die Kanne und gießt es mit der Hälfte des Wassers auf. Nun müsst ihr den Kaffee mit einem Löffel umrühren und das restliche Wasser langsam aufgießen. Dann setzt ihr den Deckel darauf und wartet vier bis fünf Minuten (je nach gewünschter Stärke). Anschließend drückt ihr langsam und gleichmäßig den Stempel nach unten. Danach recht zügig den Kaffee in Tassen oder eine Kanne gießen, damit er nicht bitter wird oder nachzieht.
    Die ätherischen Öle des Kaffees werden bei diesem Verfahren nicht herausgefiltert, so dass man einen vollmundigen Geschmack bekommt.
    Vorteil: einfache Reinigung, voller Geschmack, da die Öle nicht herausgefiltert werden
    Nachteil: da kein Filter benutzt wird, kann manchmal auch Kaffeesatz mit in das Getränk gelangen
    Preis: ca. 20-50€

  2. Chemex

    Methode: Dripper – Pour OverChemex
    Auch wenn sich der Chemex irgendwie modern und nach Chemieunterricht anhört – er ist es nicht. Er wurde bereits 1941 erfunden und wird bis heute unverändert benutzt.
    Der Chemex ist in verschiedenen Größen erhältlich. Wir gehen bei der Zubereitung einmal von einer Kanne mit 300 ml aus. In diesem Fall kocht man 600 ml, also die doppelte Menge Wasser auf. Man braucht einen speziellen Filter, der zu einem Kegel gefaltet in die Kanne gesteckt wird. Ungefähr die Hälfte des Wassers schüttet man nun durch das Sieb, um es anzufeuchten und die Kanne vorzuwärmen. Danach schüttet man das Wasser wieder aus. Der Chemex wird auf eine Tischwaage gestellt, um genau abmessen zu können, wie viel Wasser und Kaffee man zugibt. Der Filter wird dann mit dem grob gemahlenen Kaffeepulver gefüllt. Faustregel sind 65 Gramm Kaffeepulver pro Liter, das hängt aber auch vom individuellen Geschmack ab. Wenn das kochende Wasser eine gute Minute abgekühlt ist, wird es langsam in den Filter gegossen, und zwar gerade so viel, dass es die doppelte Menge des Kaffeepulvers ergibt. Dann wartet man weitere 30 Sekunden, bis das Wasser mit dem Kaffee „aufblüht“ (aus dem engl. „to bloom“), also aufquillt. Anschließend wird das Wasser mit einem langsamen, gleichmäßigen Strahl in den Filter gegossen. Mit vorsichtigen, kreisenden Bewegungen wird das Ergebnis am besten. Man sollte nicht nur in die Mitte oder nur am Rand gießen. Wenn das Wasser nach einigen Minuten dann komplett durchgelaufen ist, kann man den Filter entfernen und den Kaffee direkt aus der Kanne servieren.
    Bei dieser Brühmethode hat man den Vorteil, dass man selbst die Kontrolle hat und trotzdem sehr genau sein kann. Vollautomaten brühen oftmals zu heiß oder zu kalt auf, und geben der gemahlenen Bohne keine Zeit zur Entfaltung. Allein der Geruch, der beim Handbrühen aufsteigt, steigert die Vorfreude auf das Getränk.
    Vorteil: einfache Reinigung, genaue Anwendung durch das Abwiegen
    Nachteil: man braucht einen extra Filter, ohne Deckel kühlt der Kaffee in dem Chemex Behälter schnell aus
    Preis: ab 40€ ist der Chemex zu haben

