Frauensteuer? Pink Tax, nein danke!

Egal, ob beim Rasierer, Duschgel, Deo, Shampoo oder sogar dem Überraschungs-Ei. Die Variante für die Frau ist rosa und- teurer! Sexismus bei der Besteuerung ist in deutschen Supermärkten leider normal. Der Preisunterschied (die sogenannte Pink Tax, also die Pink-Steuer) kann bis zu 100 Prozent betragen kann! Doch warum?
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Schnellcheck: Pink Tax

✅Pink Tax meint die höhere Besteuerung von Artikeln für eine weibliche Zielgruppe

✅Konzerne streiten es ab, doch die Pink Tax ist durch Studien nachgewiesen: Frauen zahlen besonders für Kosmetikartikel mehr 

✅Die Produkte unterscheiden sich meist nicht oder kaum von denen an Männer adressierten

✅Shoppen im Männerbereich lohnt sich!


Was ist die Pink Tax?

Die Drogeriemärkte sind streng unterteilt in rosa-bunte Abteilungen für die Ladies, mit pinken Zahnbürsten für sie, Rasiergel mit Vanillegeruch und violetter Verpackung, sowie allerlei Kosmetikartikel in sämtlichen Nuancen der typisch-mädchenhaften Farbe rosa. Daneben Berge aus schwarzem Duschgel mit Flammen, blauen Produktverpackungen - ab und zu darf auch mal ein grelles Orange mit in das männliche Design. Das alleine nervt in unserem heutigen Zeitalter schon langsam. Können Mann und Frau nicht das gleiche Duschgel verwenden? Vielleicht ein gelbes mit Zitronenduft?

Das eigentlich Problem ist jedoch, dass die rosaroten Rasierer, das pinke Duschgel und die hell-verpackte Creme deutlich mehr kosten, als das männlich aussehende Pendant! Gerade im Bereich Rasur sind die Preis für die feminin anmutenden Produkte teilweise doppelt so hoch! Aber nicht nur Drogerieprodukte sind im Preis teurer, wenn Sie für Frauen angeboten werden, auch bei der Textilreinigung - die Damenbluse kostet im Schnitt 1,80€ mehr als das Herrenhemd oder im Friseursalon, wo die Frau im Schnitt 12,50€ mehr zahlen muss, macht sich gender pricing deutlich bemerkbar.

Tampons und Binden gehören zum natürlichen Bedarf einer Frau, das dürfte jedem klar sein. 50% der Bevölkerung zahlt bis zu 700€ im Laufe Ihres Lebens der Periode wegen. Trotz der absoluten Notwendigkeit dieser Art von Hygieneartikel, werden diese bis zum heutigen Tage mit 19% - also wie Luxusgüter- besteuert. Für "bestimmte Güter des lebensnotwendigen Bedarfs", wie Lebensmittel (auch solche, die absolut nicht lebensnotwendig sind), gilt ein verminderter Steuersatz von 7%. Jeder Protest gegen diese unfaire Einteilung ist bisher im Sande verlaufen. Frauen müssen weiterhin teure Tampons und Binden kaufen und werden für die natürlichen Mechanismen, die die Menschheit erhalten, bestraft.

Das allerbeste ist zudem, dass Frauen immer noch bewiesener Maßen deutlich weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen - und das bei gleicher Arbeit. Weniger Verdienst und teurere Produkte? Das riecht nach doppelter Benachteiligung.

pink tax ist scheiße

Unterscheiden sich Kosmetikartikel für Männer und Frauen überhaupt?

Was also optisch stark auffällt: Männer- und Frauen-Produkte scheinen verschieden. Aber ist dem so? Tatsächlich ist der einzige Unterschied bei vielen Kosmetikartikeln die Farbe. Rasierer haben gleiche Klingen und sehr ähnliche Inhaltsstoffe in den Gleitstreifen - doch kostet zum Beispiel ein pinker Einwegrasierer deutlich mehr als ein identischer Einwegrasierer für den Mann. Bis zu 100 Prozent Preisaufschlag kann beobachtet werden! Auch Rasierschaum unterscheidet sich meist nur durch die Duftzusätze und die Farbe der Verpackung. Ein so starker preislicher Unterschied ist laut der Verbraucherzentrale aufgrund der Inhalte kaum angemessen und schlichtweg sexistisch- gender pricing ist also real.

