Kleiderkreisel wird kostenpflichtig – Das Bezahlsystem

Mode & Lifestyle von Claudi am 27.10.2014

Tauschen, kaufen, verkaufen und schenken – Das ist Kleiderkreisel. Oder das war Kleiderkreisel?  Bislang wurden Kleidung und Beautyprodukte im Sinne der Nachhaltigkeit getauscht und verkauft. Ohne Gebühr. Nachdem die Seite inzwischen mehr als erfolgreich etabliert ist, sind die Köpfe hinter dem Second Hand Marktplatz bereit, damit Geld zu verdienen. Man könnte meinen, dies geschieht mit Werbeanzeigen. Die Einnahmen aus diesen decken jedoch nur 20% der anfallenden Kosten. Um die Seite am laufen zu halten, war bislang stets die Unterstützung der Investoren nötig. Das soll sich jetzt ändern, indem das Portal kostenpflichtig wird. Ähnlich wie bei eBay fallen demnächst bei allen verkauften Artikeln Gebühren an.

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Wie funktioniert das Bezahlsystem von Kleiderkreisel?
Jeder Verkäufer ist künftig verpflichtet, den Kauf über das neue System anzubieten. Über die nächsten Wochen wird schrittweise auf dieses umgestellt. Es soll den Usern Sicherheit bieten. Bankdaten sollen nicht mehr an Fremde herausgegeben werden und auch nicht erhaltene Artikel sollen der Vergangenheit angehören.

Der Betrag geht also nicht direkt an den Verkäufer, sondern wird von Kleiderkreisel „sichergestellt“, bis der Käufer meldet, dass er den Artikel erhalten hat. Bezahlt wird mit Kreditkarte oder Sofortüberweisung. Für die Sofortüberweisung wird leider keine der in Deutschland bereits verbreiteten Lösungen verwendet. Da der Handel nicht nur zwischen den üblichen zwei Teilnehmern stattfindet, kommen diese leider nicht in Frage. Neben Käufer und Verkäufer ist auch die Plattform beteiligt, weshalb MangoPay für den Zahlungsverkehr genutzt werden soll. So erhält Kleiderkreisel direkt seinen Teil und muss die Gebühr nicht gesondert, wie beispielsweise eBay, einziehen. Wenn wir schon bei Gebühren sind – Wie hoch sind diese eigentlich?
Wie viel wird Kleiderkreisel zukünftig kosten?
Die Gebühr beträgt 10% des Verkaufspreises plus weitere 50 Cent Transaktionsgebühr. Wird beispielsweise ein Armband für nur einen Euro günstig weitergegeben, geht mehr Geld an Kleiderkreisel (10% + 0,50 € = 0,60 €) als an den Verkäufer (0,40 €).
Versicherter Versand bei Kleiderkreisel wird Pflicht
pakete

Um sicherzustellen, dass alle Pakete ankommen, wird der versicherte Versand verpflichtend. Und zwar nicht irgendeiner, sondern der teuerste: Alles kommt mit DHL. Ziemlich schade, da Hermes nicht nur günstiger, sondern auch zuverlässiger ist. Durch den versicherten Versand soll im Zweifelsfall nachgewiesen werden können, dass ein Paket versendet beziehungsweise angekommen ist. Käufer müssen künftig Bescheid geben, wenn sie die Ware erhalten haben. Erst dann leitet Kleiderkreisel das Geld an den Verkäufer weiter. Dieser muss also bis dahin das Geld vorstrecken – Auch für den nicht gerade geringen Versand. Die günstige Weibergabe und somit auch die Nachhaltigkeit gehen so schnell flöten. Durch die Einführung des Systems, sollen Käufer außerdem vor mangelhafter Kleidung geschützt werden. Doch wer prüft, ob diese wirklich mangelhaft ist? Wer sichert in diesem Fall den Verkäufer ab?
Nicht antwortende Verkäufer sollen der Vergangenheit angehören
Es kommt nicht gerade selten vor, dass Artikel eingestellt werden und trotzdem nicht zu haben sind, da die Verkäufer einfach inaktiv sind. Mit dem neuen Bezahlsystem sollen wir nicht mehr auf Antworten derer warten müssen, sondern können den Artikel einfach kaufen. Ob der inaktiver Verkäufer dies mitbekommt, ist eine andere Frage. Wird nicht innerhalb einer vorgegeben Zeitspanne versendet, muss dieser wohl mit Mahnspesen rechnen.
Für wen gilt das neue Bezahlsystem von Kleiderkreisel?
Es wird zwar schrittweise eingeführt, früher oder später aber dennoch Pflicht. Und zwar für alle Kreisler, die in Deutschland leben. Käufer aus dem Ausland können weiterhin mitmachen und wie gewohnt über Nachrichten zum Kaufabschluss kommen. Apropos Mitmachen – Das ist demnächst erst ab 18 Jahren erlaubt. Die vielen unter 18 jährigen sind somit raus. Noch so etwas, womit sich Kleiderkreisel ins eigene Fleisch schneidet.
Wird sich das Bezahlsystem durchsetzen?
kleiderschrank

