Mythen und eine Wahrheit: Diesen Einfluss haben Mondphasen auf den Menschen

Unterhaltung von Isabel am 01.09.2016

Vollmond macht dünn, hält wach und lockt Schlafwandler aus ihren Betten. Ebenso lässt er Pflanzen sprießen, die Geburtenrate in die Höhe schnellen, unser Liebesleben hochkochen und Ehen länger halten – offensichtlich kein schlechter Deal, den wir Menschen da mit dem Himmelskörper gemacht haben. Wären da nicht die mangelnden Beweise, die die meisten der tollen Mondkräfte als Mythen entlarven…

Wir haben mal die 7 größten Mythen über den Einfluss der Mondphasen auf den Menschen gesammelt und dabei ganz nebenbei noch eine Sache entdeckt, die dann doch wissenschaftlich bewiesen ist.

Mondphasen über Landschaft

Bei Vollmond steigt die Geburtenrate

Wenn das tatsächlich stimmt, sollten die Krankenhäuser in Deutschland vor allem am 16. September, 16. Oktober, 14. November oder 14. Dezember 2016 doppelt besetzt sein. Denn laut Mondkalender, den ihr hier einsehen könnt, ist an diesen Tagen Vollmond. Der Mythos besagt, dass bei Mondwechsel besonders viele Kinder zur Welt kommen und die Geburtenrate somit steigt. Vollkommener Blödsinn, sagt Oliver Kuß vom Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er analysierte Geburten zwischen 1966 und 2003 in Baden-Württemberg.

Mehr als vier Millionen Geburten und 470 Mondphasen später stand fest: Die Zahl der Geburten wird nicht durch den Mond beeinflusst.

Der Mond beeinflusst das Sexleben

Da gehört jetzt viel Fantasie dazu, denn der Mythos besagt, dass Sex und Leidenschaft abhängig vom aktuellen Mondstand in den verschiedenen Tierkreiszeichen sind. Heißt: Steht der Mond im Löwen, ist langer ausdauernder Sex drin, steht der Mond allerdings im Tierkreiszeichen Jungfrau, ist leidenschaftlich eher Ebbe. Im Zeichen des Steinbocks sollte man lieber ganz auf Sex verzichten, während der Mond im Tierkreiszeichen Fische oder Krebs eher zu romantischem Kuschelsex anregt.

Beschwerden über schlechten Sex oder mangelnde Leidenschaft also bitte direkt an den Mond adressieren, nicht an den eigenen Partner.

Der Mond hilft beim Abnehmen

Schon einmal von der Mond-Diät gehört? Bei dieser wird die Ernährung nach Mondphasen und Tierkreiszeichen umgestellt, denn angeblich soll der Körper an manchen Tagen – abhängig von Mond und Sternzeichen – mehr oder weniger empfindlich auf bestimmte Nährstoffe reagieren. So heißt es im Volksmund, dass während des Vollmonds Kilos schneller auf die Hüften kommen als an anderen Tagen.

Frau mit Maßband und zu weiter Hose

Heißt: Am besten einen Tag vor und während des Vollmonds nur Rohkost essen oder auch mal einen Tag fasten. Dass man dabei auch ohne Mond abnimmt, ist eigentlich nur logisch.

Vollmond zieht Schlafwandler magisch an

Weniger magisch, eher logisch, ist die Erklärung zu dieser populären Mond-Lüge. Die einzige Kraft, die ein Vollmond gegenüber Schlafwandlern wirklich hat, ist seine Helligkeit! Studien belegen, dass Schlafwandler von hellen Lichtquellen angezogen werden, so auch vom hell durchs Fenster leuchtenden Vollmond.

Die einfache Lösung: Rollos runter, Schlafmaske auf!

Hochzeit soll man stets bei Vollmond feiern

Wer wirklich richtig glücklich in seiner Ehe sein will, sollte dringend bei Vollmond heiraten. Die glücklichste Ehe überhaupt verspricht eine Hochzeit bei Vollmond im Juni. Wer sich nicht zeitig genug kümmert und keinen Hochzeitstermin mehr am Vollmondtag findet, darf auch bei zunehmendem Mond heiraten. Dann kann sich die Beziehung noch entwickeln, aber auf keinen Fall sollte die Venus, der Liebesplanet, rückläufig sein oder im Zeichen Widder, Jungfrau oder Skorpion stehen. Das bringt Unglück. Dass das wohl auch in Zukunft eher Aberglaube als wissenschaftlich bewiesen bleibt, ist zu erwarten.

Der Mond beeinflusst das Pflanzenwachstum

Zugegeben, das beeinflusst jetzt nicht direkt den Menschen, aber es diktiert ihm zumindest seinen Arbeitsaufwand im Garten. Immerhin – An Neumond hat der sogenannte Mondgärtner Pause. Er geht davon aus, dass die Gravitationskraft des Mondes nicht nur die Weltmeere hinsichtlich Ebbe und Flut beeinflusst (bewiesen!), sondern auch kleinere Wassermengen innerhalb von Pflanzen. Das wurde allerdings wiederlegt. Denn schon bei Tests in kleineren Gewässern veränderte sich der Wasserhaushalt nicht.

Hier trotzdem der Mythos: Bei abnehmendem Mond nehmen auch die Mondkräfte ab und die „Erde atmet aus“, heißt es unter Mondgärtnern. Nährstoffe und Feuchtigkeit dringen tief in den Boden ein, während bei Neumond alles eher ruht. An diesen Tagen kann also getrost mal auf Gartenarbeit verzichtet werden.

Mit zunehmendem Mond nimmt auch dessen Kraft wieder zu. In Fachkreisen heißt das: „die Erde atmet ein“. Was das konkret bedeutet? Das Wachstum oberhalb der Erde ist begünstigt und es sollten Blatt-, Frucht- und Blütenpflanzen gesät und gepflanzt werden. Im Vollmond erstrahlen Pflanzen dann in voller Kraft – angeblich.

Bei Vollmond schläft man schlechter

Wer hat sich nicht schon einmal dabei ertappt, wie er seinen schlechten, unruhigen Schlaf mit dem Vollmond am Himmel erklärt hat und das, obwohl man in einem völlig abgedunkelten Raum geschlafen hat. Das war lange Zeit ein ähnliches Ammenmärchen, wie alle sechs Punkte zuvor. Doch dann kam der Baseler Chronobiologe Christian Cajochen und sein Team! Sie konnten belegen, dass mit zunehmendem Mond die Schlafqualität abnimmt.

In ihre Analyse flossen Daten von 17 jungen und 16 älteren Erwachsenen ein. Diese mussten mehrfach im Schlaflabor übernachten, wobei ihre Hirnströme aufgezeichnet wurden. Ebenso wurde die Bewegung der Augen und die Ausschüttung bestimmter Hormone gemessen, vor allem Melatonin, das eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus spielt.

Das Ergebnis: Bei Vollmond konnten die Forscher 30 Prozent weniger Delta-Wellen in den Hirnströmen der Probanden messen. Diese gelten als Anzeichen für Tiefschlaf. Außerdem brauchten die Testpersonen im Schnitt 5 Minuten länger zum Einschlafen, und alles in allem verkürzte sich der Schlaf um 20 Minuten! Warum, bleibt vorerst ein Mysterium.