  3. Aeropress

    Methode: Full ImmersionKaffee-kochen-Aeropress
    Der AeroPress Coffee Maker besteht aus einem Brühzylinder, einem Presskolben und einem Filterhalter. Diese Bestandteile sind aus Kunststoff. Außerdem benötigt man eine Tasse, in die man den frisch zubereiteten Kaffee füllen kann. Zuerst wird ein Filter in den Filterhalter gelegt, dann wird der Filterhalter in den Brühzylinder geschraubt und auf der Tasse platziert. Nun 15-25 Gramm Kaffeepulver (Menge und Mahlgrad nach Geschmack) in den Zylinder geben, dann bis zur mittleren Markierung mit 90-95 °C heißem Wasser füllen, und mit einem Löffel umrühren. Jetzt den Presskolben langsam und gleichmäßig hinunter drücken.
    Tipp: Falls sich der Presskolben schwer nach unten drücken lässt, solltet ihr ihn vorher anfeuchten.
    Der Kaffee in der Tasse ist nun schön stark. Ihr könnt, je nach Geschmack, die Tasse mit heißen Wasser auffüllen.
    Vorteil: da der Aeropress komplett aus Kunststoff ist, kann man ihn gut transportieren und ihn sogar auf Reisen mitnehmen, einfache Reinigung
    Nachteil: man braucht einen extra Filter, Kunststoffteile können mit der Zeit vergilben oder unansehnlich werden, es kann nur eine Tasse zubereitet werden
    Preis: 30€ solltet ihr für einen Aeropress mindestens investieren.

  4. Karlsbader Kanne

    Methode: Dripper -Pour over

    Kaffee-kochen-boehmisches-Kaennchen-Amazon
    Bilder © Amazon.de

    Die Karlsbader Kanne oder auch böhmische Kanne ist immer noch eine populäre Form des Kaffeebrühens. Als Seihkanne in Frankreich bereits im 18 Jahrhundert verwendet, wurde die Karlsbader Kanne sogar in den USA populär. Sie ist aus Porzellan und hatte in ihrer Ursprungsversion eine bauchige Kanne. Seit 2007 wird sie in einem neuen Design als Bayreuther Kaffeemaschine von der Firma Walküre hergestellt. Die Kanne besitzt ein glasiertes Porzellan-Doppelsieb, welches die Aromen besonders fein und schonend aus dem Kaffeepulver filtert. Auf der Kanne befindet sich ein Wasserverteiler. Pro Tasse werden 10 Gramm grobes Kaffeepulver in das Sieb gegeben. Danach wird siedend heißes Wasser in den Verteiler gegossen. Das Wasser läuft durch den Filter direkt in die Kanne. Wenn das komplette Wasser durchgelaufen ist, kann man den Verteiler und das Sieb abnehmen und den passenden Deckel auf die Kanne setzen.
    Vorteil: man kann direkt aus der Kanne servieren, man braucht keinen extra Filter, da die Kanne komplett aus Porzellan besteht, bietet sie ein klares und unverfälschtes Kaffeearoma
    Nachteil: der Porzellanfilter ist recht grob und eignet sich nicht für handelsübliches gemahlenes Kaffeepulver, die Reinigung ist aufwendigerPreis: ab 60€