Frauenprodukte teurer? “Pink Tax ist Quatsch“

Doch wird Unmut der Konzerne gegenüber Vorwürfen der Verbaucherzentrale Hamburg laut. derwesten.de zitiert die Drogeriekette Rossmann, Gender Pricing gäbe es dort nicht. Denn eine bewusste Diskriminierung von Frauen bei Produktpreisen würde für den Laden, in dem rund 80 Prozent weibliche Kundschaft dominiert, keinen Sinn machen. Doch zeigt sich ganz klar: die Preisunterschiede gibt es!

Auch Niveas Aussagen zur Thematik sind eher schwach - Produkte seien sich zwar ähnlich, dass sie dem Verbraucher mit verschiedenen Preisen angeboten werden, läge allerdings nicht in der Hand des Konzerns. Es gäbe eine identische unverbindliche Preisempfehlung, der Handel kann jedoch bei den Preisen frei entscheiden.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat bei einer Studie klare Ergebnisse hervorgebracht: Frauenprodukte sind teurer. Du kannst das in dieser Tabelle anhand der Beispiele Parfum, Rasierschaum und Einwegrasierer nachvollziehen.

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Pink Tax lohnt sich für Konzerne

Kosmetika, Parfum, Hygieneprodukte oder Dienstleistungen wie zum Beispiel der Friseurbesuch: Die Frau zahlt mehr. Dass es bisher keinen großen Aufschrei gab, ist zwar im Grunde unklar, doch man hofft zu erahnen, man wünscht sich einen plausiblen Hintergrund für diese Diskrepanz. Und ziemlich schnell wird klar, dass es von Unternehmerseite einen guten Grund für die unterschiedlichen Preise gibt: Frauen sind eher bereit, Geld in Kosmetikprodukte zu investieren. Viel Geld, deutlich mehr Geld als Männer. Denn in einer Gesellschaft, in der der Wert einer Frau immer noch stark an ihr Äußeres, ihre Schönheit gekoppelt ist, will keine zurückfallen, wenn es um das Thema Beauty geht. Die Unternehmen liegen demnach richtig in der Annahme, dass die Damen mehr Geld für Pflegeprodukte und Beauty-Zubehör ausgeben, ganz gemäß der sozialen Norm, der sich eine schöne, kluge, top fitte, ordentliche, Karriere- und Familienorientierte, moderne Frau bitte zu unterwerfen hat. Ironie Ende. Und wo Geld erahnt wird, wird vermeintliches Kaufverhalten von den Großkonzernen schamlos ausgenutzt. Die Frau erhält kein besseres Produkt, ist aber durch Kultur und Werbung genug darauf getrimmt, die teureren Produkte trotzdem zu kaufen, also soll sie das bitteschön auch machen. Danke auch!


Nicht nur Deutschland hat ein Pink Tax-Problem. In diesem Video siehst du, wie gender pricing anderer Orts aussieht:




Trick: Kann ich die Pink Tax umgehen?

Ganz ehrlich, brauchen wir Frauen rosa Rasierer, Rasierschaum in violetter Verpackung, extra sanftes Deo (lieber einen Blick auf die Inhaltsstoffe, als auf die Werbeversprechen werfen)? Nö, eigentlich nicht. Es lohnt sich also absolut, bei Hygieneprodukten, die prinzipiell von beiden Geschlechtern genutzt werden, einen Blick in die Männerabteilung zu werfen und zu vergleichen. Besonders Einwegrasierer bieten in der weiblichen Variante keinerlei Vorteil und sind dennoch so viel teurer. Ein Lichtblick: Wenigstens die Überraschungseier kosten noch gleich viel. 


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