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Frauensteuer? Pink Tax, nee danke! Finden wir doof!

 4. Juli 2018
Katrin in Shopping Hacks
Ich denke, uns allen ist bereits aufgefallen, dass es inzwischen für alles eine Männer und eine Frauen-Variante gibt. Ob es nun Rasierer, Duschgel oder sogar das Ü-Ei sind. Dass es aber sexistische Preise gibt, und speziell auf die Frauen „zugeschnittene“ Produkte oft mehr kosten, wird bei uns in Deutschland noch viel zu selten thematisiert. Die britische Zeitung The Times stellte fest, dass der Preisunterschied (die sogenannte Pink Tax, also die Pink-Steuer) sogar bis zu 37 Prozent betragen kann! Doch warum?

Gleicher Inhalt, unterschiedlicher Preis

Die Drogeriemärkte sind streng unterteilt in rosa-bunte Abteilungen für die Ladies, mit pinken Zahnbürsten für sie, Rasiergel mit Vanillegeruch und violetter Verpackung, sowie allerlei Kosmetikkram in sämtlichen Nuancen der typisch-mädchenhaft belegten Farbe rosa. Daneben Berge aus schwarzem Duschgel mit Flammen, blauen Produktverpackungen - ab und zu darf auch mal ein grelles Orange mit in das männliche Design.

Glatte Beine - nicht nur mit Damen-Shaver! Copyright Shutterstock

Unterscheiden sich Kosmetikartikel für Männer und Frauen wirklich?

Was also optisch stark auffällt: diese Produkte scheinen verschieden. Aber ist dem so? Tatsächlich ist der einzige Unterschied bei vielen Kosmetikartikeln die Farbe. Rasierer haben gleiche Klingen und sehr ähnliche Inhaltsstoffe in den Gleitstreifen - doch kostet zum Beispiel ein pinker Einwegrasierer deutlich mehr als ein identischer Einwegrasierer für den Mann. Bis zu 100 Prozent Preisaufschlag kann beobachtet werden! Auch Rasierschaum unterscheidet sich meist nur durch die Duftzusätze und die Farbe der Verpackung. Ein so starker preislicher Unterschied ist laut der Verbraucherzentrale aufgrund der Inhalte kaum angemessen.

Frauenprodukte teurer? “Das ist Quatsch“

Doch wird Unmut der Konzerne gegenüber Vorwürfen der Verbaucherzentrale Hamburg laut. derwesten.de zitiert die Drogeriekette Rossmann, Gender Pricing gäbe es dort nicht. Denn eine bewusste Diskriminierung von Frauen bei Produktpreisen würde für den Laden, in dem rund 80 Prozent weibliche Kundschaft dominiert, keinen Sinn machen. Doch zeigt sich ganz klar: die Preisunterschiede gibt es!

Auch Niveas Aussagen zur Thematik sind eher schwach - Produkte seien sich zwar ähnlich, dass sie dem Verbraucher mit verschiedenen Preisen angeboten werden, läge allerdings nicht in der Hand des Konzerns. Es gäbe eine identische unverbindliche Preisempfehlung, der Handel kann jedoch bei die Preise frei entscheiden.

Doch wir wissen: Der Preis ist heiß, besonders für die Damen. Warum sind Frauenprodukte also teurer?

Copyright Shutterstock

Die vermeintliche Gleichberechtigung

Kosmetika, Parfum, Hygieneprodukte oder Dienstleistungen wie zum Beispiel der Friseurbesuch: Die Frau zahlt mehr. Dass es bisher keinen großen Aufschrei gab, ist mir zwar im Grunde unklar, doch man hofft zu erahnen, man wünscht sich einen plausiblen Hintergrund für diese Preislücke. Und als moderne Frau findet man ihn: Gleichberechtigung! Ah, na klar. Dann macht das natürlich Sinn, endlich ein Ende der Diskriminierung, ich kann mir die Beine nun endlich auch mit einem rosa Rasierer bearbeiten und danach duften, als wäre ich einen Topf aus Vanille gefallen.

Abgesehen davon, dass ich nicht weiß, warum Vanille ein typisch weiblicher Duft sein soll (?) und ich meine Emanzipation nicht durch rosa Haarentfernungsprodukte fortschreiten sehe, macht das mit der Gleichberechtigung natürlich wenig Sinn. Allerdings gehen die Unternehmen richtig in der Annahme, dass die Damen mehr Geld für Pflegeprodukte und Beauty-Zubehör ausgeben - das sollen sie zumindest nach sozialer Norm auch, denn nur eine hübsche Frau hat ja schließlich ihr Leben unter Kontrolle.

Diesen vermeintlichen Umstand nutzen die Großkonzerne, und ziehen eine Gewinnmaximierung durch, während den Verbraucherinnen eine Rücksichtsnahme auf ihre Bedürfnisse vorgegaukelt wird - auf Kosten der Frau. Frauenprodukte teurer machen, gleichzeitig damit werben, die Frau zu integrieren - da stimmt was nicht.

Nur für Frauen? Klar, ist ja rosa;) Copyright Shutterstock

50 shades of pink

Bei diesem Thema komme ich nicht darum herum, mich zu fragen: Warum braucht "die Frau" ihre Produkte in Rosa, Violett, Helltürkis und Perlmutt? Warum kann es nicht für alle Beteiligten neutrale Produkte geben - ich kenne genug Männer, die auch eine schöne rote Verpackung schätzen. Und auch habe ich als Frau nichts dagegen, mich mit einem Produkt einzuseifen, dessen Hülle schwarz, weiß oder auch mal braun ist. Seit wann heißt rosa eigentlich „weiblich“?

Die, die gerne rosa Seife benutzen, die sind natürlich herzlich willkommen - ich greife bei einem identischen Preis sicher auch eher zu einer türkis-schimmernden Verpackung, als zu einer schwarzen. Aber bitte, nicht auf die speziellen Wünsche der Damen "eingehen" und im gleichen Atemzug eben diese Produkte teurer machen! Die männlichen Produkte sind ja auch maskulin designt, ohne dass hier drauf gezahlt wird.

Keine Gleichberechtigung auf wortwörtliche Kosten der Kundin! Mehr Neutralität, das finde ich gut. Gleiche Preise für alle. Und bis dahin - als Sparfuchs einfach auch mal in der Männerabteilung stöbern. Ein Lichtblick: Wenigstens die Überraschungseier kosten noch gleich viel. 

Am besten setzt man aber immer noch auf Naturkosmetik. Da weiß man, wofür man Geld bezahlt und muss sich in der Regel auch nicht mit unnötigen rosa Verpackungen rumschlagen. Wer gleich ganz auf den Kauf von Kosmetikprodukten verzichten will, macht es sich einfach selbst. Wir haben die 10 besten Kosmetik-Anwendungen mit Kokosnussöl für euch.