Es ist verständlich, dass die Plattform ihre Kosten decken muss. Ob das der richtige Weg ist, bleibt fragwürdig. Artikel werden großteils sehr günstig angeboten – Wenn von dem Preis dann noch etwas an Kleiderkreisel abgetreten werden muss, bleibt für den Verkäufer nicht viel. Eine kleine Jahresgebühr wäre vermutlich sinnvoller. Bei so vielen Mitgliedern wäre auch das eine Summe im Millionenbreich. Außerdem macht der teure, versicherte Versand bei beispielsweise Ohrringen für einen 1 € keinen Sinn. Auch das kostengünstige Tauschen wird so teurer. Kleiderkreisel handelt gegen sein eigenes Konzept. Verkäufer können nicht mehr selbst entscheiden, an wen sie etwas verkaufen. Außerdem müssen sie den Betrag vorstrecken, was zum Problem werden kann, wenn mehrere Artikel zeitgleich geordert werden. Bis das Geld dann tatsächlich eintrudelt, können schon ein paar Wochen vergehen (Artikel nicht als erhalten gemeldet – Nachforschung – mangelhafter Artikel – Zeitspanne der Transaktion von MangoPay). So sehr Kleiderkreisel die Käufer schützen möchte, so sehr werden die Verkäufer vernachlässigt. Auch die Ausgrenzung der Minderjährigen dürfte zu einem Problem werden.

Wer an dem alten Kleiderkreisel hängt und nicht einfach loslassen möchte, kann die Petition gegen die Kommerzialisierung des Portals unterzeichnen.
Alternativen zu Kleiderkreisel
Bislang standen die verschiedenen Seiten im Schatten von Kleiderkreisel. Mit der Einführung des abschreckenden Bezahlsystems scheint ihre Zeit gekommen. Sie funktionieren so, wie Kleiderkreisel bisher funktioniert hat, was uns ermöglicht, weiterhin kostengünstig und im Sinne der Nachhaltigkeit zu tauschen und verkaufen.

 

kleiderkorbDie Seite ist quasi die kleine, uneheliche Schwester von Kleiderkreisel. Viele Kreisler haben bereits angekündigt, zu Kleiderkorb zu wechseln, sobald das Bezahlsystem Pflicht wird. Die Auswahl ist zwar noch nicht so groß, aber das wird bestimmt nicht. Artikel werden hier um einiges billiger angeboten, was hoffentlich auch so bleibt. Einziges Manko: Das Portal ist ziemlich unübersichtlich, was die Suche langwieriger macht. Mit mehr Usern muss die Seite definitiv aufrüsten, womit vermutlich auch Filterfunktionen einhergehen würden.

 

be_vintageAuch wenn das Grunddesign richtig schön ist, merkt man, dass be vintage noch in den Kinderschuhen steckt. Die Anzeigebilder sind zu klein und auch die Titel nicht förderlich. Anstatt einer Artikelbezeichnung erscheinen Angaben wie „Tines Kleid“, was nicht gerade dazu beiträgt, Gesuchtes schnell zu finden.

 

maedchen_flohmarktHeißt zwar Flohmarkt, die Preise von solchen gibt es aber eher selten. Mädchen Flohmarkt ist die Luxus-Variante unter den 2nd Hand Kleidungs Portalen. Hier findet ihr hauptsächlich Designerkleidung, -schuhe und Accessoires.

 

 

rebelleSo günstig wie bei Kleiderkreisel geht es hier nicht zur Sache, da Rebelle sich auf Designer-Schnäppchen konzentriert. Diese sind hier noch mal günstiger, als bei Mädchen Flohmarkt. Das Sortiment ist breit gefächert und die Seite übersichtlich aufgebaut. Das ideale Portal für die mittelgroße Geldbörse.