  5. V60

    Methode: Dripper – Pour overKaffee-kochen-V60
    Nein, es handelt sich nicht um einen Volvo, wir reden immer noch von Kaffee. Die meisten von uns werden diese einfache Brühmethode noch von unseren Omas kennen. Dabei handelte es sich um einen ganz einfachen Plastik Filter in den eine gefaltete Filtertüte hineinkommt. Der Kaffee wurde in diesem Verfahren jedoch immer überextrahiert, das heißt er wurde sehr bitter, da der Filter nur zwei kleine Öffnungen zum Ablaufen besaß, und sich der Kaffee so staute. Dieses Verfahren wurde von einer japanischen Firma namens Hario überarbeitet. Der Filter ist nun nicht mehr aus Plastik, sondern aus Keramik, und auch der Ablauf wurde vergrößert. Rillen an der Innenwand des Keramikfilters begünstigen und regulieren den Ablauf.
    Man bringt 200ml Wasser zum Kochen und gibt einen Papierfilter in den V60. Je nach Geschmack gibt man 12 bis 15 Gramm Kaffeepulver gleichmäßig in den Filter. Dann wird der V60 auf eine Tasse gesetzt und mit dem heißen Wasser aufgebrüht. Man gießt das Wasser von innen und nach außen. Wie bei der Chemex-Methode bietet es sich auch hier an, den V60 auf eine Waage zu stellen und zuerst nur doppelt so viel Wasser wie Kaffeepulver zuzugießen (bei 15 Gramm Kaffeepulver also 30 ml Wasser). Dann wartet man einen Moment bis der Kaffee „aufblüht“. Nach 30 Sekunden kann man dann das restliche Wasser gleichmäßig hinzufügen. Für zwei Tassen kann man den V60 auf eine Kanne setzen und mit der doppelten Menge übergießen. Das Pulver sollte hierfür gröber sein. Wenn das ganze Wasser nach rund 2 Minuten durchgelaufen ist, kann man den frischen Kaffee genießen.
    Vorteil: leichte Reinigung, funktioniert auch mit handelsüblichem Kaffeepulver, intensives Aroma, einfaches und kleines Gerät, gibt es auch für größere Mengen
    Nachteil: man braucht einen extra Filter
    Preis: ab 15€

  6. Espressokocher

    Methode: Dripper – Pour overKaffee-kochen-Espressokocher
    Der Espressokocher ist eine typisch italienische Brühmethode. Auch wenn man damit keinen Espresso kochen kann, kommt es ihm doch recht nahe. Der zubereitete Kaffee ist sehr stark und kann mit heißem Wasser gestreckt werden, oder wunderbar für Cappuccino oder Latte Macchiato verwendet werden. Der Espresskokocher besteht aus drei Teilen, die aus Edelstahl oder Aluminium sind und zusammengeschraubt werden. Am besten verwendet man kochendes Wasser, das in den unteren Teil des Kännchens gefüllt wird. Darauf kommt der Siebträger, den man mit 20 Gramm Kaffeepulver füllt. Der Mahlgrad hängt von eurem persönlichen Geschmack ab. Man kann auch feines Pulver nehmen. Wichtig ist, dass man den Siebträger gleichmäßig füllt und die Oberfläche glattstreicht. Danach wird der obere Teil der Kanne darauf geschraubt. Bei mittlerer Hitze stellt man das Kännchen nun auf den Herd. Durch die Hitze kocht das Wasser erneut auf und sucht sich, dank des Drucks, seinen Weg durch das Pulver in den oberen Teil der Kanne. Der Deckel sollte spätestens geschlossen werden, wenn man den ersten Kaffee durchlaufen sieht. Wenn das komplette Wasser durchgelaufen ist, ist ein Blubbern oder Knistern zu hören. Dann sollte das Kännchen vom Herd genommen werden.
    Vorteil: starker, aromatischer Kaffee, man braucht keinen extra Filter
    Nachteil: bei falscher Anwendung kann der Kaffee metallisch schmecken, Espressokocher aus Aluminium können oft nicht auf Induktionsherdplatten verwendet werden
    Preis: ab 15€

Fazit

Wer seinen Kaffee von Hand brühen möchte, sollte einige Dinge auf jeden Fall beachten. Die Anschaffung einer Handmühle, um seinen Kaffee selbst zu mahlen, ist sehr sinnvoll. Eine Küchenwaage und ein Wasserkocher sollten ebenfalls vorhanden sein. Wer sich für eine der vorgestellten Varianten entscheidet, sollte sich im Klaren sein, dass es sich hierbei um eine zeitintensivere Zubereitung handelt, als nur auf ein Knöpfchen zu drücken. Dafür hat man aber einen individuellen Kaffee, der von der Intensität und dem Aroma oft mehr überzeugen kann, als eine automatische Kaffeemaschine. Viel Spaß beim Testen.